Vor 70 Jahren: Nazis richten die Geschwister Scholl hin

21.02.2013 | 17:15 |   (DiePresse.com)

Hans und Sophie Scholl kämpften für Freiheit und gegen das NS-Regime. Am 22. Februar 1943 wurden die Mitglieder der "Weißen Rose" dafür hingerichtet.

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"Es lebe die Freiheit", sagte Hans Scholl am 22. Februar 1943 kurz nach 17 Uhr. Dann legte er seinen Kopf unter das Fallbeil. Wenige Minuten zuvor hatten die Nationalsozialisten seine Schwester Sophie im Rapportzimmer des Gefängnisses München-Stadelheim hingerichtet. Auch ihr Mitstreiter Christoph Probst wurde guillotiniert. Die Studenten hatten sich 1942 zu der Widerstandsbewegung "Weiße Rose" zusammengeschlossen und seither mittels Flugblättern gegen das NS-Regime mobil gemacht.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, waren Hans und Sophie gerade fünfzehn und zwölf Jahre alt. Beide gehörten sie der Hitler-Jugend an - zum Leidwesen ihrer liberal eingestellten Eltern. Die anfängliche Begeisterung der Jugendlichen wich aber bald der Ablehnung; die Forderung nach totalem Gehorsam war ihnen zuwider. 1939 begann Hans ein Medizinstudium an der Universität in München, wo er bald in Kontakt mit regimekritischen Studenten kam, darunter Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf.

1942 schlossen sich die vier Männer zur Widerstandsbewegung "Weiße Rose" zusammen. Zwischen Juni und Juli verfassten sie vier Flugblätter, die sie per Post, anonym an Intellektuelle im Raum München verschickten. Dann kam ihre Beorderung an die Ostfront. Die dortige Konfrontation mit Massenmorden, Elend und das Wissen über die Deportation und die Behandlung von Juden bestärkten sie darin, sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland noch vehementer gegen das Regime zur Wehr zu setzen. Im Winter trat auch Sophie - die mittlerweile mit dem Studium der Biologie und Philosophie begonnen hatte - der "Weißen Rose" bei.

Urteil vor Prozessbeginn

Am 18. Februar wurde den Geschwistern Scholl ihr sechstes Flugblatt zum Verhängnis. Mit einem Koffer und einer Aktentasche betraten sie gegen 11 Uhr die Münchner Universität. Stapelweise legten sie die Papiere vor den Hörsälen ab, dann eilten sie zum Hinterausgang des Gebäudes. Plötzlich verharrten sie, blickten sich an und kehrten um. Über die Treppen liefen sie in den ersten Stock hinauf, legten dort weitere Blätter ab. Dann rannten sie in den zweiten Stock, wo Sophie die Übrigen über die Brüstung in den Lichthof warf. Dabei wurde sie vom Hausmeister Jakob Schmid entdeckt und gemeinsam mit Hans der Gestapo ausgeliefert.

In den kommenden Tagen wurden die Geschwister von den Kommissaren Anton Mahler und Robert Mohr stundenlang, getrennt voneinander verhört. Auch Probst wurde verhaftet. Noch bevor der Prozess gegen sie begann, stand das Urteil fest. "Der Gauleiter bittet, die Aburteilung in den nächsten Tagen hier und die Vollstreckung alsbald darauf vorzunehmen", hieß es in einer Anweisung des Gerichtes.

→ Das sechste Flugblatt der "Weißen Rose"

Ausgesprochen wurde der Schuldspruch schließlich vom Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, der als "Blutrichter" bekannt war. Denn zwischen 1942 und 1945 wurden am Volksgerichtshof mehr als 5000 Todesurteile gefällt, davon rund 2600 durch den von Freisler geführten Ersten Senat des Gerichts. Ein Zeuge erinnerte sich später, dass Freisler während des Scholl-Prozesses "tobend, schreiend, bis zum Stimmüberschlag brüllend, immer wieder explosiv aufspringend" agierte.

Das Gericht sprach die Scholls und Probst der "Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" schuldig. Später wurden auch die "Weiße Rose"-Mitglieder Schmorell, Graf und der Universitätsprofessor Kurt Huber von den Nazis gefasst und hingerichtet.

Charakterstärke, Liebe und Glaube

Kurz vor ihrer Hinrichtung durften Hans und Sophie ihre Eltern sehen. Mohr erinnerte sich später an die letzten Stunden Sophies: "Sie entschuldige sich ihrer Tränen, indem sie mir mitteilte: 'Ich habe mich gerade von meinen Eltern verabschiedet, und sie werden begreifen. (...) Ich kann nur wiederholen, dass dieses Mädel, wie auch ihr Bruder, eine Haltung bewahrt hat, die sich nur durch Charakterstärke, ausgeprägte Geschwisterliebe und eine seltene Tiefgläubigkeit erklären lässt."

Heute, 70 Jahre später, erinnern Ausstellungen, das Weiße-Rose-Institut, Filme, eine Wachsfigur, Ehrengräber und der Geschwister-Scholl-Preis an die jungen Widerstandskämpfer - bei ihrem Tod waren Hans und Sophie gerade 24 und 21 Jahre alt. Zwei Plätze vor dem Universitätshauptgebäude in München sind ebenfalls nach den beiden benannt. Vor dem Eingang erinnern in den Boden eingelassene, steinerne Flugblätter an die "Weiße Rose".

Weiße Rose

Der Ursprung des Names "Weiße Rose" ist umstritten. Der Schriftzug fand sich auf den ersten vier Flugblättern der Gruppe. Einige Historiker orten darin eine Anspielung an das Buch "Die weiße Rose" von B. Traven, das Hans Scholl nachweislich gelesen hatte. Dieser stritt bei seinem Verhör einen Zusammenhang aber ab und gab an, den Namen "willkürlich gewählt" zu haben.

Möglicherweise ist die Rose eine Anlehnung an eine Kirschblüte - das Symbol der deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929 "dj.1.11", der Hans und Sophie Scholl angehörten. Wieder andere Quellen gehen davon aus, dass der Name auf die Zeichnung einer weißen Rose auf einer Postkarte aus dem Verlag Max Baur zurückgeht. Diese soll den Soldaten Fritz Rook 1941 zu einem Text inspiriert haben, der Alexander Schmorell so gut gefiel, dass er die Adressatin, Lilo Ramdohr, bat, diesen kopieren zu dürfen, um ihn Hans Scholl zu zeigen.

(hell)

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95 Kommentare
 
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Die Scholls

wurden von Staatsanwälten und Richtern verurteilt, die reihenweise in ihren Berufen verblieben sind.
Warum hört man von diesen Leuten nicht regelmäßig.

Gut gemacht!

Guter Artikel! Info ist genau! Bis auf .. warum ,, Weiße Rose'' Abenteuer-Schriftsteller Bedhaven schreibt ūber die Ausbeutung Mexikanischer Bauern! Der namensgeber!

Von den Überlebenden der Weißen Rose weiß man übrigens..


..dass sie nicht nur Christen, sondern auch deutschnational waren. Maßgeblich für ihren selbstlosen Einsatz war ihr Kampf für Freiheit und das Bestreben, Schaden von Volk und Vaterland abzuwenden: Der Kampf für, und nicht gegen etwas ist an dieser Stelle bezeichnend.

Dies kann freilich die heutige "Antifa", die andauernd gegen etwas kämpfen will, nicht daran hindern, die Weiße Rose immer wieder als antinational für sich vereinnahmen zu wollen -- dabei könnten die Weltanschauungen von Weißer Rose und Antifa unterschiedlicher nicht sein.

Die Überlebenden Hans und Susanne Hirzel hätten durch ihre spätere Mitgliedschaft bei den Republikanern bzw. dem BPE wegen Aktionen wie "kein Bier für Nazis" vielerorts nicht einmal mehr ein Bier bestellen können, da die Republikaner und BPE mittlerweile auch schon unter "Nazis" subsumiert werden.

Susanne Hirzel (gestorben 4. Dezember 2012) hier in einem Interview, dass den ganzen antinationalen Aktivisten und "Antifaschisten", die sich doch immer wieder so gerne auf die Weiße Rose berufen, sauer aufstoßen dürfte: http://bit.ly/WaJH4w

Das will die Antifa nicht wahrhaben bzw. was steht in der Tiroler Landeshymne

Passend wäre auch der Titel "Zurechtgebogene Geschichte" gewesen ... im Einzelnen ...
die Antifa will eben einfach nicht wahrhaben, dass es auch "rechten" Widerstand gegen Nazis gab, dass auch der "rechte" Widerstand Tote zu beklagen hatte. Dieses Zugeben würde ja dann doch furchtbar stören, wenn die Antifa pauschal gegen "Rechte" vorgeht.

Allerdings gibts das auch wo anders ...
... gegen wen genau hat denn Andreas Hofer im Widerstand gekämpft?
... wer genau wollte den Landlibell aufheben und weshalb denn nun führt die "Sachsenklemme" GENAU DIESEN Namen?
Ja, genau, Bayern und Sachsen waren die Gegner von Hofer.
Und wie heissts in der Tiroler Landeshymne so schön? "... ganz Deutschland ach in Schmach und Schmerz ..." was sind denn Bayern und Sachsen? Keine Teile Deutschlands? Heuchler links und rechts, wohin das Auge schaut.

wenn ich die Kommentare da lese,

dann möchte ich doch sehr an der Dsmokratie zweifeln.

Außer meine natürkich ;-)

Luegen, wo bleibt euer sieg?


Österreicher sind aber vergesslich...

Zum Zeitpunkt war Österreich ein Teil des Reiches!

Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Echt? Ehrlich?

Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Und heute sind wir wieder Teil von so einem Reich nur diesmal nennet es sich Friedensprojekt EU.....

Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Brüsseler SOVJET-REICH!

Re: Ihre Logik

Sie haben da eine interessante Logik.

Sie atmen.
Die Nazis atmen.
Also sind Sie ein N... .

Ich würde ja meinen, Logik wäre etwas anderes, aber wenn Sie darauf bestehen. Wie gesagt ... Ihre Logik, nicht meine.
Und ein kurzer Blick in die letzten 500 Jahre europäischer Geschichte würde Ihnen auch zeigen, dass die vergangenen Jahrzehnte einzigartig dastehen was die Länge der Friedenszeit betrifft. Hätten Sie denn gern wieder Krieg? Ja? Wer gegen wen? Und warum?

Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

wenn es um den aufgezwungenen souveränitätsverlust geht, oder um ein projekt, wo die reflexion längst abhanden gekommen, ja regelrecht verpönt ist, dann haben sie recht.

Verquere Logik und ...

Sie atmen.
Paarhufer atmen.
Also sind Sie ein Paarhufer.

Soweit zur kreuzfahrerischen "Logik", ein bißchen verquer zwar und auch nicht wirklich Logik, aber so wills der Kreuzfahrer.
Und Sie ... Souveränitätsverlust ... aufgezwungen ... also ich erinnere mich an 66% Zustimmung zur EU; ... Reflexion ... abhandengekommen ... also sehr genau können Sie Regionalpolitikern (aka Nationalpolitikern) nicht zuhören. Die reflektieren die EU an sich ständig.

Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Der Preis für das dümmste Posting dieses Monats ist Ihnen sicher.

Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Die EU mit Nazideutschland zu vergleichen, ist einfach nur dumm.

Re: Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Wie recht du hast. Und dieser User beweist die Richtigkeit deiner Anslyse mit praktisch jedem seiner Postings

Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Und heute sind wir wieder Teil von so einem Reich nur diesmal nennet es sich Friedensprojekt EU.....

Die Eu.... ist kein Reich, sondern eine Idee die in der Grundeinstellung richtig ist aber in der Durchführung gescheitert ist.

Re: Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Und du glaubst wirklich, dass dieser Kreuzfahrer dazu fähig ist, solche Unterschiede zu erfassen?

Re: Re: Re: Re: Österreicher sind aber vergesslich...

Mögen die Lakaien der EU Mafia unter ihren Stein zurückkriechen.
Die wären wahrscheinlich auch gute N*s gewesen.

Ein Danke an die Weisse Rose.

Wie kurz doch Ihr Leben war, den Krieg haben sie wohl auch nicht wesentlich verkuerzt. Aber haben sie verloren? Nein, wohl gar nicht. Soviele Menschen, und ich bin einer davon, denken an sie - gibt es dann doch Helden, hier sind welche. Fuehlt man sich einmal schwach, will nicht aufstehen und sagen: so nicht!, dann darf man sich ihrer erinnern und ermutigt werden. Selbst in den dunkelsten Zeiten gibt es Menschen die aufstehen und sagen: so nicht! Die Scholls und alle anderen in der Weissen Rose sind wohl der beste Beweis, wie schoen das Leben sein kann.

vor 70 jahren....

alleierte zerstören unbewaffnetes dresden und töten mind. 500.000 zivilisten.


was hat das mit der Weißen Rose zu tun?

Und dieser historische Hinweis ihrerseits - mit, naja, sagen wir mal "leicht" nach oben gerechneten Opferzahlen - hat jetzt genau welchen Bezug zum heroischen Widerstand der Weißen Rose?

Re: vor 70 jahren....

erstens ist dies immer ein Argument die schrecklichen Taten der nazis zu verharmlosen indem man eben Dresden oder Hiroshima aufzählt bezw ist die Zahl ja absolute Phantasie-selbst Neonazis greifen nicht zu so hohen Phantasiezahlen wie sie!

Re: Re: vor 70 jahren....

Wer kein Gegenargument hat, reagiert mit 'rot'.- Billig :-(

Re: Re: vor 70 jahren....

Dann fragen Sie doch einmal Frau Meissner-Blau. Die war nämlich in der Nacht dort, genau wie meine Mutter, welche das Inferno aus der Distanz mitansehen konnte.- Die Aussagen der Überlebenden haben eine erstaunliche Differenz mit jenen der Theoretiker;-)

Re: Re: vor 70 jahren....

Dann fragen Sie doch einmal Frau Meissner-Blau. Die war nämlich in der Nacht dort, genau wie meine Mutter, welche das Inferno aus der Distanz mitansehen konnte.- Die Aussagen der Überlebenden haben eine erstaunliche Differenz mit jenen der Theoretiker;-)

 
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