11.02.2012 10:28 | Meine Presse Merkliste0

Todestag: Malcolm X, der strahlende schwarze Prinz

21.02.2010 | 18:45 |  FARID HAFEZ (Die Presse)

Vor 45 Jahren wurde der Bürgerrechtler getötet. Heute noch ist er ein Idol. Wegen unterschiedlicher Delikte, vor allem wegen seiner Beziehung zu einer weißen Frau, musste er für zehn Jahre ins Gefängnis.

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Washington. 16 Kugeln trafen Malcolm X am 21. Februar 1965 in den Brustkorb. Wie der schwarze Bürgerrechtler starb, ist genauestens dokumentiert. An der Frage aber, wer Malcolm X war, scheiden sich die Geister. Es gibt kaum eine Gruppe, die ihn nicht für ihre Sache einzuvernehmen versucht. Kaum eine bedeutsame Gestalt in den USA, die ihn ignorieren kann. Sei es die Nation of Islam, sunnitische Gruppen, schwarze Nationalisten, Trotzkisten, US-Inhaftierte oder Hip-Hop-Künstler – sie alle zählen ihn zu den Ihrigen. Auch Bill Clinton joggte während seiner Amtszeit stets mit einer X-Mütze in den Morgenstunden durch Washington. Niemand hat ein Monopol auf Malcolm X. Umgekehrt dient er als Identifikationsfigur für unterschiedlichste Menschen.

Seine Lebensgeschichte ist spätestens seit Spike Lees Kinofilm mit Denzel Washington bekannt: Malcolm Little wurde am 19. Mai 1925 in Omaha geboren. Dieser Tag gilt bis heute vielen Afroamerikanern als eine Art Nationalfeiertag. Der Ku-Klux-Klan ermordete seinen Vater. Bald zerfiel die Familie, und Musterschüler Malcolm zog nach Harlem, wo er zum Kleinganoven „Detroit Red“ avancierte.

Wegen unterschiedlicher Delikte, vor allem wegen seiner Beziehung zu einer weißen Frau, musste er für zehn Jahre ins Gefängnis. Dort begann er zu studieren und fand seinen Weg zur Nation of Islam (NOI), einer nationalistischen Sekte mit islamischen Einflüssen. Aus der Haft entlassen, lernte er den NOI-Leiter, den selbstdeklarierten Propheten Elijah Muhammad, kennen. Die Sprachgewandtheit und das Charisma ließen Malcolm innerhalb der NOI schnell aufsteigen: Bald wurde er zum nationalen Sprecher.

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Sprachrohr der Entrechteten

Diese Lebensphase war die prägendste für Malcolm, der seinen Nachnamen verwarf – wie es innerhalb der „Nation“ üblich war. Er ersetzte seinen Nachnamen „Little“ entsprechend den Lehren der Nation mit der Variable „X“, um zu verdeutlichen. dass der verlorengegangene, wahre Namen seiner versklavten und entwurzelten Vorfahren unbekannt ist. Malcolm X sprach aber nicht nur zu den „Black Muslims“, wie man die NOI-Anhänger nannte, sondern galt neben Martin Luther King, Jr. als Sprachrohr der entrechteten „Schwarzen“. Er sprach vor Menschenmassen in Harlem ebenso wie in Harvard und Oxford, wurde regelmäßig interviewt und war international bekannt. Zu groß wurde Malcolm X schließlich auch für den Leiter der NOI. 1963 verließ er die „Nation“, nachdem ihn ein Redeverbot mundtot machte; aber vor allem wegen eines „moralischen“ Fehlverhalten des NOI-Oberhaupts, der unehelich mehrere Kinder gezeugt hatte.

Malcolm durchlebte in seinen letzten beiden Lebensjahren einschneidende Veränderungen. Er bereiste mehrmals den afrikanischen Kontinent, unternahm eine Pilgerfahrt nach Mekka, der heiligen Stätte der Muslime, und besuchte Europa. Zurück aus Mekka, wo er eine tiefe spirituelle Veränderung durchlebte, gab er als El-Hajj Malik El-Shabbaz (zu Deutsch: strahlender Prinz) – wie er von nun an hieß – den Glauben an „die Unreformierbarkeit der weißen Rasse“ auf. Seine neu gegründete Muslim Mosque Inc. in Harlem/New York begann im Unterschied zur Nation of Islam auch „weiße“ Anhänger aufzunehmen. Mit der „Organization of AfroAmerican Unity (OAAU)“ schuf er eine Organisation, in der er schwarze Bewegungen in einer Front gegen den „weißen, amerikanischen Rassismus“ vereinen wollte. Seiner Transformation wie auch seinem Aktivismus wurde jedoch ein jähes Ende gesetzt, als er im Februar 1965 einem Attentat zum Opfer fiel. Wem die Tat zuzuschreiben ist, kann heute nur schwer beantwortet werden. Historiker zweifeln an der offiziellen Darstellung, wonach NOI-Mitglieder die Täter waren.

 

Bewaffneter Widerstand

Dass sein Wirken damit aber nicht zu Ende ging, veranschaulichen die Jahre danach. Als 1966 die „Black Panther Party for Self-Defense“ gegründet wurde, geschah das unter Einfluss der Ideen Malcolms. Die Autobiografie, die unter Mithilfe des afroamerikanischen Schriftstellers Alex Haley zusammengestellt wurde, galt wie seine gesammelten Reden als heilige Schrift der Generation der Black-Power-Bewegung. Es war nicht der pazifistische King, sondern Malcolm, der Gleichberechtigung im Sinne der Menschenrechte für alle „Schwarzen“ in den USA erkämpfen und Symbol für die 22 Millionen unterdrückten „Schwarzen“ werden würde. Bewaffneter Widerstand und eigenständige Institutionen waren sein Vermächtnis. Malcolms Kompromisslosigkeit und klare Sprache machten ihn zum Idol der rebellierenden Jugend.

In den 1970er- und 1980er-Jahren war es der Hip-Hop, der die Gedanken von Malcolm X aufleben ließ. In den 1990er-Jahren wurden jährlich 100 Mio. Dollar für X-Produkte wie Kaffeetassen, Mützen etc. ausgegeben. Malcolm erhielt seine eigene Briefmarke und damit Schritt für Schritt Eingang in die Hall of Fame der Konsumwelt.

Einer der wichtigsten Malcolm-X-Experten, der an der Columbia University lehrende Historiker Manning Marable, wirft viele Fragen zur offiziellen Darstellung des Lebens von Malcolm auf. Die Autobiografie zeichne nicht das „wahre“ Bild eines Menschen, der weitaus größer und gefährlicher für das Establishment gewesen sei. Er meint, dass drei Kapitel in der Autobiografie fehlen und Alex Haley einige Stellen über die NOI strich. Aber auch dem FBI kreidet er an, nur 2300 von 50.000 Seiten der Überwachungsprotokolle veröffentlicht zu haben.

Mag. Dr. Farid Hafez, M.Sc. ist Politikwissenschaftler. Er forscht und lehrt an der Universität Wien. www.faridhafez.com

ZUR PERSON

Malcolm X. Der Bürgerrechtler wurde 1925 in Nebraska als Malcolm Little geboren, sein Vater wurde vom Ku-Klux-Klan getötet. Erst war er Mitglied der „Nation of Islam“, dann kämpfte Malcolm X selbstständig für die Rechte der Afroamerikaner. Den pazifistischen Ansatz von Martin Luther King kritisierte er dabei heftig. Am 21.2.1965 wurde Malcolm X in New York erschossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2010)

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19 Kommentare
Gast: Schüler
03.03.2010 11:35
0 0

Recherche über Malcolm X

Ich bin Schüler der 12. Klasse und muss für meine Seminararbeit soviel Infos über Malcolm X fnden wie möglich. (Habe bereits auch viel)
Zudem brauche ich näheres über die Umstände, die zur Zeit von Malcolm X in den USA vorherrschten (Rassendiskriminierung usw.)
Es war sehr nett und hilfreich, wenn mir jemand behilflich wäre.
Danke

Gast: mR
24.02.2010 20:16
0 0

Artikel

Ein sehr interessanter Artikel über Malcom X Leben!!

Gast: schlÄchter
23.02.2010 09:10
0 0

sg presseredaktion

der katholische 200 jahr alte tiroler andreas hofer wird zum "alpenayatholla",
der moslemische 45 jahre alte US-amerikaner malcolm X zum "schwarzen prinzen".

interessante wertungen/betitelungen.

mfg
s.

Gast: Franz Thaler
22.02.2010 20:12
0 0

Malcolm X...

...ist einer der Menschen, der mein Leben verändert hat, vor allem wegen seinem unglaublichen Opfer, dass er für die Gleichstellung der Schwarzen brachte... SO! ein NICHT-Muslim preist einen Muslim... und ich genieße es!!! ;)

@ alle Hater (engl. Hasser von allem, das nicht gleich wie sie ist): KAUFT EUCH EIN LEBEN!

ganz ehrlich, hätte nicht erwartet, dass die.presse so was bringt: VIELEN DANK!

Gast: USA
22.02.2010 14:30
0 2

Der bekam was er verdiente!

Die versuchte Islamisierung des Westens wird nicht hingenommen werden.

Gast: A. Mayrhofer
22.02.2010 13:32
0 0

man lernt nie aus

Vielen dank für diesen informative Artikel. Ich muss gestehen, dass ich erst durch das Lesen dieses Artikels die Person Malcolm X kennengelernt habe.


Antworten Gast: mr.X
22.02.2010 17:25
0 0

Re: man lernt nie aus

wenn du erst 12 jahre alt bist, ist das verzeihbar.

Gast: Mr. Steed
22.02.2010 12:18
0 0

Muslim preist Muslim

Arabische bzw. muslimische Händler u. Fürstentümer waren doch auch stark in den Sklavenhandel involviert. Das muslimische Sansibar war sogar eine Drehscheibe des Menschenhandels. Das Geschäft mit den Sklaven nur der "Weissen Rasse" anzuhängen, grenzt an dumpfe Propaganda, welches einer Qualitätszeitung unwürdig ist. Der politische Islam mit seinen Potentaten eignet sich angesichts der unzähligen Menschenrechtsverletzungen in muslimischen Staaten übrigens kaum als Vorbild für eine bessere Gesellschaft! Auch typisch für einen muslimisch indroktinierten Schreiberling, das er den bewaffneten Widerstand hervorhebt.

Gast: Sergio Z.
22.02.2010 01:34
0 0

x legende

Ich finde den Beitrag gut, denn hier wird wirklich nur Tatsachen geschrieben und keine falschen Beschuldigungen.

Wenn man die ganze Geschichte von Malcolm X kennt, denn versteht man warum er eine "Bedrohung" für die Amerikaner war.

Denn als er bei der Pilgerfahrt war, und die "weißen Rassen" ihn mit einer unglaublicher Brüderlichkeit empfingen und alles mit ihm teilten, wo keine Rassismus herschte, schrieb er einen Brief zu seinen Leuten in Amerika, er sagte ungefähr:,,Ich kann hier erkennen, dass weiße Rassen auch an Allah glauben und Islam praktizieren können, hier gibt es keine Rassismus. Wenn ich mit meiner defomierten Islam über Millionen Schwarze in Amerika für mich gewinnen; stellt euch vor wieviele Weiße ich mit dem wahren Islam für mich gewinnen werde."

Diese Einstellung gefiel natürlich den einigen Mächten nicht und er musste weg vom Podest.


Gast: Till
21.02.2010 23:59
1 5

Amerika war einst ein menschenverachtender Sklavenstaat, der seine Ureinwohnen nahezu ausrottete


Antworten schmeiser
22.02.2010 08:30
0 1

Re: Amerika war einst ein menschenverachtender Sklavenstaat, der seine Ureinwohnen nahezu ausrottete

und wie's erst in österreich zugegangen ist, vor zwölfhundert jahren ;)

Re: Amerika war einst ein menschenverachtender Sklavenstaat, der seine Ureinwohnen nahezu ausrottete

Gut - und was wollten sie und damit sagen?!?!

Gast: ASVG-Sklave
21.02.2010 20:25
1 5

in Demut und ewigem Gedenken. Danke für die Freiheit

Ein großartiger Mensch, der für alle Sklaven - egal ob schwarz oder weiß - sein Leben ließ. Anders als Martin Luther King suchte er nicht den Kompromiss. Er war es, der das schwarze Amerika befreite.

Antworten Gast: Löser
21.02.2010 22:36
5 2

Re: in Demut und ewigem Gedenken. Danke für die Freiheit

fahr mal dorthin und red nicht von Sachen die Du nicht kennst - in den Schwarzenvierteln in Amerika gehts zu wie in der Wildnis - auch keineswgs rassistische Amerikaner machen da einen Bogen herum

die Kinder haben kein Benehmen, man bringt Ihnen nur bei zu stehlen und wo es welche Sozialhilfen gibt und wie man Strom anzapft usw - alles selbst gesehen

die können mit Ihrer "Freiheit" nichts sinnvolles anfangen


Antworten Antworten lurch
22.02.2010 11:22
0 0

Re: Re: in Demut und ewigem Gedenken. Danke für die Freiheit

Sie verwechseln da einiges.
Gerade Malcolm X wollte genau diese Zustände beseitigen. Offensichtlich ist es aber erwünscht eine ungebildete Unterschicht zu haben, die man je nach Belieben manipulieren kann.

Antworten Antworten schmeiser
22.02.2010 08:32
0 0

"die Kinder haben kein Benehmen"

na so was! da muss es ja zugehen, wie bei uns im supermarkt...

Gast: FREIE MEINUNG
21.02.2010 19:54
4 3

über alles !!

also bitte, was soll das geheuchle und getue ?

nationalistische Sekte ...
selbstdeklarierte Propheten ...

heuchler seid ihr, die ihr so einen fanaten huldigt !

3 3

Re: über alles !!

Lernen Sie bitte einmal den korrekten Gebrauch der deutschen Sprache. Ich habe keine Probleme mit Minderbemittelten, aber wenn sie im Stande sind, die Tastatur zu bedienen, dann ist es mit dem Mitleid vorbei.

Antworten Gast: pflicht
21.02.2010 21:11
2 2

Re: über alles !!

malcolm x distanzierte sich klar und deutlich in seinen letzten jahren von den von ihnen genannten eigenschaften. haben sie den artikel überhaupt gelesen?

malcolm x und martin luther king kämpften in den letzten jahren ihres lebens den selben kampf.