25.05.2012 20:47 | Meine Presse Merkliste 0

150 Jahre US-Bürgerkrieg: USA immer noch gespalten

11.04.2011 | 13:35 |   (DiePresse.com)

Trotz der geänderten politischen Vorzeichen nach Ende der Rassentrennung haben sich die gesellschaftlichen Gräben zwischen dem Norden und Süden nicht geschlossen. Das Bürgerkriegstrauma wirkt noch immer.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Am 2. August 1956 starb der letzte Veteran des Amerikanischen Bürgerkriegs. Albert Woolson aus Duluth (Minnesota) hatte das Kriegsende um 91 Jahre überlebt. Nicht lange genug, um eine tatsächliche Versöhnung von Nord- und Südstaaten zu sehen. Das Trauma des Bruderkriegs mit 600.000 Toten wirkt bis heute nach, immer noch sind die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen den beiden Landesteilen tief, auch wenn sich die politischen Vorzeichen geändert haben.

--> Verlauf des blutigen US-Bürgerkriegs

4. Juli als Trauertag

In Vicksburg (Mississippi) brauchte es für die Bewohner die Siegeserfahrung des Zweiten Weltkriegs, um sich wieder zu den Vereinigten Staaten bekennen zu können. Am 4. Juli 1945 wurde dort nach acht Jahrzehnten wieder der amerikanische Unabhängigkeitstag gefeiert. Seit 1863 war der 4. Juli ein Trauertag gewesen, an dem die Bewohner Vicksburgs der Kapitulation ihrer Stadt vor den Unionstruppen gedachten.

Als Albert Woolson am 10. Oktober 1864 im Alter von siebzehn Jahren als Trommler in die Unionsarmee eintrat, hatte diese praktisch schon gesiegt. Einen Monat zuvor war mit Atlanta der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der Südstaaten gefallen. Die Kapitulation der Konföderation erfolgte am 9. April 1865 nach der Einnahme der Südstaaten-Hauptstadt Richmond. Sechs Tage später fiel US-Präsident Abraham Lincoln den Kugeln eines fanatischen Südstaatlers zum Opfer, womit die Hoffnungen auf eine Versöhnung der beiden verfeindeten Landesteile zerstoben.

"Ära der Rekonstruktion"

Einzig Lincoln hätte die Autorität gehabt, milde Friedensbedingungen im von radikalen Republikanern dominierten US-Kongress durchzusetzen. So aber wurden die Südstaaten unter Militärverwaltung gestellt und mussten während der "Ära der Rekonstruktion" bis 1877 mitansehen, wie die Vereinigten Staaten nach den Wünschen des Nordens umgestaltet wurden. Die Wirtschaft des kriegszerstörten Süden wurde umgekrempelt, tiefgreifende Änderungen an den überkommenen gesellschaftlichen Strukturen blieben aber aus.

Ehemalige Sklaven als Kriegsverlierer

Die Leidtragenden waren die durch den Krieg "befreiten" schwarzen Sklaven, für die man sich im Norden nicht wirklich einsetzte. Mit drei Verfassungszusätzen erhielten sie zwar im Jahr 1866 die Bürgerrechte und das Wahlrecht, doch blieben sie bestenfalls Menschen zweiter Klasse. An die Stelle der Sklaverei trat die Rassentrennung, von mehreren Südstaaten ab 1876 in den sogenannten "Jim-Crow-Gesetzen" festgeschrieben.

Das Ende dieser Prolongation der Sklaverei wurde erst wenige Monate vor Veteran Woolsons Tod eingeläutet. Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks in einem Autobus in Montgomery (Alabama) ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast zu überlassen. Die Proteste gegen ihre Festnahme waren der Startschuss für die Bürgerrechtsbewegung, die zur Abschaffung der Rassentrennung durch das "Civil Rights Act" (1964) unter Präsident Lyndon B. Johnson führte.

Rechter Süden

Das Gesetz veränderte auch die politische Landschaft der USA nachhaltig. Im Jahrhundert nach dem Bürgerkrieg waren die Südstaaten ein Bollwerk der Demokraten gewesen, die Republikaner standen als Partei des ehemaligen Kriegsgegners auf verlorenem Posten. Die Bürgerrechtsbewegung änderte dies nachhaltig, der demokratische "Solid South" (Geschlossener Süden) wurde rot. Doch änderten sich nur die politischen Vorzeichen, nicht die gesellschaftlichen Realitäten.

So wurde der erste schwarze US-Präsident Barack Obama im Jahr 2008 als Kandidat der ehemaligen Sklavenhalter-Partei Demokraten gewählt. Die Südstaaten stimmten aber fast geschlossen für seinen landesweit abgeschlagenen republikanischen Gegenkandidaten John McCain. Mittlerweile als "Bible Belt" tituliert, ist der Süden zum Kernland der nach rechts gerückten ehemaligen Nordstaaten-Partei geworden. Trennte Nord und Süd früher die Sklavenfrage, sind es heute weltanschauliche Themen wie Abtreibung und Homosexualität, aber auch die Haltung zu Ausländern und der Todesstrafe.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

11 Kommentare
Gast: Fatalist
14.04.2011 21:02
0 0

Ausgezeichneter Geschichtsunterricht

Da war erst vor kurzem eine Dokumentation im "Arte", eine hervorragende Produktion, leider habe ich nicht alle Folgen gesehen.

Cymry
13.04.2011 17:20
0 0

Dank an die Presse

für diese historischen Reminiszenzen. Es sind sehr wesentliche Thematiken angesprochen, der Verlauf des Krieges ist in groben Zügen dargestellt worden. Doch die Gräben sind unüberbrückbar und weder durch die Sklavenfrage noch durch die wirtschaftlichen Differenzen erklärbar. Das Hauptproblem ist und bleibt die mangelnde Sensibilität der Yankees gegenüber den CSA.
Es sind im wesentlichen Fragen der Lebensführung und der Kultur. Wenn man einen Farmer des Südens mit einigen wenigen Hektar Land ohne Sklaven, gefragt hat, warum er mit grossem Fanatismus für den Süden kämpft, dann war die lapidare Antwort: weil ihr (der Norden) hier seid.
Die Yankees waren und sind der Inbegriff der Unkultur geblieben. 1945 haben sie es wiederum bewiesen, indem sie kaltlächelnd die Hälfte Europas den russischen Barbaren überlassen haben, 1973 haben sie kaltlächelnd Vietnam dem unmenschlichsten Formen des Kommunismust übergeben.

Gast: Freiheitsstatue
13.04.2011 13:00
0 0

o tempora o mores

Ich frage mich immer wieder, warum es auch Medium wie die Presse notwendig hat, Zensur anzuwenden?

Manche Artikel - wie auch diesen hier - kann man kommentieren. Andere wiederum nicht.

Überzeugen Sie sich selbst und klicken Sie sich durch die einzelnen Artikel der Zeitgeschichte!

Eigentlich schade, dass ein Medium wie die Presse, die im 19. Jahrhundert gegen die Zensur ankämpfen musste, nun ähnliche Mittel zur Anwendung bringt und so ihrer ureigentümlichen Aufgabe, ein Forum zur freien Meinungsäußerung zu sein, nicht nachkommt....

Gast: 12345
12.04.2011 17:22
0 0

Warum schreibt die Presse solch historischen Mist?

Kopiert von der Krone?

Gast: Analyst
12.04.2011 11:12
2 1

Die Nordstaaten haben ....

.... keinesfalls wegen der Sklaverei den Krieg geführt, auch der Süden nicht, es ging vielmehr um handfeste wirtschaftliche Interessen des Nordens. Und was man hier ebenfalls immer wieder festzustellen vergisst, ist die Tatsache, dass alle weissen Amerikaner Kolonialisten waren, die rücksichtslos Indianer en Masse niedermetzelten, ein Genozid an mindestens 6 Millionen Ur-Amerikanern, der bis heute nicht wirklich aufgearbeitet ist. Zusätzlich: die USA haben erst in den 60ern des 20.Jahrhundert die Rassentrennung juristisch wirklich aufgehoben - für einen angeblichen Rechtsstaat, der sich selbst immer wieder als Vorbild hinstellt, ein schlechtes Zeugnis! Aber typisch USA: Wenn etwas gewollt wird , spielen Menschenleben keine Rolle - siehe auch Vietnam, Pakistan, Irak, etc...

onkel tom
12.04.2011 10:47
2 0

Sklavenlüge

Eine Lüge die sich in Geschichtsbüchern trotz zahlreicher Fakten die das Gegenteil beweisen hartnäckig hält, vergleichbar mit dem österreichischen Opfermythos. Weder zog der Süden für die Sklaverei in den Krieg, noch wollte Lincoln zu Beginn diese abschaffen. Er befürwortete ja das sogenannte Corwin Amendment, ein Gesetz welches dem Bundesstaat verboten hätte in dieser Frage regulierend einzugreifen.
Desweiteren sagte er bei den berühmten Debatten mit Douglas das er nicht an die Gleichheit der Schwarzen glaube und das es eine gottgegebene Differenz gibt.
Alles andere als ein bewundernswerter Mann, der die Sklavenkarte nur spielte um ein Eingreifen von GB zu verhindern, die durch den Ausfall der Baumwolle und der Trentaffäre mächtig sauer waren.
Ich kann nur meinen Respekt für die Konfödererierten ausdrücken. Sie haben die ganze Zeit in Unterzahl gekämpft und trotzdem Erfolge erzielt die heute noch in militärischen Lehrbüchern als Musterbeispiel beschrieben werden. Deo vindice and god save the south!

Antworten Lexington
12.04.2011 11:23
2 0

Re: Sklavenlüge

So dratsisch würde ich es nicht formulieren, aber dass Lincoln für die Befreiung der Sklaven kämpfte, ist tatsächlich Grimms Märchen zuzuordnen.
In den Geschichtsbüchern der USA ist das aber auch kein Thema. Lincoln wird nicht deshalb verehrt, weil er die Sklaven "befreite" (so hatten übrigens General Lee und praktisch alle hochrangigen Offiziere der Südstaatenarmee ihre Sklaven längst in Freiheit entlassen, der Leibkoch von General Stonewall Jackson war ein Schwarzer etc. bevor Lincoln, gestärkt durch den "Erfgolg" bei Gettysburg die Sklaverei per Dekret beendete), sondern Lincoln wird als Defender of the Unity, also als Garant der Einheit des Nordamerikanischen Staatenbundes gefeiert. Wäre nämlich der Süden erfolgreich gewesen, dann gebe es die heutige USA nicht. Californien, das sich im Bürgerkrieg offiziell neutral erklärte, aber inoffiziell den Süden finanziell unterstützte, wäre ein eigener Staat, genauso wie Utha (Mormonenstaat) und andere Bundesstaaten auch.
Damit wäre es mit der Großmacht USA vorbei gewesen, was vor allem aus heutiger Sicht für die momentanen Machtverhältnisse essentiell wäre.

Antworten Antworten Burger
16.04.2011 20:31
0 0

Re: Re: Sklavenlüge

Die Zeit der Großmacht der USA ist wahrscheinlich bald vorbei. Jede Großmacht der Geschichte ist verschwunden. Die USA sind keine Ausnahme.

Antworten Antworten Antworten Lexington
17.04.2011 07:20
0 0

Re: Re: Re: Sklavenlüge

Wahrscheinlich...? Wann.....? Werden wir es noch erleben....?
Totgesagte leben länger, vor allem dann, wenn sie eben dieses enorme Poetntial einer Großmacht immer wieder in die Waagschale werfen können. Dank Lincoln.

Antworten Antworten onkel tom
12.04.2011 14:36
1 0

Re: Re: Sklavenlüge

Vielleicht zu drastisch, aber im Kern wahr. Über kaum einen Krieg halten sich schon so lange so falsche Mythen was den Ausbruch betrifft. Z.B ärgerte es nördliche Fabrikbesitzer immens das ihre "Landsleute" im Süden lieber gefertigte Waren aus GB einführten als mit den Nordstaaten geschäfte zu machen. Um das zu verhindern kam gleich nach Lincolns Wahl der Morill tariff der viele Plantagenbesitzer in den Bankrott trieb. Immerhin hatten 30% der Bevölkerung fast 80% der Steuer zu tragen, die sich von 20% auf 47% vervielfachte. Kein witschaftssystem welches auf den Export von Rohstoffen aufgebaut ist verkraftet das und deshalb der Austritt aus der Union, die dann keine Melkkuh mehr hatte.
Leider war der Süden trotz wackerer Soldaten und ausgezeichneter Generäle letztendlich zu schwach seine Unabhängigkeit zu erlangen.
Trotzdem Respekt an die Rebellen.

Antworten Antworten Antworten Lexington
12.04.2011 19:20
1 0

Re: Re: Re: Sklavenlüge

It was Lincoln's war. Das ist die Aussage der Bürger von Charleston auch heute noch. Lincoln schickte - in vollem Bewusstsein, dass das einen Krieg auslösen könnte - seine Hilfsschiffe nach Ft. Sumter, denn ihm war schon damals klar, dass der Riss, der sich entlang der Mason - Dixon Line auftat, mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu kitten war. Wie schon geschrieben, Lincoln wollte die Einheit der Union sichern und sah die einzige Möglichkeit im Krieg, den er allerdings, wie so manche seiner Berater auch vollkommen unterschätzte.
Im Prinzip war Lincoln ein Dickkopf aus den Backwoods Kentuckys, intelligent, aber nicht unbedingt politisch begabt, aber mit der Sturheit eines Einsiedlers ausgestattet.
So lehnte er - was viele nicht wissen - sämtliche Kompromissangebote von Vermittlern beider Seiten ab, da er eben nur mehr einen Ausweg sah, die Union zu erhalten und das war ein Denkzettel für den Süden.
Der Erfolg gibt ihm Recht, aber das Opfer war enorm und der Riss ist bis heute noch nicht gekittet.