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Historiker: Hitler ordnete Putsch gegen Dollfuß an

19.10.2011 | 11:51 |   (DiePresse.com)

Goebbels' Tagebücher belegen eine Verstrickung Hitlers in den Putschversuch 1934. Davon ist der Wiener Historiker Kurt Bauer überzeugt. "Er kann nicht nur oberflächlich informiert gewesen sein."

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Ein zentrales Ereignis der Zwischenkriegszeit muss womöglich in den Geschichtsbüchern umgeschrieben werden: Adolf Hitler soll den Juli-Putsch 1934 gegen die Dollfuß-Regierung selbst angeordnet haben und davon "nicht nur oberflächlich" informiert gewesen sein. Davon ist der Wiener Historiker Kurt Bauer überzeugt.

Am 25. Juli 1934 besetzten rund 150 SS-Angehörige das Bundeskanzleramt in Wien. Ihr Ziel: Engelbert Dollfuß' Regierung während der Ministerratssitzung zum Rücktritt zu zwingen und eine neue NS-kompatible Regierung unter Anton Rintelen einzusetzen. Dollfuß wurde bei der Aktion erschossen, der Putsch misslang dennoch: Der Kanzler hatte nach einer Warnung die Minister früher weggeschickt.

Der Juli-Putsch ist für Bauer ein zentrales Ereignis der österreichischen und deutschen Geschichte. Obwohl gut erforscht, sei eine der wichtigsten Fragen bisher aber ungeklärt geblieben: Wie es zu diesem frühen Versuch einer nationalsozialistischen Machtergreifung in Österreich kam und welche Rolle Hitler dabei gespielt hat.

Wie Bauer in einer in den "Vierteljahresheften für Zeitgeschichte" veröffentlichen Arbeit nun schreibt, fasste Hitler den Entschluss für den Putsch zur selben Zeit wie für die Ausschaltung des langjährigen Führers der Sturmabteilung (SA), Ernst Röhm . Der "Röhm-Putsch" am 30. Juni 1934, machte für Reichskanzler Hitler den Weg frei, um nach dem Tod von Paul von Hindenburg auch das Amt des Reichspräsidenten und damit alle Macht in Deutschland zu übernehmen.

"Riskanter Coup"

Und mit dem Putsch in Österreich habe sich Hitler aus einer außenpolitischen Umklammerung befreien wollen, die seine Expansionspläne zu ersticken drohte. Alles deute darauf hin, dass Hitler Mitte 1934 seine Außenpolitik durch die Aktivitäten Frankreichs "so sehr gefährdet sah, dass er glaubte, die Bedrohung nur durch einen solch riskanten Coup abwenden zu können", so Bauer.

Besonders dürften Hitler bevorstehende Besuche von Dollfuß in Italien und Frankreich beunruhigt haben, ebenso wie Spekulationen über ein Treffen zwischen dem italienischen Diktator Benito Mussolini und dem französischen Außenminister Louis Barthou. "War das nicht die Konstellation Österreich-Frankreich-Italien, die Hitler seit jeher gefürchtet hat? Eine Konstellation, die Deutschland in die außenpolitische Isolation führen konnte" so Bauer, für den es aus Sicht Hitlers in dieser Situation durchaus nahe lag, "mit Brachialgewalt eine Veränderung der Verhältnisse in Österreich zu erzwingen". Zudem sei Hitler der festen Überzeugung gewesen, dass ihm Mussolini bei einer Treffen am 14. Juni 1934 in Venedig einen "Regierungswechsel" in Österreich zugestanden habe.

Juli 1934: Als der Putsch der Nazis scheiterte

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Dass der Juliputsch tatsächlich von Hitler selbst angeordnet wurde, belegt der Historiker auch anhand mehrerer Einträge in Goebbels' Tagebüchern, etwa einem vom 22. Juli nach einem hochrangig besetzten Treffen mit Hitler in Bayreuth: "Sonntag: beim Führer .... Österreichische Frage. Ob es gelingt? Ich bin sehr skeptisch." Für Bauer, der "Bayreuth geradezu als Kommandozentrale des Putsches" ansieht, ist die Passage aufschlussreich: "Hitler, der Ahnungslose und angeblich von den österreichischen Nationalsozialisten hinters Licht Geführte, wie Neurath (deutscher Außenminister Konstantin von Neurath, Anm.) und Göring (Gestapo-Gründer Hermann Göring, Anm.) später dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg weismachen wollten, hielt demnach zwei Tage vor dem Stichtag eine hochrangige Besprechung über den geplanten Putsch ab. Das heißt, Hitler nahm die Sache sehr ernst. Bei dieser Besprechung muss er seine letzte Zustimmung zu dem Coup gegeben haben. Die Möglichkeit, dass er nur oberflächlich und nebenbei darüber informiert gewesen sein könnte, scheidet damit aus."

"Dann Sieg der Regierung. Verloren!"

Vom Tag des Putsches selbst schreibt Goebbels: "Beim Führer: Alarm aus Österreich. Bundeskanzleramt und Ravag besetzt. Großer Klamauk. Tolle Spannung. Entsetzliches Warten. Ich bleibe skeptisch ... Abwarten!" Und später: "...Dann Dollfuß tot. Dann ehrenvoller Abzug der Aufständischen. Dann Sieg der Regierung. Verloren!" Dieser "Klamauk" hat übrigens nicht nur Dollfuß das Leben gekostet, sondern weiteren rund 220 Menschen, die in Zuge von Aufständen der SA und ihrer Verbündeter in den Bundesländern in den Tagen nach dem 25. Juli 1934 getötet wurden.

(APA)

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16 Kommentare
Arethas
21.10.2011 10:48
0 0

Belege

Aus all dem im Artikel Vorgebrachten ergibt sich zwar, dass einiges gewusst, aber nicht zwingend, dass alles angeordnet worden war.

"Ob es gelingt? Ich bin sehr skeptisch."

Demnach hätte Goebbels in seinen Tagebüchern eine direkte Anweisung Hitlers skeptisch beurteilt? Wohl kaum. Meines Wissens nach diktierte er die Tagebücher, eine Indiskretion seiner Sekretärin hätte da schwere Folgen haben können.

Wahrscheinlicher ist, dass jemand über das Vorhaben berichtete, Hitler nolens volens seinen (unheiligen) Sankctus gab, und das eben von Goebbels skeptisch beurteilt wurde


Gast: Gutmeinender
20.10.2011 22:38
0 0

Herr-Karlich aufschlußreich

Zu manchen Artikeln ist der Kommentar-Anhang aufschlußreicher als der Inhalt wissenschaftlich hergeben kann.

Burgos
20.10.2011 09:08
0 0

Schriftliche Beweise

für Staatsverbrechen sind von der Nachwelt in der Regel kaum aufzufinden, weil den Mördern in der politischen Spitze ihr Verhalten klar erscheint und im Fall Österreich diplomatischen Verwicklungen zu befürchten waren.
Wenn nunmehr im Tagebuch des Goebbels ein Hinweis vorliegt, mag dies im Zusammenhang mit den übrigen Ereignissen durchaus plausibel erscheinen.
Die österr. Nazi haben nicht ohne Zustimmung und Unterstützung des "großen Bruders" gehandelt!

Antworten Arethas
21.10.2011 10:49
0 0

Re: Schriftliche Beweise

Ob Zustimmung oder Anordnung ist aber ein Unterschied.

Gast: baro palatinus
20.10.2011 00:18
0 0

um gottes willen

und diesem blödsinn wird auch noch raum verschafft; vergangenheitsbewältigung auf österreichisch

Gast: Kibietz
19.10.2011 21:46
0 0

War also der Dollfuß ein deutscher Nazi

Naja, für Österreich hat er eh nichts getan!

Antworten Gast: Grummelbart2
21.10.2011 09:55
0 0

Re: War also der Dollfuß ein deutscher Nazi

Dollfuss war Faschist zweifellos, aber er war gegen einen Anschluss und gegen Hitler.

Deshalb der Naziputsch.

Das macht Dollfuss nicht zum heiligen und spricht ihn auch nicht von jeder Schuld frei, schlägt sich aber ein bissal mit der heutigen Auffassung, dass jeder, der gegen Nazis ist, automatisch ein "Guter" ist.

Dass Deutschland aber die Strippen hinter dem Putsch zog ist bekannt - stand schon in meinen Geschichtsbüchern. Die Rolle AHs selbst war aber unklar.

Die Frage, wer "Gut" ist, definiert sich vielmehr darin, WOFÜR jemand eintritt, nur nebenbei ;-)

Antworten Gast: MAMALEONE
20.10.2011 00:03
0 2

Nein, er war ein österr. Faschist

- seine Gegenr waren deutsche Faschos.

Gast: der wiener
19.10.2011 19:30
0 0

Im nächsten ---

--- meinem --- Leben werd´ich auch staatl. anerkannter und pragmatisierter Historiker oder Meterologe! fg.!

Gast: MAMALEONE
19.10.2011 15:18
2 2

GÄHN

Ist das Thema nicht schon fad?

Antworten Gast: Huch
19.10.2011 18:52
0 0

Re: GÄHN

Hat nichts mit fad zu tund, ist eher nicht mehr abgewöhnbare Gepflogenheit ähnlich dem Nasenbohren oder Fingernägelbeißen.

Antworten Gast: radius
19.10.2011 18:18
1 0

Passt wohl nicht zur Parteigeschichte?


Gast: Pensador
19.10.2011 15:13
7 1

Sehr unwahrscheinlich

Nun, mag ja so gewesen sein.
Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass sich Hitler nur wenige Monate nach der Bestellung zum Reichskanzler und militärisch noch völlig schwach, insbesonders in Anbetracht des "Röhm-Putsches", zu so einem aussenpolitisch höchst riskanten Manöver entschlossen haben soll. Zunächst hatte er ja wohl die Konsolidierung der Macht im Inneren und die wirtschaftliche und militärische Stärkung Deutschlands im Auge.

Antworten Gast: Grummelbart2
21.10.2011 09:59
0 0

Re: Sehr unwahrscheinlich

Ich rate einmal, dass der Herr zur Selbstüberschätzung neigte - was sich ja auch sonst in seinen Ambitionen so zeigte.

Er pokerte hoch, gewann anfangs. Nur irgendwann schlägt die Wahrscheinlichkeit zurück.

0 0

Re: Sehr unwahrscheinlich

Als Drogensüchtler

handelte der Braunauer nie rational

SONDERN

hasardierte ständig!

Antworten Antworten GG-Orange
21.10.2011 12:57
0 0

Re: Re: Sehr unwahrscheinlich

Und da soll der Süchtler Planetta troffen habn?
Getroffen hat ein Polizist.

Aber diese Wahrheit darf bis heute nicht raus!