"Eliminierung": Großbritannien veröffentlicht Geheimakten

18.04.2012 | 22:00 |   (DiePresse.com)

"Vergessene Dokumente" aus der Zeit des britischen Empire sind aufgetaucht. Sie enthalten Notizen über Folterpraktiken während der Kolonialzeit und könnten zu einer Flut an Klagen führen.

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In einem geheimen Archiv des britischen Amts für Auswärtige Angelegenheiten und des Commonwealth (FCO) sind tausende „vergessene" Dokumente aus der britischen Kolonialzeit aufgetaucht. Die Akten sollen einen Einblick in Folterpraktiken und andere Verbrechen der Briten zu Zeiten des Empire geben. Nach der Unabhängigkeit der britischen Kolonien wurden die Akten nach Großbritannien gebracht. Nun sollen sie bis Ende 2013 in mehreren Paketen veröffentlicht werden. Die ersten Dokumente wurden am Mittwoch publik gemacht, berichtete der britische Sender "BBC".

Laut dem Bericht ist die Existenz der "vergessenen Dokumente" seit etwa einem Jahr bekannt, als vier an der Mau-Mau-Rebellion beteiligte Kenianer gegen die britische Regierung klagen wollten. Der Grund: Sie waren während des Aufstands gegen die britischen Siedler gefoltert worden. Großbritannien wiegelte damals ab. Aus Sicht der britischen Regierung hätten die Betroffenen die kenianische Regierung belangen sollen. Trotzdem wurde die Klage freigegeben.

Folter, Mord und Beschlagnahmung

Die Folge: Das FCO sagte zu, die rund 8800 Akten, datiert zwischen 1930 und 1970, aus 37 ehemaligen Kolonien freizugeben. Der mit der Aufarbeitung betraute Historiker Tony Badger bezeichnete die Freigabe als „lange überfällig". Er sieht im Interview mit dem „Guardian" von Mittwoch das FCO in einer „beschämenden, skandalösen" Position.

Denn die Akten sollen belegen, dass die Regierung in Großbritannien sehr wohl über die Praktiken ihrer Behörden in den Kolonien Bescheid wusste. So soll das Empire etwa in Botsuana geplant haben, Giftgas zu testen. Enthüllt wurden auch die „Eliminierung" von Aufständischen sowie Folter und Mord von Mau-Mau-Rebellen in Kenia und die Beschlagnahmung von Vieh von aufmüpfigen Kenianern.

"Die britische Regierung log"

Dass die heute vorliegenden Akten nicht vorllständig sind, sei offenkundig, heißt es im „Guardian"-Bericht. Immerhin sei die damalige Regierung darauf bedacht gewesen, belastende Dokumente zu zerstören. Umso detaillierter waren daher die Angaben zur Vernichtung der Informationen, basierend auf einer Anweisung des damals für die Kolonien zuständigen Ministers Iain Macleod.
Demnach sollte keine der Regierungen nach der Unabhängigkeit Material bekommen, das „die Regierung Ihrer Majestät beschämen könnte".

Diese Rechnung scheint nicht aufgegangen zu sein: Die rechtlichen Schritte der Kenianer könnten erst der Anfang einer größeren Klagewelle sein. Denn auch Verwandte und Überlebende eines Massakers in Malaysia planen einen Antrag auf Entschädigung, heißt es in dem Bericht. „Die britische Regierung log", sagte David Anderson, Experte für afrikanische Geschichte und Berater der Kenianer, die die britische Regierung klagten, gegenüber der BBC. „Diese Geschichte war eine koloniale Verschwörung und bürokratischer Pfusch."

(Red.)

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6 Kommentare
Gast: Kolonialherrenbeobachter
19.04.2012 19:36
1


Gast: Kolonialherrenbeobachter
19.04.2012 19:35
1

Wie sich die Engländer aufführten (Concentration Camps)

Rund 120.000 Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, wurden in Konzentrationslagern interniert. Davon starben über 26.000 aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen an Hunger und Krankheiten. Der Begriff „Konzentrationslager“ (englisch: Concentration Camp) wurde zum ersten Mal in diesem Krieg verwendet.
Zum Zeitpunkt des Friedensschlusses standen 250.000 (von insgesamt 450.000 eingesetzten) britischen Soldaten rund 30.000 Kämpfer auf Seiten der Buren gegenüber.

Nachdem die Burenrepubliken als Kronkolonien annektiert worden waren, wurde denjenigen Buren, die ihre Waffen abgaben und einen Loyalitätseid ablegten, erlaubt nach Hause zu gehen. Andererseits ließ Roberts die Farmen von Buren, die den Krieg fortsetzten, niederbrennen und weitete dies schließlich zu einer Politik der kollektiven Bestrafung aus. Dies erwies sich letztlich als fatal, da es die Buren nur noch zu verstärktem Widerstand bis zum bitteren Ende anspornte. Im Dezember 1900 kehrte Roberts nach England zurück und überließ Kitchener den Oberbefehl.
Die Buren ihre Taktik und gingen zu einem für die Briten äußerst verlustreichen Guerilla-Krieg über. Unter ihrem Anführer, General Christiaan De Wet kämpften sie noch volle zwei Jahre lang weiter. In kleinen Trupps führten sie Überraschungsangriffe durch – zumeist auf die Nachrichtenverbindungen, Nachschub- und Verkehrswege der Briten –, um sich dann rasch zurückzuziehen.

Gast: Ohm Krüger
19.04.2012 08:50
1

LOL

Unter "Ohm Krüger" googeln! Oder "Opiumkrieg". Stichworte gäbe es ad nauseam.

Antworten Gast: Ian Smuts
19.04.2012 09:54
1

Re: LOL

Churchills Secret War wäre eine gutes Buch um einige Wissenslücken über die Behandlung der Inder während der Zeit um
1939 bis 1945,zum Teil auch vorher,zu schliessen.Leider nur in englisch erhältlich.
(Amazon)

Gast: _Gruftmaus_
19.04.2012 08:02
2

riesig lange

Riesig lange ist die Verbrechensliste des "Empires".
Ob ihn China oder Südafrika...Amerika oder Irland.
....usw. Soviel Gräuel, daß es zum Himmel schreit.

Gast: gr<g<rrg<rg<rsg<sg
19.04.2012 00:37
2

Jetzt stelle man sich vor wie es da vor den "humaneren" 50er ansgeschaut hat

zb im 19 Jh. Bei den very british gentleman.

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