35 Jahre nach dem Mord an dem deutschen Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 hat die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ihr Schweigen gebrochen. Gleich zu Beginn ihrer 20-minütigen Erklärung betonte sie am Montag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart: "Ich war nicht dabei." Sie sei auch an den konkreten Anschlagsvorbereitungen nicht beteiligt gewesen. "Die Tatvorwürfe sind alles falsche Behauptungen, die ich so nicht stehen lassen kann", sagte Becker laut "ntv".
Weiters führte die 59-Jährige aus, sie habe sich bis einen Tag nach dem Attentat im Jemen aufgehalten und sei über Rom in die Bundesrepublik zurückgekehrt. "Ich erfuhr in Rom aus Zeitungen vom Anschlag auf Buback", sagte sie. "Ich war bis zu meiner Verhaftung im Mai 1977 nie in Karlsruhe gewesen", heißt es in der Erklärung weiter. Sie sei auch nicht an der Planung beteiligt gewesen. Bei einem Treffen der RAF-Terroristen 1976 sei über ein mögliches Attentat auf Buback diskutiert worden, sagte Becker. Mehr wisse sie nicht, wie "Welt Online" am Montag berichtete.
Täter weiter unbekannt
Die Anklage wirft Becker in dem Prozess Mittäterschaft an dem Attentat vor, bei dem in Karlsruhe auch zwei Begleiter Bubacks getötet worden waren. Die Aussage Beckers war mit Spannung erwartet worden. Bislang hatte das frühere Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF) in dem seit September 2010 andauernden Prozess beharrlich geschwiegen. Dass die Angeklagte sich selbst bezichtigen würde, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben, war nicht erwartet worden.
Bei dem Attentat am 7. April fuhren in Karlsruhe zwei vermummte RAF-Terroristen auf einem Motorrad neben Bubacks Dienstwagen, der an einer Ampel gehalten hatte. Mit einem automatischen Gewehr wurde aus nächster Nähe durch das rechte Seitenfenster in das Wageninnere geschossen. Buback und sein Fahrer Wolfgang Göber waren sofort tot. Ihr Begleiter Georg Wurster starb kurz darauf. Bis heute ist ungeklärt, wer damals die tödlichen Schüsse auf Buback abgefeuert hatte.
Erklärung "völlig unzureichend"
Nach dem Attentat auf Buback habe sie auch nicht an der Verfassung des Bekennerschreibens mitgewirkt, so Becker. Bei ihrer Rückkehr zur Gruppe sei das vermutlich von Brigitte Mohnhaupt verfasste Papier bereits vorgelegen. Sie habe lediglich dabei geholfen, die Briefumschläge zu verschließen. Ermittler hatten später die DNA Beckers an einem der Umschläge gefunden.
Nebenkläger Michael Buback zeigte sich von der Aussage Beckers enttäuscht. "Ich empfinde diese Erklärung in allen wesentlichen Punkten als völlig unzureichend", sagte Buback in Stuttgart. "Wir wissen nicht, wer die beiden Täter waren." Auch bleibe unklar, ob Becker damals Kontakt zum Verfassungsschutz hatte. Buback spielte damit auf Vermutungen an, Becker habe Anfang der 80er Jahre aus dem Gefängnis heraus mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet.
(Ag./Red.)
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