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Deutschland: RAF-Terroristin gibt Buback-Mörder nicht preis

14.05.2012 | 17:44 |  Von Helmar Dumbs (Die Presse)

Auch nach 35 Jahren bleibt der spektakuläre Politmord an Generalbundesanwalt Buback ungeklärt: Verena Becker, wegen Mittäterschaft angeklagt, gab eine mit Spannung erwartete „Erklärung“ ab – und enttäuschte.

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Wien/Stuttgart. Es hätten ihre 15 Minuten Ruhm werden können. Doch Verena Becker, einst RAF-Terroristin, heute gesundheitlich schwer angeschlagene Hartz-IV-Empfängerin, ließ die Gelegenheit verstreichen.
Seit Beckers Anwalt Anfang des Monats für 14. Mai eine 15-minütige Erklärung der Angeklagten angekündigt hatte, waren Spekulationen ins Kraut und Erwartungen in die Höhe geschossen: Würde jetzt, 35 Jahre nach dem Karlsruher Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, seinem Fahrer, Wolfgang Göbel, und Georg Wurster, dem Leiter der Fahrbereitschaft, endlich die Wahrheit ans Licht kommen? Würde Bubacks Sohn Michael, treibende Kraft und Nebenkläger des Prozesses, nun endlich erfahren, wer am Gründonnerstag des Jahres 1977 seinen Vater vom Rücksitz eines Motorrads aus erschossen hatte? War seine seit Jahren vorgebrachte Vermutung richtig, dass es niemand anderer als Verena Becker war?

Terror aus der eigenen Mitte: Die Verbrechen der RAF

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Diese Fragen bleiben weiter offen. Es kam am Montag nur eine weitere hinzu: Warum hat Verena Becker vorab so viel Aufhebens gemacht, wenn sie dann im Wesentlichen nicht mehr als „Ich war nicht dabei“ sagt? Die heute 59-Jährige bestritt, zum Tatzeitpunkt überhaupt in Deutschland gewesen zu sein. Sie sei erst am Tag danach aus dem Nahen Osten zurückgekehrt. „Sie wollen wissen, wer Ihren Vater getötet hat? Diese Frage kann ich nicht beantworten, ich war nicht dabei“, wandte sie sich direkt an Michael Buback. Becker bestritt sogar, an den Vorbereitungen beteiligt gewesen zu sein.

Der „Karl May der RAF“

Das ist der Hauptpunkt der Anklage, denn im Gegensatz zu Buback-Sohn Michael, geht sie nicht davon aus, dass Becker geschossen hat.

Eigentlich könnte der Fall mit der Verurteilung von Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und Knut Folkerts 1980 juristisch als abgeschlossen gelten. Dass einer der drei den Finger am Abzug hatte, konnte indes nie bewiesen werden. Verurteilt wurden sie – unter Juristen nicht unumstritten – wegen „mittelbarer Mittäterschaft“.

Verurteilt wurde auch Verena Becker. Sie und RAF-Mann Günter Sonnenberg hatten wenige Wochen nach dem Attentat bei einer Polizeikontrolle auf die Beamten geschossen. Man fand bei ihr die Waffe, mit der Buback getötet wurde. Und man fand ihre Speichelspuren auf dem Umschlag des Bekennerschreibens. Das allein beweist freilich noch nichts.

Verena Becker arbeitete in Haft mit dem Verfassungsschutz zusammen und soll dabei den Namen des Todesschützen genannt haben: Jürgen Wisniewski. Vor Gericht hat sie das nicht wiederholt. Christian Klar wiederum habe gesagt, es sei Becker gewesen. Sagte ein ehemaliger Mithäftling. Dazu hat wiederum Klar bei seiner Zeugenaussage geschwiegen.

Dass Michael Buback seit Jahren alles in Bewegung setzt, den Mörder seines Vaters zu finden, ist einem Anruf von Ex-RAF-Mann Peter Jürgen Boock zu verdanken. Dieser habe ihm gesagt, dass es keiner der bereits Verurteilten war. Nun ist Boock aber keinesfalls eine verlässliche Quelle, beim Verfassungsschutz hat er wegen seiner Neigung zum Fabulieren den Beinamen „Karl May der RAF“.

Die Suppe blieb zu dünn

Verbissen versucht Michael Buback zu beweisen, dass Becker geschossen hat. Er trieb Augenzeugen auf, die unter Helm und Motorradkluft eine Frau ausgemacht haben wollen. Diese Suppe erwies sich im Prozess als zu dünn. Auch seine These, dass Becker vom Verfassungsschutz gedeckt werde, konnte Buback bisher nicht erhärten.

Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei Notizen Beckers gefunden, in denen sie sich fragte, ob sie nicht „Licht in die Schatten“ bringen könnte. Am Montag ist es nicht einmal die Entschuldigung geworden, auf die die Angehörigen der Opfer gehofft hatten.

Auf einen Blick
Verena Becker (59) steht seit September 2010 wegen des im April 1977 verübten Mordes an Deutschlands damaligem Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Mitarbeiter vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht. Ihr wird Mittäterschaft, nicht Mord vorgeworfen.
Im Mordfall Buback wurden bereits 1980 die RAF-Terroristen Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und Knut Folkerst wegen „mittelbarer Mittäterschaft“ zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Ob jemand von ihnen tatsächlich jene Person war, die Buback vom Rücksitz eines Motorrads aus erschossen hat, konnte allerdings nie bewiesen werden. Bubacks Sohn Michael vermutet Becker als Täterin.

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15 Kommentare

Wär es eine Braune Armee Fraktion gewesen

die Leute würden heut noch sitzen.

Antworten Gast: karnator
15.05.2012 09:20
0 3

Re: Wär es eine Braune Armee Fraktion gewesen

Unsinn. Dafür fehlt die rechtliche Grundlage.

Ach, die lebt von Hartz IV?

Liebes Deutschland, du gibst dich auch für alles her, oder?

Am Ende sehen sie alle gleich aus

Egal ob Becker, Causescu, Gadaffi und viele andere die mit Terror ihre Ziele verfolgten.

Blut an den Händen, und schwarze Brillen. Wenn Brillen zum Spiegel der Seele werden.

Jede Idee, jede Bewegung die sich der Mittel des Mordens und des Terrors bedient, ist nicht besser als ihre Instrumente.

Nun ist Becker eine alte Frau die langsam von ihrer eigenen Seele aufgefressen wird.

Auch ein Breivik wird nicht anders enden.


traurig

diese RAF Figuren sind schon traurige gestalten. wenn sie nicht so brutale Mörder wären, würden sie glatt als politische witzfiguren durchgehen. immerhin sind sie der lebende Beweis, was eine lächerliche Ideologie aus Kinder macht, die aus der Pubertät nicht herauswuchsen.

RAF-Terroristin bricht ihr Schweigen,

Und welche Enthüllungen liefert die "Dame"?

"Ich habe nichts gehört, nichts gesehen und sagen tu ich auch nichts."

Sensationell!


Antworten Gast: aaaaaaabbbbbbbccccccccc
15.05.2012 02:39
5 0

Re: RAF-Terroristin bricht ihr Schweigen,

Eigentlich eine Verhöhnung aller RAF-Opfer und derer Angehöriger.

Re: RAF-Terroristin bricht ihr Schweigen,

erinnert ein bisschen an unseren jungen schoenen intelligenten exfinanzminister, der war auch nirgends dabei

Re: Re: RAF-Terroristin bricht ihr Schweigen,

Auch wenn der "junge schöne intelligente Exfinanzminister" noch so unsympathisch ist: bei ihm geht es zumindest nicht um Mord.

Gast: Dr N N
14.05.2012 13:35
7 4

Na, wenn die öffentlich sagt

wer es wirklich war - dann ist die schneller tot als die deutsche Justizwache mit den Ohren wackeln kann. Ich würde da auch schweigen. Jeder würde das, dem sein Leben lieb ist.

Die RAF ist fertig,

für die mordet keiner mehr. Wenn Becker anfängt zu reden, dann werden vermutlich die anderen ExRAFler ebenfalls anfangen sich zu erinnern und ihr irgendwas anhängen. Die RAF hat noch genug Leichen im Keller.

Eine aufrichtige Linke

Zum ersten Mal wurde Verena Becker verhaftet, weil sie 1972 nach dem „Bloody Sunday“ einen Bombenanschlag auf den Berlin British Yacht Club in Berlin-Gatow verübt hatte. Dabei starb der Club-Bootsmann Erwin Beelitz. Wegen dieser Tat wurde sie 1974 zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt

Nach der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch Mitglieder der Bewegung 2. Juni am 27. Februar 1975 wurde sie in die Demokratische Volksrepublik Jemen ausgeflogen.

1977 wurde sie einer Personenkontrolle unterzogen, bei der sie sich nicht ausweisen konnten. Darauf kam es in der Singener Fußgängerzone kam es anschließend zu einem Schusswechsel zwischen den Terroristen und zwei Singener Polizisten.

Bei Verena Becker wurde die Tatwaffe sichergestellt, die bei dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinen beiden Begleitern Wolfgang Göbel und Georg Wurster benutzt wurde.

Eine aufrichtige Linke also.

Auch bei Joschka Fischer wurden Waffen

im Auto sichergestellt.

Er wurde nicht weiter verfolgt und hat eine steile Karriere gemacht.

War er ein V-Mann?


Verena Becker, ein Opfer der Gesellschaft?


Gast: Tonus
14.05.2012 12:00
6 2

compassio nulla

In dubio contra ream!