Ihre Augen sind vor Schmerz weit aufgerissen, sie schreit, läuft um ihr Leben. Völlig nackt, die Hände vom Körper gestreckt, flieht sie zwischen Fotografen und anderen Kindern vor dem Napalm-Angriff der südvietnamesischen Truppen. Doch zu spät. Die neunjährige Vietnamesin Kim Phúc erleidet von der klebrigen Flüssigkeit, die über dem Dorf Trang Bang ausgeschüttet wird, schwere Verbrennungen. Just in dem Moment drückt der Fotograf Huynh Cong („Nick") Út den Auslöser seiner Kamera und hält diesen Moment der Qualen und der Unmenschlichkeit des Krieges für die Nachwelt fest.
Das Klicken, das Leben rettete
Es war der 8. Juni 1972. In Vietnam tobte der Krieg. Südvietnamesische und US-Streitkräfte kämpften gegen den kommunistischen Norden und Truppen des Vietcongs. Die Kommunisten forderten die Vorherrschaft in dem Küstenstaat, die amerikanische Regierung stemmte sich dagegen.
Kim Phúc suchte mit ihrer Familie Schutz in einem Tempel, als ein Angriff ihr kleines Dorf erschütterte. Das Mädchen flüchtete mit anderen Kindern aus dem einstürzenden Gebäude und geriet mitten in den Napalm-Angriff. Ihre beiden Cousins starben an den Verbrennungen, auch in Kims Haut fraß sich der aggressive Phosphor immer weiter hinein. Rund 30 Prozent ihrer Körperoberfläche waren verbrannt, fast ihr ganzer Rücken, der Nacken und ihr linker Arm. Ihre linke Wange und beide Ohren waren versengt. „Ich werde hässlich sein, ich bin nicht mehr normal", dachte sie damals, wie sie der „Associated Press" (AP) 40 Jahre später sagte.
Út hielt das Szenario mit seiner Kamera fest und erhielt wenig später den Pulitzer-Preis, das Mädchen eine ärztliche Behandlung. Denn der Fotograf brachte Kim in das nächstgelegene Krankenhaus. Tage später wurde Kim in eine Spezialklinik für Verbrennungen in Saigon überführt. Ohne die Veröffentlichung des Bildes und die damit verbundene Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene, wäre sie vermutlich an ihren Wunden gestorben.
Vorzeigeopfer und Propagandainstrument
Seither wird Kim Phúc von ihrem Bild verfolgt. Zunächst wurde sie von westlichen Medien zum Vorzeigeopfer des zehnjährigen Vietnamkrieges stilisiert, der auf südvietnamesischer Seite an die 700.000 Opfer forderte, in Nordvietnam 920.000 Soldaten und 350.000 Zivilisten das Leben kostete. „Ich wollte dem Bild entkommen. Es war so schwer diese Last zu tragen, den Hass, die Bitterkeit", erinnerte sich Kim gegenüber AP. „Doch es schien, als würde mich das Bild nicht gehen lassen."
Nach dem Sieg des Nordens wurde das Foto von der kommunistischen Propaganda für ihre Zwecke eingesetzt, was dem Mädchen einige Vorteile einbrachte. So konnte Kim als Privilegierte der vietnamesischen Regierung ein Studium in Kuba absolvieren. Durch die ihr zugestandenen Reisemöglichkeiten gelang es ihr sogar, sich mit ihrem Mann in den Westen abzusetzen. Heute lebt sie mit ihm und ihren beiden Söhnen in Kanada. Völlig entfliehen wird sie ihrer Vergangenheit aber nie können. Denn auch 40 Jahre nach dem Napalm-Angriff „kennen zwar die meisten Menschen mein Foto, aber sie wissen nur wenig über mich", betonte Kim.
Trotzdem sei sie dankbar. „Heute akzeptiere ich das Foto als Geschenk, das mir Kraft gibt. Denn damit kann ich mich für den Frieden einsetzen."
Napalm ist eine Brandwaffe, die als klebrige Masse am Ziel haftet und eine starke Brandwirkung entwickelt. Bereits kleine Spritzer davon verursachen schwere Verbrennungen. Wegen seiner hydrophoben Eigenschaften kann Napalm nur schlecht mit Wasser gelöscht oder von der Haut abgewaschen werden. Es erreicht eine Verbrennungstemperatur von 800 bis 1200 Grad Celsius. Während des Vietnamkrieges setzten US-Streitkräfte rund 400.000 Tonnen Napalm ein. Es wurde in Kanistern durch Jagdbomber abgeworfen.

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