Historische Rede: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall"

12.06.2012 | 10:25 |  Hellin Sapinski (DiePresse.com)

Vor 25 Jahren forderte US-Präsident Reagan den sowjetischen Staatschef auf, West- und Osterberlin zu vereinen. Zwei Jahre später fiel die Berliner Mauer tatsächlich. Eine Rede, die um die Welt ging.

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Am 12. Juni 1987 bestieg der damalige US-Präsident Ronald Reagan ein Podium in Deutschland. Hinter ihm eine Betonwand, die das Brandenburger Tor von West-Berlin trennte. Dann begann er seine Rede anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins und überraschte mit einem Appell an den sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, der seit zwei Jahren „Glasnost" und „Perestroika" (Offenheit und Umbau) forderte: „Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor. Herr Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder."

Unter den 40.000 Menschen im Publikum brach Jubel aus. Reagan lächelte und setzte seine 25-minütige Ansprache fort: „Lassen Sie uns den östlichen und westlichen Teil der Stadt enger zusammenbringen", richtete er seinem Amtskollegen aus. Als Beispiele nannte er die Veranstaltung Olympischer Spiele in West- und Ostberlin, den Ausbau Westberlins zu einem Luftverkehrs-Knotenpunkt oder Weltkonferenzen über Menschenrechte und Abrüstung.

--> Video: "Tear down this wall"

Schweigen und "Melodramatik"

In den folgenden Tagen gingen Reagans Worte um die Welt. Die deutsche Politik war weniger begeistert und hielt sich mit Reaktionen auf den „Friedensplan" zurück. Erich Honecker, damals DDR-Staatschef, soll sogar schwer beleidigt gewesen sein, weil er als oberster Baumeister die Mauer zwar nicht niederreißen, aber doch zumindest dazu aufgefordert werden wollte. Gorbatschow nahm zu dem Appell nie Stellung, dafür sein damaliger Außenminister Eduard Schewardnadse. Dieser verurteilte den Aufruf des Politikers als „melodramatisch und hetzerisch", wie die Zeitung „Prawda" am 18. Juni 1987 berichtete.

Späte Anerkennung

(c) EPA/MICHAEL PROBST

(c) EPA/MICHAEL PROBST

Zwei Jahre nach Reagans Rede fiel die Berliner Mauer in der Nacht vom 9. November auf den 10. November 1989 - nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Anerkennung für seine mutigen Worte erhielt Reagan erst spät.

Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums schrieb der deutsche Altkanzler Helmut Kohl in einem Gastbeitrag für die „Bild"-Zeitung: „Am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin, und nicht einmal ein Jahr später hatten wir Deutschen die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in Frieden und Freiheit, ohne Blutvergießen und mit Zustimmung unserer Partner und Nachbarn erreicht. Ohne unsere amerikanischen Freunde und ihre über Jahre bewiesene Standfestigkeit hätten wir dies nicht geschafft. Und dazu gehört eben auch der Appell Ronald Reagans in Berlin vor 25 Jahren."

Inspiration auf dem Wohnzimmersofa?

Woher Reagan die Idee zu der historischen Rede bekam, ist unklar. Sein damaliger Redenschreiber, Peter Robinson, berichtete, kurz zuvor bei einer Westberlinerin zu Besuch gewesen sein. Als sie auf dem Wohnzimmersofa saßen, habe sie einen Wutausbruch bekommen und gemeint: „Pull down this wall". Er habe daraus den Satz „tear down this wall" gemacht haben. Andere Quellen meinen, dass US-Gesandte in Berlin Reagan den Satz vorgeschlagen hätten. Wieder andere versichern, der Präsident habe selbst den Einfall dazu gehabt.

Woher die Worte auch kamen, sicher ist, dass sie in den US-Regierungskreisen auf heftige Gegenwehr stießen. Der endgültige Entschluss, sie zu verwenden, fiel erst auf dem Weg zum Brandenburger Tor, als Reagan erklärte: „Die Jungs aus dem Außenministerium werden mich umbringen, aber es ist genau das Richtige."

Reagan & die Berliner Mauer

Ronald Wilson Reagan wurde am 6. Februar 1911 in Illinois geboren und starb am 5. Juni 2004 in Kalifornien. Er war ein US-amerikanischer Schauspieler, republikanischer Politiker und von 1981 bis 1989 der 40. Präsident der Vereinigten Staaten.

Die Berliner Mauer trennte vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 den Ostteil Berlins von der Westseite.

Berlin: Als die DDR ihre Bürger einmauerte

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7 Kommentare

Wo ist da der kausale Zusammenhang...?

Reagan hat viel geredet, Gorbatschow hat gehandelt...

Gast: Luzifer
13.06.2012 11:01
0

Als die Kommunisten Berlin "einmauerten",

ging der in W-Dtl. sehr beliebte JF Kennedy seelenruhig segeln. Damit waren die Ergebnisse des 2.WK mit dem riesigen Landgewinn der osteuropäischen (slawischen) Nationen unantastbar. Und wenn in W-Dtl. mancher Vertriebener noch von einer (wenigstens teilweisen) Revision von "Jalta" (nicht zuletzt wegen des Nato-Beitritts Westdeutschlands) geträumt hat, so war dieser Traum zerstoben. Die Konsequenz war die neue deutsche Ostpolitik. Man gab die alten Ansprüche auf Ostdeutschland auf (weil deren Durchsetzung mithilfe des Westbündnisses unrealistisch geworden war) und schuf der dt. Diplomatie einen viel größeren Spielraum. Mit anderen Worten: man ließ sich nicht mehr ständig das "Wurstzipfel" der deutschen Einheit und Revision der O-Grenzen vor die Nase halten, denn diese Politik war nicht mehr glaubhaft.

Und vor allem die SPD-Außenpolitik begann erste Fäden zu den östlichen Nachbarn zu knüpfen - mißtrauisch beobachtet von den US-Geheimdiensten.

Wenn Reagan plötzlich vom Abriß der "Mauer" (und nicht von der Wiedervereinigung) sprach, so geschah dies in der Erkenntnis, daß man den westdeutschen Verbündete wenigsten ein bißchen Hoffnung machen müsse, um sie "bei der Stange zu halten". Denn die Zeichen der Abwendung zumindestens der w-dt. Bevölkerung vom W-Bündnis waren unübersehbar (neo-marxistische Renaissance in den 68-ern, Demonstration gegen die Atombewaffnung etc.).


Ich habe ihn damals für noch verrückter gehalten

als ich es vorher schon getan habe......

Gast: Es lebe die Freiheit
12.06.2012 15:48
5

Und die osteuropäischen Verberechersysteme wurden hinweggefegt

Und das war gut so

Antworten Gast: Franz Hobel
12.06.2012 16:34
2

Re: Und die osteuropäischen Verberechersysteme wurden hinweggefegt

......und wurde ersetzt durch das westlich kapitalistische Spekulantentum.

Und jetzt geht's ja allen so gut und es herrscht die wahre Glückseeligkeit!

Re: Re: Und die osteuropäischen Verberechersysteme wurden hinweggefegt

Lieber arm und frei, als noch ärmer und eingesperrt!

Heute braucht man keine Mauern mehr

weil ohnehin schon alles und überall überwacht ist. Der Fingerabdruck im Reisepass ist schon mal vorhanden, die Telefondaten werden aufgezeichnet, jederzeit kann jeder Telefonierende geortet werden.

Solange man jedoch seine Steuern brav zahlt, kein Sündenbock für irgendwas gebraucht wird und man niemanden in der Verwaltung hat, der einem aufsitzt, hat man nichts zu befürchten.

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