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Demokratie auf kärntnerisch

29.07.2012 | 18:34 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

Im südlichsten Bundesland gelten eigene Regeln. Und der Auszug aus dem Landtag ist dort auch nichts Neues. Doch der freiheitliche Wahlboykott gerät ins Wanken. Eine Analyse.

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Wien. Kärnten war immer schon etwas anders. Und zwar nicht nur bei den Wahlergebnissen, sondern auch bei den demokratischen Spielregeln. Lange Zeit war es etwa kleinen Parteien unmöglich, in den Landtag einzuziehen. Nur wer ein Grundmandat schaffte – wofür zwischen neun und elf Prozent Wählerzuspruch Voraussetzung waren –, durfte ins Landesparlament einziehen. Erst 2008 wurde diese Regelung entschärft und eine Fünf-Prozent-Hürde eingeführt. Die Kärntner Freiheitlichen waren zwar gegen diese Reform. Sie wurden aber von der Mehrheit der anderen Parteien überstimmt.

Auch jetzt sind die Kärntner Freiheitlichen (FPK) wieder einmal in der Minderheit. Sie sind die einzige Fraktion, die nach Auffliegen der Parteispendenaffäre Neuwahlen verhindern möchte. Und tatsächlich können die Blauen das auch. Denn das Kärntner Recht sieht vor, dass zwei Drittel der Abgeordneten anwesend sein müssen, damit man über Neuwahlen abstimmen kann. Solange die Blauen – wie angekündigt – also vor jeder Abstimmung zum Thema den Saal verlassen, wird es zu keiner Neuwahl kommen. Selbst wenn die Mehrheit aller Landtagsabgeordneten für den Urnengang ist. Auf Bundesebene wären solche Regeln undenkbar: Im Nationalrat würde es für einen Neuwahlbeschluss bereits genügen, wenn ein Drittel der Abgeordneten anwesend ist. Und selbst, um Verfassungsgesetze zu beschließen, reicht es, wenn die Hälfte der Abgeordneten da ist.

Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass der Auszug aus dem Kärntner Landtag zum politischen Kampfmittel erhoben wird. 1994 verließen die Freiheitlichen immer wieder den Landtag, wenn die Wahl von Christof Zernatto (ÖVP) zum Landeshauptmann anstand. Fünfmal wiederholte sich das Schauspiel. Zernatto hatte eine Mehrheit hinter sich. Doch der Auszug der Blauen verhinderte, dass wie vorgeschrieben zwei Drittel der Mandatare anwesend waren. Schließlich musste sich FPÖ-Chef Jörg Haider aber dem öffentlichen Druck beugen: Die Blauen verblieben im Plenum und ermöglichten die Wahl Zernattos. Als Lehre aus der Causa wurden später die Regeln für die Kür des Kärntner Landeshauptmanns gelockert.

 

Keine rechtliche Handhabe

Im Zuge der Diskussion legte die ÖVP 1994 sogar ein Gutachten des Verfassungsdienstes der Kärntner Landesregierung vor. Laut diesem ist es verfassungswidrig, durch stetige Auszüge einen Beschluss im Plenum zu blockieren. Das sieht Heinz Mayer, Dekan an der Wiener Jus-Fakultät, allerdings anders. Wenn Abgeordnete immer wieder aus dem Landtag ausziehen, sei das „rechtlich nicht greifbar“, erklärt Mayer im Gespräch mit der „Presse“. „Sehr demokratisch ist das aber nicht“, betont der Jurist.

Doch der Druck auf die Kärntner Blauen steigt. Hatte man bisher erklärt, eine Neuwahl auf jeden Fall zu verhindern, klangen die Worte von Landeshauptmann Gerhard Dörfler am Sonntag bereits etwas anders. Dörfler erklärte, er sei zwar nach wie vor der Ansicht, dass man „alle Sümpfe trockenlegen“ müsse, bevor es zu neuen Wahlen komme. Er wolle aber mit den Funktionären über einen möglichen Kompromiss diskutieren. Man könne zum Beispiel über einen Wahltermin im Frühjahr 2013 nachdenken. Der steirische ÖVP-Klubchef Christopher Drexler kritisierte indes im „Kurier“ die Vorgänge in Kärnten, in die auch seine Partei involviert war, scharf. Er sei es leid, „mit dieser elenden Bagage in einen Topf geworfen zu werden“, so Drexler.

Der Steuerberater Dietrich Birnbacher und Ex-ÖVP-Chef Josef Martinz hatten vor Gericht illegale Parteienfinanzierung zugunsten der ÖVP gestanden. Beide erklärten zudem, dass ein Teil des Beraterhonorars von Birnbacher beim Hypo-Verkauf (insgesamt sechs Millionen Euro) an die FPK hätte gehen sollen. Die Freiheitlichen bestreiten alle Vorwürfe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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37 Kommentare
 
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Und die EU? Keine Abzocke???

Warum regen wir uns über Kärnten auf? Es ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was auf der EU Ebene passiert. Fekter und co

Antworten Gast: Grummelbart2
02.08.2012 14:05
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Re: Und die EU? Keine Abzocke???

Alleine die für die HYPO übernommenen Haftungen sind teurer als "unser" Anteil an der Griechenland-Hilfe.

Und wir reden hier jetzt NUR von der HYPO Alpe Adria, nicht von den anderen Baustellen in Kärnten.

Gast: gauwutzl
30.07.2012 15:44
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anders

Appropo Wien, Ja die Weaner sand anders......

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Nur Kärnten?

Nein, ganz Österreich sitzt im Sumpf !

Wir freuen uns halt, wenn man woanders noich tiefer im Sumpf sitzt. Dann brauchen wir uns selber nicht bei der Nase nehmen.

Ö ist eine Parteiendemokratur und daher reformresistent!


Antworten Gast: der scheuch uwe
30.07.2012 13:30
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Re: Nur Kärnten?

was soll eine parteien-volks-kratur sein?
was willst du uns denn genau sagen? probiers vielleicht ohne fremdwörter, dann machts unter umständen mehr sinn!


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Re: Re: Nur Kärnten?

Okay, ich werde noch etwas Fremdwörter üben.

Dir aber empfehle ich Leseübungen, denn über "Parteien-volks-kraturen" habe ich nichts geschrieben...

Re: Re: Re: Nur Kärnten?

demos (lat.) = volk.

ich vermute, das war gemeint...

Gast: NichtrotgrueninWien
30.07.2012 10:28
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demokratie auf wienerisch

1.)Programm der Landesregierung:
Rot-Grün: Ein Drittel weniger Autofahrten bis 2015

Quelle:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/610673/RotGruen_Ein-Drittel-weniger-Autofahrten-bis-2015

2.)
Parkpickerl im Herbst - Volksbefragung später (2013)

Quelle:
http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/art23652,749607

Wo ist hier die Demokratie liebe Wiener Landesregierung?!

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Re: demokratie auf wienerisch

Sie haben keine Ahnung, was Demokratie bedeutet. Aber glauben Sie nicht, dass es keiner merkt. Oder keiner merkt, dass Sie ein Krampfposter sind, der mit dem völlig sinnvollen Parkpickerl von seinen lieben Kärntner Verbrechern ablenken möchte.

Antworten Gast: pächter der wahrheit
30.07.2012 16:54
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Re: demokratie auf wienerisch

Und was ist daran so schlecht? Noch erfolgreicher als rot und schwarz hat die Autoindustrie unser Gehirn gewaschen: Freude am Fahren, Freiheit auf Rädern und so. Ein bißchen Hirn beim Einsatz des Autos würde allen StadtbewohnerInnen gut tun.

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Re: demokratie auf wienerisch

Und was hat das mit Kärnten zu tun? Bitte zuerst vor der eigenen Türe kehren.

Gast: genau berichten
30.07.2012 09:44
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nur die halbe Wahrheit

@Philipp Aichinger

....Und selbst, um Verfassungsgesetze zu beschließen, reicht es, wenn die Hälfte der Abgeordneten da ist.

Das stimmt zwar, jedoch können Verfassungsgesetze im Nationalrat nur mit qualifizierter Mehrheit von zwei Dritteln der Abgeordneten beschlossen werden. Das heißt, ein solcher Beschluss würde in Kärnten auch ohne Auszug des FPK nicht zustandekommen, da sie mehr als 1/3 der Abgeordneten stellen!!!

Wenn Vergleiche angestellt werden, dann bitte genau recherchieren!!

sinnerfassendes lesen ist offenbar gar nicht so leicht....

um was herrn aichinger geht, ist, dass in kärnten 2/3 der abgeordneten anwesend sein müssen, damit man überhaupt rechtswirksam über eine vergleichbare lappalie wie neuwahlen abstimmen kann.

die bundesverfassung kann schon geändert werden, wenn lediglich die hälfte der abgeordneten anwesend sind.

Gast: sonos
30.07.2012 08:09
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herrenbauerntum

arroganz und überheblichkeit haben ein gesicht:

http://www.youtube.com/watch?v=WkWBhExA2ig&feature=youtu.be

Tabula rasa!

Emporkömmlinge ohne Erfahrung in Wirtschaft und/oder Politik wurden als Twens vom korrupte LH Haider in Ämter gehievt. In Ämter die sie intellektuell überfordern. Gelernt haben sie in erster Linie Illegales.
Tu felix Austria.

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Re: Tabula rasa!

Und die EU Dilletanten????

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Re: Re: Tabula rasa!

Also, ein EU-Dilettant sitzt jedenfalls auf Ihrem Sessel vor Ihrem PC.

Gast: DasIstUnglaublich
30.07.2012 06:16
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Korruption hat einen neuen Namen: FPÖ


Re: Korruption hat einen neuen Namen: FPÖ

Argumente?

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Re: Re: Korruption hat einen neuen Namen: FPÖ

Der Name ist schon alt, da haben Sie natürlich recht.

Gast: GNessmann
30.07.2012 05:56
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Stronach

Vielleicht wird der Stronach mit seiner Partei bei der naechsten kaerntner Landtagswahl antreten?

Gast: haha. Ganz Kärnten ist ein Witz.
30.07.2012 01:33
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Demokratie auf kärntnerisch: Demokrat-lei

Lei Lei.

Demokratie auf wienerisch

Unter Druck von 170.000 Unterschriften über das Parkpickerl kündigt man eine Volksbefragung an, für nach der Umsetzung natürlich. Aber dafür fragt man irgendwas ("allgemeine Verkehrsthemen") ab.
Um einen Bescheid vom Verwaltungsgerichtshof zu verhindern, dass eine Volksbefragung zulässig (und daher verpflichtend) wäre, leitet die SPÖ ein Verwaltungsverfahren ein und stellt Fragen an die ÖVP. Folglich gibt es keine einzuhaltenden Fristen mehr und die SPÖ kann das Verfahren auf unbestimmt verzögern...

Jetzt frage ich, unabhängig von der persönlichen moralischen und ethischen Wertung der einzelnen Causa: was ist besser?

Das Problem ist nicht die FPÖ/FPK, die SPÖ, die ÖVP, etc. Jeder zeigt in irgendeinem Fall mit dem Finger auf den Anderen. Aber im Grunde haben sie alle Dreck am Stecken.
Das Problem ist, wie (in Österreich) Politik betrieben wird.

Zum Speiben, aber echt.
Danke für die Aufmerksamkeit.

"Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werdet ihr merken,

dass man Geld nicht essen kann" - Josef Ackermann

Gast: Jayhawker
29.07.2012 22:53
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Lieber Südtirol als Kärnten

Die einfache Lösung ist ; Wir tauschen Südtirol gegen Kärnten ein. Beiden Seiten ist geholfen: In Italien bekommen korrupte Politiker eine Amnestie oder flüchten nach Tunesien und wir Österreicher sind so eine Baggage endlich los.
Wie schönund frreundlich ist es in Südtirol!


Verkärntnerung der Zeit

Also gestern bin ich in der Altstadt von Linz ordentlich verkärntent worden. Ich war mit meinen Freunden unterwegs, und da haben wir an der Bar einen echt knackigen, feschen Kärntner getroffen. Wir haben gleich über Fussball usw gesprochen und echt ne Gaudi gehabt. Er hat uns alle auf eine Flasche Whisky samt Bull & co eingeladen und auch gezahlt. Auf einmal war er weg. Wir haben es leider nicht gleich kapiert. Aber die Kellnerin hat mit ihrem Chef diskutiert und dabei seinen Zweihundert Euro Schein in Händen gehabt und dabei immer hergeschaut. Nun ja, EU! Der Schein war falsch. Sie wollten die Polizei holen, also haben wir uns die Rechnung geteilt. Die Lehre daraus: Wir erleben gerade die totale Verkärntnerung der Zeit! Man darf echt keinem Kärntner mehr trauen! Die sind ja alle Haider-Fans und haben von ihm viel gelernt.

 
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