25.05.2013 01:07 Merkliste 0

Noch nicht (ganz) reif für die direkte Demokratie

14.10.2012 | 18:17 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

An der Frage, ob Bürger anstelle des Parlaments entscheiden sollen, scheiden sich die Geister. Klar scheint aber, dass die Politiker selbst die direkte Demokratie erst lernen müssten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. In der Schweiz sind Volksentscheide etwas Alltägliches. Aber sind auch Österreichs Bürger reif für eine direkte Demokratie? „Da habe ich erhebliche Zweifel“, sagte Heinz Mayer, Dekan der Wiener Jus-Fakultät, beim letztwöchigen „Rechtspanorama am Juridicum“. Man gehe hierzulande nämlich bereits zu milde und zu langmütig mit Politikern um, meinte der Verfassungsrechtler, und verwies auf das Beispiel Kärnten: „Die Leute haben hier die gewählt, die das Land zugrunde gerichtet haben“, meinte Mayer.

Er brach eine Lanze für die repräsentative Demokratie: Denn bei einer Volksabstimmung könne die Bevölkerung nur Ja oder Nein zu einem fixen Entwurf sagen – aber nicht einzelne Punkte ändern, die einen stören. Das könnten gewählte Volksvertreter aber sehr wohl. Außerdem könnten Eigeninteressen vorherrschen und beispielsweise bei einem so wichtigen Thema wie einer Pensionsreform die vielen Alten die Jungen überstimmen. Mayer ortet im Ruf nach mehr direkter Demokratie vor allem ein Ablenkungsmanöver der Regierenden: „Die politische Elite ist in einem katastrophalen Zustand“, sagte Mayer. Der Dekan forderte ein neues Wahlrecht, bei dem Bürger selbst bestimmen können, wer ihr lokaler Abgeordneter wird. „Dieser Abgeordnete würde sich dann in erster Linie den Wählern verbunden fühlen und nicht den Parteisekretariaten“, betonte Mayer.

Johannes W. Pichler, Professor für Europäische Rechtsentwicklung an der Uni Graz, teilte zwar Mayers Unzufriedenheit mit dem Zustand des Parlamentarismus. Exekutive (Regierung) und Legislative (Parlament) würden zur „Lexikutive“ verschwimmen. Doch die Einwände gegen die direkte Demokratie blockte Pichler ab: „Das Recht geht vom Volk aus“, sagte der Professor und erinnerte damit an Artikel 1 des Bundesverfassungsgesetzes. Daher könne das Volk Gesetze auch selbst in die Hand nehmen, meinte Pichler. Ihn störe, dass bei manchen Gegnern der direkten Demokratie immer wieder das Argument mitschwinge: „Die Bürger sind zu deppert dafür.“ Pichler: „Noch nie waren Bürger so gut informiert wie heute.“ Natürlich, so räumte Pichler ein, könne es sein, dass sich Leute in einer Abstimmung nicht von sachlichen Argumenten, sondern von der Emotion leiten ließen. „Aber das gibt es in der repräsentativen Demokratie bei Wahlen auch“, analysierte Pichler.

 

Volksbefragung instrumentalisiert

Ulrike Weiser, Innenpolitik-Redakteurin der „Presse“, nahm vor allem die Politik in die Pflicht. Denn die Bürger, so meinte sie, könnten den Umgang mit direkter Demokratie zumindest lernen. „Aber ob die Parteien das lernen können? Da habe ich so meine Zweifel“, konstatierte Weiser. Schließlich habe die Politik Volksentscheide bisher gern bewusst instrumentalisiert, um parteipolitische Vorteile zu lukrieren. Bestes Beispiel dafür sei die Volksbefragung zur Wehrpflicht, die für Jänner 2013 angesetzt wurde. „Es ist kein Zufall, dass die Volksbefragung kurz vor der niederösterreichischen Landtagswahl stattfindet“, sagte Weiser. Die Volksbefragung diene der Mobilisierung der eigenen Funktionäre und Wähler.

„Die direkte Demokratie beginnt in der Gemeinde“, betonte Ulrike Fischer, Grün-Politikerin und geschäftsführende Gemeinderätin in St. Andrä-Wördern (Niederösterreich). Sie war bereits mit 20 Jahren in die Kommunalpolitik eingestiegen. Damals nahm sie als Bürgerin bei der Gemeinde in einen Entwicklungsplan Einsicht. Das Missfallen mit dem Plan regte sie an, sich politisch zu betätigen. Fischer bedauert, dass direkte Demokratie von den Bürgern nicht immer genügend eingefordert wird. So könne man in ihrer Gemeinde etwa mit Unterschriften von 200 Bürgern erreichen, dass ein Thema vom Gemeinderat behandelt werden muss. „Ich bin jetzt 15 Jahre im Gemeinderat, und noch nie haben Bürger die 200 Stimmen eingereicht“, sagte Fischer. Dabei hätten Bürger in manchen Fällen schon ausreichend Unterschriften gesammelt. „Aber sie bringen sie dann nicht ein – und das ist sehr schade“, erklärte die Grün-Mandatarin.

Politisch engagieren will sich auch Beate Meinl-Reisinger. „Ich bin hier als frustrierte Bürgerin“, sagte sie. Sie arbeitete früher für die ÖVP, nun ist sie Promotorin der neuen, überparteilichen Initiative „Österreich spricht“. Neben der Initiative soll am 27. Oktober auch eine eigene Partei („Neos“) gegründet werden, bei der Meinl-Reisinger mitwirken wird. „Ich glaube, dass die Stärkung der Demokratie ein Element sein kann, um die Politikverdrossenheit zu senken“, meinte Meinl-Reisinger. Aber „direkte Demokratie allein kann kein Allheilmittel sein“. Es gelte allgemein, einen „Lernprozess“ zu starten. Dazu gehöre auch mehr Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung: Schließlich hätten noch immer viele ein verzerrtes Bild und glaubten, die Demokratie funktioniere hierzulande gut. Den Grund dafür ortet sie im Konsum von Boulevardmedien: „Ich schaudere, wie viele Leute in der U-Bahn diese Gratisblätter in der Hand halten“, erklärte sie. Medienschelte führe aber zu nichts, wandte nun Pichler ein. Zeitungen hätten schließlich schon immer Politik gemacht.

 

„Sektenartige“ Parteistrukturen

Weitgehende Einigkeit bestand auf dem Podium aber darin, dass man die Politiker stärker in die Pflicht nehmen müsse. Und Mayer erinnerte daran, dass die letzte große Reform, die Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf Jahre, entgegen seinen Erwartungen nach hinten losgegangen sei. Die Politik nütze nämlich die längere Regierungszeit gar nicht, um Reformen anzupacken, beklagte Mayer. Er kritisierte noch einmal die Macht der Parteizentralen: „Wir habe momentan keine repräsentative Demokratie. Wir haben sektenartige Organisationen, die das Parlament leiten.“

„Presse“-Diskussionen

Das „Rechtspanorama am Juridicum“ ist eine Veranstaltungsreihe der „Presse“ und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Wien. Die nächste Runde findet am 12. November statt, das Thema steht aus Aktualitätsgründen noch nicht fest.

Schon am kommenden Montagfindet ein „Rechtspanorama an der WU“ statt. Über das Thema „Arbeitsrecht in der Krise“ diskutieren Verbund-Vorstand Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Anwältin und VfGH-Mitglied Sieglinde Gahleitner, IHS-Arbeitsmarktexperte Helmut Hofer, AMS-Chef Johannes Kopf sowie der Anwalt und Arbeitsrechtprofessor Franz Marhold. Ab 18 Uhr im Festsaal des Hauptgebäudes, Augasse 2–6, 1090 Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

33 Kommentare
 
12
Gast: Karl 41
19.10.2012 16:19
0 0

Wie lernt man Demokratie?

dem Dekan der Jus Fakultät muss ich in einer Beziehung zustimmen, die Österreicherinnen und Österreicher haben keine Erfahrung mit der direkten Demokratie, und da ist aber der Herr Dekan auch dabei. Ich denke, nach vielen Jahren in der Schweiz, das mit der Demokratie ist wie das mit dem Schwimmen. Wenn man sich nicht ins Wasser traut lernt man es nie, wenn nie über Sachfraen abgestimmt wieso soll dann der Bürger über die Sache nachdenken? Es wird ja für ihn gedacht, z.B. vom Dekan. Und das Resultat? Die Schweiz steht eindeutig besser als Österreich da. Eventuell ist der Grund der, dass die Politikerkaste sich nicht so unverschämt ereichern kann wie es in Österreich der Fall ist. Weiters bedanke ich mich beim Dekan für die Feststellung, dass auch ich als Normalbürger zu blöd bin um eine richtige Entscheidung mit dem Stimmzettel zu machen!
D A N K E

Gast: MorgenB
16.10.2012 11:09
0 0

Sektenartige Parteistruktur

Ich war selber auf einem "Österreich spricht" bzw. "Neos" Treffen und was Sektenartigeres gibt es wohl kaum. Ohne Vorinformation könnte man nach 2 Stunden nicht sagen, ob es da um ein Pyramidenspiel, eine Verkaufsveranstaltung oder eine Sekte geht.


Gast: Stefan Hämmerle
16.10.2012 10:11
2 0

Traurig, was Heinz Mayer sagt....

Nur jene, die meinen, die Menschein in Österreich seinen nicht reif für mehr direkte Demokratie, fehlt es an ensprechendem Demokratieverständnis. Österreich muss sich aus den ständischen und feudalen Strukturen und Traditionen radikal befreien.

Die Menschen sind weit mündiger, als der Theoretiker Mayer denkt.

Ich habe bei ihm wie auch bei manch anderen Vertretern der representativen Demokratie den Eindruck, dass man Menschen erst dann reif genug für die direkte Demokratie hält, wenn man erwarten kann, dass sie mit den Mächtigen ideologisch gleichgeschaltet sind.

Wenn Österreich die Schweiz als Vorbild nimmt.

Dann kommt so etwas wie unser Bundesheer, vor allem aber: unser Wehrbudget heraus.
Auf das Thema direkte Demokratie übertragen käme das strafrechtlich einer "gefährlichen Drohung" gleich.
Ob die Menschen hier dafür "zu dumm" sind oder nicht (wie Pichler in den Raum stellt), ist nicht die primäre Frage. Diese lautet nämlich: Woher beziehen die Menschen ihre Informationen? Und da bekomme ich Angst. Wenn die Herausgeber dieser Medien die Zukunft unseres Landes bestimmen, na servas!
Der Ansatz der Grünen (Ulrike Fischer), dass direkte Demokratie auf Gemeindeebene "gelernt" werden müsse, ist richtig. Und wie sieht das in Wien (Parkraumbewirtschaftung) aus? Also geht mit gutem Beispiel voran.
Generell halte ich direkte Demokratie in einer Gesellschaft, die von zunehmendem Egoismus und versiegendem Solidaritätssinn geprägt ist (Selbstverwirklichung, Singles, Vollkaskomentalität,...), für völlig ungeeignet, die Probleme des Landes in seiner Gesamtheit zu lösen. Die Schweiz kämpft übrigens jetzt auch schon mit diesem Problem.

Re: Wenn Österreich die Schweiz als Vorbild nimmt.

Sehr geehrter Herr K. B.

Erlauben Sie mir eine kurze Erwiderung.

Ich sehe einen Punkt ganz ähnlich. Es wäre äusserst sinnvoll, direktdemokratische Mittel zuerst auf kommunaler Ebene einzuführen und "zu testen". Ihr angesprochenes "Informationsproblem" wäre auf dieser untersten politischen Ebene kaum vorhanden, denn die (potentiellen) Stimmbürger würden die entsprechenden Sachlagen meist ganz persönlich und direkt wahrnehmen können. Vielleicht ein paar Beispiele dazu: Es kämen ganz alltägliche, unspektakuläre Sachgegenstände zur Abstimmung wie "Bau/Realisierung eines Parkhauses ja/nein", "Einführung/Erhöhung von Kehrichtsackgebühren" etc. Das Stimmvolk könnte über einen gewissen Zeitrahmen hinweg wertvolle Erfahrungen sammeln, sich an die politische Mitverantwortlichkeit gewöhnen. Bildungsinstitutionen hätten die Möglichkeit, den "volkspolitischen Nachwuchs" aufzuklären.

Anderer Meinung bin ich bezüglich Ihrer weiteren Ausführungen (ab: "Generell halte ich (...)") Das Gegenteilige halte ich für wahrheitsgetreuer. Gerade in einer zunehmend egoistischeren, opportunistischeren und individual geprägten Gesellschaft wäre eine politische Beteiligung aller wahlberechtigten Bürger äusserst sinnvoll und zielführend. Es würde eine Art "Wir-Gefühl" entstehen können. Die politische Mitverantwortlichkeit und Mündigkeit könnte gefördert werden. Vermehrte Akzeptanz der politischen Endentscheide wäre die Folge.

In der CH hat sich das System bewährt. Und dies über 150 Jahre hindurch.

MfG

tatsächlich?

die schweizer abstimmungsergebnisse führten zu einer kompletten isolation innerhalb europas, welches den wichtigsten schweizer markt - den bankensektor - massiv schwächt.

die österreichische tradition, sich mit komplexen politischen themen nur rudimentär zu beschäftigen führten bereits im rahmen der repr. demokr. zum erstarken der populistischen partei(en) inklusive desaströsen ergebnissen für das land.

sie übersehen, dass demokratie ein junges pflänzchen in österreich ist. auch wenn wir es anders empfinden. und genau hier verorte ich das hauptproblem im diskurs über direkte demokratie in unserem land.

Re: tatsächlich?

Besten Dank für Ihren Beitrag. Den letzten Abschnitt Ihrer Ausführungen finde ich sehr interessant.

Ich denke nicht, dass die "Anzahl Demokratiejahre" einen entscheidenden Faktor darstellen dürfte. Selbst wenn Sie den Bürgern der beiden ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts - also den Untertanen der kaiserlich-königlichen Majestät - direktdemokratische Mittel in die Hand gedrückt hätten, sähe die Ausgangslage wohl nicht entschieden anders aus. Letzlich liegt immer irgendwo ein Anfangspunkt, muss das "Abenteuer" gewagt werden. Entscheidender dürfte vielmehr die Ausgestaltung der "ersten direktdemokratischen Stunden" sein. Welche Mittel sollen genau eingeführt werden? Auf welcher politischen Ebene beginnt man? Welche Restriktionen soll es geben? Etwas nähere Ausführungen dazu habe ich oben bereits angestellt.

Vielleicht noch kurz zu Abschnitt eins: Das sehe ich entschieden anders. Für mich ist es äusserst erstaunlich mit welcher Zielgenauigkeit, Weitsicht und Weisheit der schweizerische Stimm- und Wahlbürger seit beinahe 150 Jahren (direkt) entscheidet. Selten sind objektive Fehlentscheide ergriffen worden. Die angesprochene Isolation (nur auf politischer, keineswegs auf ökonomischer Ebene! Zudem nur innereuropäisch vorhanden!) hat andere Gründe. Das kategorische, bisweilen sture "Nein" zur Europäischen Union ist ein Hauptgrund. Die ökonomische und politische Stabilität des Landes führte (verständlicherweise) gerade in den letzten Jahren zu argwöhnischen Tendenzen.

MfG

ich gebe gerne zu, dass es sich bei meinem statement auch vermutungen mitspielen (müssen).

ich teile ihre meinung, dass demokratie erlernt werden muss - egal wann. dass dazu politische partizipation nötig ist, erscheint banal.

nur: weswegen hat eben diese bürgerbeteiligung in österreich (volksabstimmungen) nie stattgefunden?

zweifelnd beobachte ich zudem zb. schweizerInnen, die sich das recht herausnehmen, eine nicht anfechtbare expertise über das aufenthaltungsrecht von menschen zu erstellen oder die rahmenbedingungen für religionsausübung zu definieren.

welche steuerungsmechanismen bewahren österreich davor, demokratie als diktatur der mehrheit über die minderheiten zu begreifen? auch ich halte das für die zentrale frage - und habe (wie sie) keine antwort.

zu ihrem letzten absatz:
hier sehe ich wenige schnittmengen zwischen ihrer argumentation und der meinen: ist (sozial-)politik von ökonomie trennbar und umgekehrt? ich glaube kaum. ob die tendenzen der schweiz zur isolation klug, weise oder weitsichtig waren, ist interpretationssache und auch die auswirkungen der anti-eu-haltung auf die schweizer märkte wird heftig diskutiert, wie sie wissen.

zusammengefasst: die mündigkeit der österreichischen bürgerInnen halte ich für wünschenswert aber zum teil illusorisch.

gerade in ö. werden komplexe sachverhalte (migration, um nur den populistischsten themenkreis erwähnt zu haben) massiv simplifiziert, radikalisiert und dadurch verfälscht. der sache selbst ist dadurch nicht gedient - einer parteipolitischen und eigennützigen dynamik sehr wohl.

mfg und ty.


Re: ich gebe gerne zu, dass es sich bei meinem statement auch vermutungen mitspielen (müssen).

Teil I

Sehr geerter Kollege.

Besten Dank für Ihre Erwiderung.

Sie enthält dermassen viel Diskussionswürdiges und Interessantes, dass ich an dieser Stelle nur rudimentär darauf eingehen kann.

1. Zu Absatz zwei Ihrer Erläuterungen:
Ich sehe dafür mehrere Gründe.
- Historie,
- Staatsphilosophie,
- Österreich ist zudem ein Staat "europäischen Zuschnitts", die CH muss hingegen vielmehr mit den USA verglichen werden.

2. Zu Absatz drei:
Sie sprechen wohl die sogenannte Minarettinitiative an. Generell muss doch festgehalten werden, dass ein demokratischer Staat selbstverständlich die Rahmenbedingungen für die Religionsausübung definieren muss, wer sonst? Ob die Zustimmung, bzw. Ablehnung zum Minarettbau dazu gehören sollte, ist sicherlich diskussionswürdig. Im Prinzip gilt in der CH die Schranke des zwingenden Völkerrechts. Diese wurde mit dieser Initiative als nicht tangiert qualifiziert. Über "höhere Hürden" der direktdemokratischen Mittel kann sicherlich diskutiert werden. Es ist für mich jedoch schon absurd, dass täglich Dutzende von Menschen aufgrund ihrer Religionsausübung regelrecht abgeschlachtet werden, wenn in der CH ein relativ unbedeutendes Türmchen verboten wird, schlägt dies jedoch ungeheuerliche Wellen.

3. Zu Absatz vier: Ich sehe diese Frage gelassen. Denn entweder entscheidet die Volksmehrheit oder andernfalls die parlamentarische, parteipolitische Mehrheit. Was ist Ihnen lieber? In der CH gibt es ein "Zwischendurch", eine - meines Erachtens - sinnvolle (...)

Re: Re: ich gebe gerne zu, dass es sich bei meinem statement auch vermutungen mitspielen (müssen).

Teil II

(...) Lösung. Sie hat zudem einen schönen Nebeneffekt: Die beiden Player konrollieren sich gegenseitig in einer Art zusätzlicher "Checks and Balances".

Letztlich herrscht in einer Demokratie immer eine Mehrheit über die Minderheit. Ob nun "Volk" oder "Volksvertreter" "am Dücker" ist. Es gilt insofern lediglich "Spielregeln" aufzustellen und Schranken der Macht festzulegen, damit ein minimaler Minderheitenschutz gewährleistet bleibt. Ich würde die CH in diesem Bereich im Übrigen durchaus als Weltmeister bezeichnen wollen, denn sonst hätte dieses pionierhafte Staatsgebilde aus vier Sprach- und Kulturgruppen in seiner modernen Form kaum 170 Jahre bestand gehabt.

4. Zu Abschnitt fünf:
Die politische Isolation innerhalb Europas wurde ja nicht selbstgewählt. Sie ist lediglich eine Folge der Abstinenz vom Gebilde EU und dem relativen Erfolg des schweizerischen Alleinganges. Er hat sich insofern bewährt, eine Abkehr davon drängt sich für die allermeisten Stimm- und Wahlbürger keineswegs auf.

Wie bereits erwähnt, kann von keiner ökonomischen Isolation gesprochen werden, nicht einmal innerhalb Europas. Anders wäre der Erfolg der schweizerischen Volkswirtschaft auch gar nicht zu bewerkstelligen gewesen. Es herrscht jedoch insoweit eine gewisse Unsicherheit, als dass nicht genau abgeschätzt werden kann, wie es mit dem sogenannten "bilateralen Weg" weiter geht. Die Ausrichtung auf zentrale asiatische Wachstumsmärkte ist längst erfolgt (Stichwort dazu: ...)

Re: Re: Re: ich gebe gerne zu, dass es sich bei meinem statement auch vermutungen mitspielen (müssen).

Teil III

(... Die CH wird als erstes westeuropäisches Land ein Freihandelsabkommen mit China unterzeichnen können), die Abhängigkeit vom europäischen Markt ist wesentlich kleiner als bei anderen westeuropäischen Volkswirtschaften (z. B. A).

5. Zu Abschnitt sechs:
Sehe ich nicht so pessimistisch.

Inwiefern "illusorisch" müssten Sie allenfalls präzisieren.

6. Zu Abschnitt sieben:
Als Schweizer kann man diese Aussagen natürlich nur sehr schwerlich nachvollziehen, vorausgesetzt man hält die Österreicher nicht generell für dümmer oder politisch uninteressierter. Ich tue dies keineswegs. Meiner Meinung nach sehen Sie dies zu negativ. Es liefe nicht alles von Anfang an rund, keine Frage. Durch eine kluge Ausgestaltung der "ersten Stunden" (siehe meine Bemerkungen oben) und eine Installation des Systems zu gegebener, optimaler - möglicherweise ruhigeren als die jetzige - Zeit, könnte man das Wagnis angehen. Möglicherweise zur Freude nachfolgender Generationen, für die eine unmittelbare politische Mitverantwortlichkeit nicht nur selbstverständlich, sondern auch nachhaltig und stabilisierend wirken könnte.

Meine Ausführungen haben sich nun doch (unerwarteterweise) in die Länge gezogen. Ich hoffe - falls Sie meine Zeilen lesen sollten - Ihre Zeit wurde nicht übermässig strapaziert ;-)

Mit den besten Wünschen für den Rest der Woche.

Eine neue Form der Volksbefragung

Mayer brach eine Lanze für die repräsentative Demokratie: Denn bei einer Volksabstimmung könne die Bevölkerung nur Ja oder Nein zu einem fixen Entwurf sagen – aber nicht einzelne Punkte ändern, die einen stören. Dieses Manko ließe sich mit gutem Willen der Parteien sehr leicht beheben. Der gesetzlichen Regelung einer Thematik kann eine Volksbefragung vorausgehen die zum Einem abfrägt ob überhaupt eine gesetzliche Regelung erwüscht ist und wenn ja 2 oder 3 mögliche Lösungen in den bestimmenden Grundzügen anbietet. Die Parteien müßten lediglich die entsprechenden Gesetze so ändern daß das Ergebnis einer Volksbefragung ebenfalls verbindlich ist. Bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht wollen die Koalitionsparteien das Ergebnis aus freien Stücken anerkennen, bei Staatsverträgen wollen die Parteien die Einschaltung des VFGH noch vor Ratifizierung des Vertrages ermöglichen. Eine Volksbefragung in dieser neuen Form sollte daher verwirklichbar sein.

Gast: Marsmensch
15.10.2012 16:26
0 0

ein nicht neuer Gedanke

Parteien wollen gewählt werden und entscheiden oftmals entgegen ihre Überzeugungen was eigentlich richtig wäre. Einer konkurrierenden Partei zustimmen ist überhaupt unmöglich selbst wenn diese einen guten Vorschlag gemacht hat.

Schweizer Volksbefragung VORBILDHAFT?

In der oberen Artikel wird die Schweizer Volksbefragung so behandelt, als ob dies vorbildhaft sei. Und trotzdem ist sie nicht. Die Menschen haben vorurteil über etwas neues, über andere Kulturen. Und die Schweizer haben per Volksbefragung Moscheen-Minaretten verboten und damit ein grundlegendes Menschenrecht der freien Religionsausübung missachtet! Die Mehrheit hat den Minderheit die freie Religionsausübung VERBOTEN!
Wenn nun auf der ganzen Welt das VERBOT der freien Religionsausübung der Minderheiten ANGEWENDET wird, wie schaut dann wohl die Welt aus? Wo bleibt dann der Vielfalt der Erde, wenn überall MONOKULTUREN entstehen? Selbst bei Monokultur-Wäldern sieht man, wie schwach und schadenanfällig Monokulturen nunmal sind. Ein weiteres typisches Beispiel sind die Riesenbanken, Riesen -Diskonter, Riesen-Euro. Alles ist bis nur bis zu einem Grad gut... Nicht umsonst hat der Allmächtige Gott die Vielfalt in seinen Geschöpfen erschaffen...

0 0

Re: Schweizer Volksbefragung VORBILDHAFT?

Wer sich an die Regeln, die die Mehrheit der ansässigen Bevölkerung für richtig hält, nicht halten will, braucht ja dorthin nicht einwandern bzw. kann das Land jederzeit ungehindert verlassen.

Re: Schweizer Volksbefragung VORBILDHAFT?

Abgesehen davon, dass Sie doch einige Punkte durcheinander bringen und zudem falsche Behauptungen artikulieren (Zitat: "Die Mehrheit hat den Minderheiten die freie Religionsausübung VERBOTEN!"), würde ich Ihnen eine ganz simple Frage stellen wollen:

Gesetztenfalls die direktdemokratischen Instrumente würden tatsächlich erhebliche Mängel aufweisen (und in der direkten Anwendung dieser ergeben sich wohl durchaus gewisse Unzulänglichkeiten), wie würden Sie denn die Endresultate parlamentarischer Systemformen einschätzen wollen? Sehen Sie diesbezüglich keine Defizite? Oder provokativer gefragt: Wie oft hat das schweizerische Stimmvolk eine Initiative gegen grundrechtliche Normen initiiert? Wie oft wurden hingegen Menschenrechte von Regierungsparteien und Parlamenten verletzt?

MfG

Antworten Gast: Gegen die Propaganda
15.10.2012 16:31
0 1

Re: Schweizer Volksbefragung VORBILDHAFT?


aber stimmt doch gar nicht! Niemand wird in der Schweiz eingesperrt oder verfolgt weil er einer anderen Religionsgemeinschaft angehört und seine Religion ausübt. Die schiachen Minarette wollen Sie halt nicht in ihrem schönen Land herumstehen haben. Das besorgen die blöden Österreicher für sie.


Gast: der ehemalige Student1
15.10.2012 14:34
2 2

meine Wahlrechtsreform

ungültige Stimmen sollten so gezählt werden, wie gültige Stimmen, die entsprechenden Sitze im Parlament aber leer bleiben. Trotzdem muss - je nach geplantem Beschluss - eine einfache oder 2/3-Mehrheit gefunden werden bzw. eine Regierung über 50% der Sitze bekommen. Das würde dafür sorgen, dass sich die Parteien wieder mehr bemühen, Wähler zu bekommen, anstatt sich über jeden Frustrierten zu freuen - da sie dessen Stimme nicht mehr brauchen!

Der Volkeswille würde repräsentiert werden. Momentan ist eine Wahl in etwa wie die Frage: "Wie viele Banken haben Sie schon überfallen: 2, 5, 10, 100"

Wenn man um die Arbeitsplätze oder Arbeitskraft der Parlamentarier fürchtet, kann man den Nationalrat auch virtuell vergrößern (auf z. B. 230 Sitze), damit bei erwarteten z. B. 20% ungültigen Stimmen möglichst alle vorhandenen Sitze ausgenutzt werden.

Wer regiert

bei einer direkten Demokratie?
Das Volk? Davon sind 90 % nicht in der Lage, politische Entscheidungen zu verstehen (und auch nicht willens dazu).
Wer also dann ?
Es regieren dann Initiatoren, die direkte Demokratieprozesse promoten. Das kann gut sein, aber genauso umgekehrt.

Re: Wer regiert

Warum denn so negativ? Das Recht geht vom Volk aus etc. etc. (siehe Art. 1 B-VG). Das eben tut es derzeit nicht (mehr), weil durch den nirgendwo verankerten, aber faktisch existenten Klubzwang kein Parlamentarier (oder sagen wir: fast keiner) seinen freien Willen bekundet (eben weil sie halt alle in ihrer wirtschaftlichen Existenz von der Partei abhängen, die sie auch auf die jeweiligen Listen setzt - oder auch nicht). Mit dem derzeitigen Zustand hat sich die repräsentative Demokratie aber selbst ad absurdum geführt. Ich behaupte, je mehr die Bevölkerung dazu gezwungen ist, im politischen Alltag selbst zu entscheiden, desto interessierter wird sie im Laufe der Zeit auch werden und damit auch verantwortungsbewusster (und dazu gehört auch, sich profund zu informieren und nicht nur Massenblätter zu konsumieren. Wenn Sie außerdem 90% der Bevölkerung pauschal den Willen und die Fähigkeit zur (annähernd objektiven) politischen Willensäußerung absprechen, dann, sorry wegen der Ausdrucksweise, halte ich das für präpotent.

"Learning by doing", je schneller desto besser.

Diese Reformverweigerer die uns hier noch länger das direkte Mitspracherecht streitig machen möchten, sollten sich mal ein bisschen anstrengen.

Sie können auch in der Schweiz einen "Schnellsiederkurs" belegen wenn Sie möchten.

Gute Konzepte und Reformen sowie objektive Aufklärung zur Problembewältigung werden das Um und Auf sein um die Bevölkerung zu überzeugen.

Wir brauchen eine Totalreform

Ganz im Sinne der bisherigen Kommentare und schon einige Male gefordert: Österreich muss meiner Meinung nach dringendst weg von dieser "repräsentativen" Operettendemokratie! Das könnte beispielsweise so aussehen, dass es zwar weiterhin ein Parlament gibt, aber die Abgeordneten (wie schon von anderen Kommentatoren vorgeschlagen) von den Bürgern ihres Wahlkreises, und nur von denen, direkt gewählt werden - und von diesen auch mit einem klaren Auftrag versehen werden! Dafür sollen sie aber auch ordentlich bezahlt werden, auch nach ihrem Ausscheiden, damit sie wirtschaftlich einigermaßen abgesichert und somit weniger erpressbar sind. Die Exekutive soll aus geeigneten und ebenfalls angemessen bezahlten Personen bestehen, die von einem unabhängigen Gremium nach transparenten Hearings auf Zeit bestellt werden. Daneben soll es aber unbedingt für bestimmte Materien zwingend Volksabstimmungen geben, wobei das Informationsprocedere sachlich und ebenfalls einheitlich geregelt sein soll. Denn, lieber Prof. Mayer: Man kann Fragestellungen auch anders formulieren als derzeit (man kann z.B. ganze Vorschläge zur Abstimmung vorlegen); es muss nicht zwanghaft alles so bleiben wie es ist, nur weil es derzeit noch in unserer ziemlich überalterten Verfassung steht. Letztlich sollten die Parteien in ihrer derzeitigen Struktur verschwinden, diese erbärmliche Performance würde in der Privatwirtschaft niemals toleriert werden. Für solche Leute den Begriff "Eliten" zu verwenden, ist kühn....

Re: Wir brauchen eine Totalreform

eben Volks-Lobbyisten.

Leider treffen Hr. Mayer und Fr. Weiser den Nagel auf den Kopf!

Und was Hrn. Pichler angeht: Der Durchschnittsösterreicher findet seine Informationen (leider) nicht in einer guten Zeitung, sondern in der Krone - mein Hintern wäre mir zu schade ihn mir mit dem Fetzen abzuwischen. Und leider schafft es auch mein Vater als Studierter (kein exotisches Zeug, sondern Mathematik, Physik und Chemie), daß er dieses Käseblatt wie ein Papagei nachplappert.

Gast: Kuya
15.10.2012 06:39
1 0

ein Problem ist die Kompetenz der Politiker

. . . Parteien sind Interessenvertreter, Apparatchiki und dürften nicht regieren, sondern sollten dem Bürger kompetente Fachleute für die Ressorts zur Wahl stellen.
Dies wär' mit einer Persönlichkeitswahl aus den Ressorts gegeben. Doch erst wär' die Verwaltung auf modernsten Standard und Management zu trimmen.

Mündige Bürger

Für eine direkte Demokratie braucht man aber auch fähige, sprich mündige, Bürger. Die Schweiz hat diese mündigen Bürger. Bei Österreich wage ich das sehr zu bezweifeln.

 
12