Es gibt gute Gutachter, aber wer "bekommt" sie?

16.12.2012 | 18:44 |   (Die Presse)

Fraglich ist, weshalb Matthias Rant, Präsident des Hauptverbands der Gerichtssachverständigen, den Eindruck vermittelt, der Autor habe die Gerichtssachverständigen ganz pauschal kritisiert.

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Wien. Wenn Matthias Rant, Präsident des Hauptverbands der Gerichtssachverständigen, in seiner Replik meint, der Autor schreibe die „unüberschaubare Zahl an offensichtlichen Gefälligkeitsgutachten“ bloß herbei, mutet dies zumindest weltfremd an. Schlicht falsch ist aber die Aussage, dass nur die vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachten von diesem zu würdigen sind. Vielmehr sind diese Gutachten Beweismittel wie jedes andere. Dass sich die Gerichte in der Praxis doch darauf verlassen, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass es viele „Gefälligkeitsgutachten“ gibt – was zu beweisen war.

Fraglich ist, weshalb Rant den Eindruck vermittelt, der Autor habe die Gerichtssachverständigen ganz pauschal kritisiert. Tatsächlich gibt es unter ihnen auch ausgezeichnete – nur, ob man diese im Fall des Falles auch „bekommt“, ist eben ein Glücksspiel. Zuletzt sei betont, dass der Autor keineswegs die Richter herabwürdigt: Festzustellen, dass Richtern die Würdigung widersprechender Gutachten mangels technischen Sachverstands kaum möglich ist, ist kein Herabwürdigen. Das ist vielmehr der Grund, weshalb es Gerichtssachverständige gibt! Vielleicht ist die Heftigkeit der Reaktion aber nur ein Reflex, weil die geschilderten Missstände häufig bemängelt werden. Hermann Wenusch

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2012)

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7 Kommentare

Tiefe Kriese

Man kann den Herren Wenusch und Knöbl nur beipflichten. Das Sachverständigenwesen ist in eine tiefe Kriese geschlittert, der SV-Beweis wird immer mehr zum Lotteriespiel, eine Überprüfung von Gerichtsgutachten ist praktisch nicht mehr möglich. Die Anwälte in Österreich kennen diesen Zustand. Es gibt kaum einen Bürger, der nicht direkt oder indirekt die Allmacht eines Sachverständigen am eigenen Leib verspürt hat. Das Problem liegt vor allem in der systematischen Kompetenzüberschreitung, einige wenige Sachverständige machen Universalgutachten, auch wenn die Fragestellungen des Gerichtes gar nicht in Ihr Fachgebiet fallen. Über die Reaktionen des Hauptverbandes und des Ministeriums braucht man sich nicht wundern, die seit Jahren gebetsmühlenartig ablaufenden Selbstbeweihräucherungen sind obligatorisch. Aber vielleicht liegt gerade darin auch eine Chance. Viele Systeme können erst nach einer tiefen Krise erneuert werden und darauf steuern wir rasch und unaufhaltsam zu.


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Re: Tiefe Kriese

Neben der Ignoranz des Hauptverbandes bei Fachgebietsüberschreitung durch einige wenige regelmäßig tätige Gutachter - wodurch der Verband seine eigenen Prinzipien konterkariert - ist der Charakter dieser SV Hauptursache für teilweise skandalöse Zustände. (Im Großen u Ganzen funktioniert Justitia gut!) Der SV selber hat nämlich unverzüglich zu prüfen, ob der Auftrag in sein Fachgebiet fällt und ohne die Hinzuziehung weiterer Sachverständiger erledigt werden kann; er darf sich de facto nach eigenem Ermessen für kompetent erklären. Wenn also das Kamel behauptet durchs Nadelöhr gehen zu können, ist man als Partei machtlos und eine Ablehnung wird scheitern.

Drunt im Burgenland ...

ist ein einziger SV (72-jährig) im Kfz-Bereich tätig. Justitia, wo bist du!

Hat der Hr. Dr. schon einmal ein Auto repariert? ??? er stellte in einem Verfahren protokolliert fest, daß er ja kein Kfz-Meister sei. Werkt aber immer noch als "Spezialist". Mittlerweile beginnt dessen Sohn am Geicht. Gibt es keine anderen SV im Burgenland? Kann man diese Tätigkeit "vererben"?

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Nepotismus pur!

Papa ist langjährig tätiger SV. Hat nie in einer KFZ-Werkstatt gearbeitet, hat keine Werkstatt, keine KFZ-Ausbildung. Sohn will KFZ-SV werden, braucht 5 Jahre Praxis in leitender Position. Papa bestätigt ihm diese. Fertig! So laufts zB in NÖ.

Gutachter korrupt?

Nun, rechnen wir einmal. 2010 gab es ca 20.000 sozialgerichtsverfahren. für jedes verfahren werden im schnitt 2 gutachten erstellt. pro ga kostet das 500€ (absichtlich viel zu nieder angesetzt).
das macht 20 mio für die gutachter(!). nun da kann man schon mal pva-freundlich sein um ein stück von diesem kuchen zu ergattern.
für mich ist das ein system, welches dringend nach den mafia- und korruptions§§ untersucht werden sollte!
es ist auch zu hinterfragen warum das justizministerium sich weigert, im sinne einer qualitätssicherung einmal eine statistische auswertung der anerkennungs- und ablehnungsquoten der einzelnen gerichte/richter/gutachter zu erstellen (!).
na? was da woll offensichtlich werden könnte?
ES GILT DIE UNSCHULDSVERMUTUNG.

in meinem fall hat ein gutachter nachweislich sein ga zugunsten der pva gefälscht. alle anzeigen bei der staatsanwaltschaft werden unter amtsmissbrauch niedergeschlagen und damit der vermutlich kriminelle gutachter gedeckt.
ES GILT DIE UNSCHULDSVERMUTUNG.

siehe 5 st 423/09p und alles folgende.....

pro lege
justizopfer

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Die überspannte Reaktion...

von Rant zeigt doch augenfälllig, dass hier ein Nerv getroffen wurde.

Es könnte helfen,

zumindest bei Massenverfahren wie bei Sozialgerichten, die Auswahl der Gutachter nicht dem einzelnen Richter zu überlassen, sondern diese nach einem objektiven Schlüssel, zB einer Art Rotationssystem den Fällen zuzuteilen.

Der Eindruck einer höflich gesagt einseitigen Gangart einzelner Richter/Innen samt "ihren" kongenialen SV könnte so vermieden werden.

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