Wien(aich). „Erzwingen lässt sich gar nichts. Auch mit Strategie lässt sich wenig planen.“ Strafverteidiger Ernst Schillhammer durchkreuzte vorige Woche mit seinem Eingangsstatement beim ersten Junganwältetag der Wiener Rechtsanwaltskammer das Konzept der Diskussion. Schließlich hieß das Thema „Strategie ist wichtig, aber welche ist richtig?“. Und doch lieferte die Debatte aufschlussreiche Informationen für junge Anwälte, die überlegen, wie es nach der Anwaltsprüfung weitergehen soll.
Wenn man eine Karriere als Strafverteidiger anstrebt, dann sei es etwa wichtig, sich „in den Strafgerichten rumzutreiben“, erklärte Schillhammer. Alleine, wenn man im dortigen Buffet Mittag isst, bringe das schon wertvolle Kontakte für die Karriere eines Strafverteidigers. Eine konkretere Strategie verfolgte in seinem Leben Markus Heidinger, Partner bei Wolf Theiss Rechtsanwälte. Er erklärte das Wachstum seiner Kanzlei: Im Jahr 1993 habe es sechs bis sieben Anwälte in der Kanzlei gegeben. Man habe „viele Tage“ miteinander verbracht, „um zu harmonisieren, was wir wollen“. Entschlossen habe man sich dann für eine internationale Ausrichtung, denn die Chancen dafür standen günstig: Die Ostöffnung hatte stattgefunden, Österreichs EU-Beitritt stand kurz bevor.
Johannes P. Willheim, Partner bei Willheim Müller Rechtsanwälte, betonte wiederum, dass es für alle Begabungen den richtigen Platz im Advokatengeschäft gebe. „Das Faszinierende am Anwaltsberuf ist, dass es kein einheitlicher Beruf ist“, sagte Willheim. Es gebe einen Platz für Personen, die ausschließlich akademisch arbeiten wollen, und einen, wo man sich als Anwalt im Gerichtssaal exponieren könne.
Nutzen des Bekanntheitsgrads
Und wie wichtig ist der Bekanntheitsgrad, inwieweit helfen Kontakte zu den Medien? Anwältin Barbara Auzinger – sie hat eine Kolumne in einer Boulevardzeitung – berichtete, dass es einen themenbezogenen „Response“ in ihrer Kanzlei auf ihre Kolumnen gebe. Allerdings müsse sie auch viel Zeit aufwenden, nur um Lesermails zu beantworten. „Und ob sich das insgesamt rechnet, weiß ich wieder nicht.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2009)

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