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Jusstudium: Nachhilfe von Harvard für Österreich

18.10.2009 | 19:59 |  MATTHIAS C. KETTEMANN (Die Presse)

Studiengebühren allein schaffen keine Exzellenz. Wichtig sind Spezialisierung, das Ernstnehmen von Studierenden und Aktivitäten außerhalb des Studienplans.

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CAMBRIDGE. Schon wieder Nummer eins? Dass das „Times Higher Education World University Ranking“ die Harvard University in Cambridge (Massachusetts) einmal mehr als die weltbeste Universität anführte, war in Cambridge weder dem Rektorat noch der Uni-Zeitung eine Meldung wert.

Auch unter den Studierenden der Harvard Law School war der Tenor eindeutig: „Boring.“ Von so viel Gelassenheit können Österreichs Universitäten nur träumen. Doch statt reflexhaft nach Studiengebühren zu rufen (ÖVP), sie abzulehnen (SPÖ), Ausgleichszahlungen zu fordern (ÖH, Grüne, Rektoren) oder „Exzellenzprogramme“ nach deutschem Vorbild einzumahnen (Uni-Wien-Rektor Winckler), sollten rot-weiß-rote Universitätspolitiker Lehren aus Harvards Erfolg ziehen.

Um es eingangs außer Streit zu stellen: Natürlich brauchen die heimischen Universitäten mehr Geld. Nur so können sie die Betreuungsverhältnisse verbessern, Wissenschaftler von zeitraubenden Verwaltungsaufgaben befreien und die Lehrverpflichtungen der Professoren kürzen (und damit Ressourcen für Forschung freimachen). An der Harvard Law School etwa unterrichten die meisten Professoren nur einen Kurs pro Semester (und schreiben dafür fleißig Bücher).

 

Bruch mit alten Strukturen nötig

Eine ausreichende finanzielle Ausstattung ist eine nötige, aber bei Weitem nicht die einzige Bedingung für wissenschaftliche Themenführerschaft. Auch ohne finanzielle Spritzen können die österreichischen Universitäten zentrale Bestandteile von Harvards Exzellenzcocktail übernehmen. Dies setzt allerdings eine neue Lern- und Lehrkultur und einen Bruch mit überkommenen Strukturen voraus.
Die Verschulung beenden: Die Harvard Law School hat mit diesem Studienjahr die Noten abgeschafft. Ein Durchfallen ist praktisch unmöglich, doch der soziale Druck (und die hohen Investitionen) motivieren zum Mitlernen. „Knock-out-Prüfungen“, die an Österreichs Rechtsfakultäten leidlich bekannt sind, stellen eine Vernichtung von Ressourcen dar.
Spezialisierung, Praxisnähe und Veränderung fördern: Die Harvard University hat viele Lehrbeauftragte, die nur einen Kurs aus ihrem Spezialgebiet halten. Das garantiert ein lebendiges und vielfältiges Kursangebot und stellt eine Verankerung der Lehre in der Praxis sicher. Professoren wird nahegelegt, ihr Kursangebot häufig zu verändern, um eine Verkrustung der Lehre zu verhindern.
Mehr Transparenz schaffen: Jeder Kurs an der Harvard Law School wird von den Studierenden evaluiert. Die Ergebnisse (wie auch die Prüfungsfragen der Vorsemester) sind online abrufbar. Das schafft Transparenz und fördert die Qualitätssicherung.
Aktivitäten außerhalb des Studienplans unterstützen: Die renommiertesten juristischen Fachzeitschriften Amerikas, darunter die Harvard Law Review, werden ausschließlich von Studierenden herausgegeben. Täglich finden mehrere Vorträge statt, die von den zahlreichen Klubs und Vereinigungen organisiert werden. Die Universität wird so zum Mittelpunkt des sozialen Lebens der Studierenden und bleibt nicht ausschließlich Ort des fachlichen Lernens.
Studierende als kritische Stimmen ernst nehmen: Zu den besten Harvard-Kursen gehören jene, in denen externe Wissenschaftler ihre aktuellen Forschungsvorhaben anhand von Thesenpapieren diskutieren. Im Vorfeld bereiten die Studierenden kritische Kommentare vor, deren Ausarbeitung das kritische Denken schärft und das wissenschaftliche Arbeiten demystifiziert.
Aus für Schrebergartenmentalität:An der Harvard Law School gibt es nur „law professors“. Das garantiert einen weiten Blick auf das ganze Recht, der nicht, wie oft in Österreich, an den arbiträr definierten „Fachgrenzen“ endet. Schließlich müssen auch Berührungsängste zu Methodologien und Erkenntnissen anderer Fachgebiete schleunigst abgebaut werden.
Keine Berieselung, sondern Diskussion: In zu vielen Vorlesungen wird in österreichischen Universitäten Grundlagenstoff unterrichtet, den sich Studierende selbstständig aneignen könnten. So bleibt das intellektuelle Potenzial der Lehrenden und der Lernenden unausgeschöpft. In Harvard hingegen wird die Kenntnis des geltenden Rechts vorausgesetzt. Die Kursstunden dienen dann dazu, Reflexionen über das Recht anzustellen und Konfliktflächen abzuschreiten. Das ist weit herausfordernder – für Professoren wie für Studierende, aber zugleich äußerst bereichernd.

 

Tom Cruise im Law-Kurs

Die wiederholte Kür zur weltbesten Universität lockte in Harvard wie beschrieben niemanden hinter dem Schreibtisch hervor. Groß war indes die Freude, als Harvard-Absolvent Barack Obama prophylaktisch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Das konnte nur Hollywood-Star Tom Cruise toppen. Der Schauspieler tauchte vorige Woche überraschend in einer Einheit des Entertainment-Law-Kurses auf, den sein Anwalt unterrichtet. Was Praxisnähe alles kann.

Mag. Matthias C. Kettemann,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Völkerrecht der
Universität Graz, absolviert 2009–2010 als Fulbright-Stipendiat einen Master of Laws an der
Harvard Law School.

AUF EINEN BLICK

An der Harvard Law School im amerikanischen Cambridge (Massachusetts) unterrichten die meisten Professoren nur einen Kurs pro Semester. Die Kurse sind aber keine „Berieselung“, sondern Lehrende und Studierende diskutieren miteinander. Die Kenntnis des Grundlagenstoffs wird vorausgesetzt. Die Harvard University bildet auch den Mittelpunkt des sozialen Lebens der Studierenden. Diese geben auch Fachzeitschriften heraus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2009)

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49 Kommentare
 
1 2
Gast: Markus M.
24.10.2009 02:15
0 2

Extrem schwacher Beitrag

Wie findet ein solcher Schüleraufsatz seinen Weg ins Rechtspanorama? Österreichs Massenuniversitäten sollen von Harvard lernen? Ja wie jetzt, nur noch wer mit Notenschnitt 1,0 maturiert, darf studieren, dafür dann aber auch mal abseits des rechtsdogmatischen Ödlands mit den Professoren den einen oder anderen belanglosen rechtssoziologischen Schwatz führen dürfen?

Matthias C. Kettemann, get a life!

Gast: arbeiter
23.10.2009 08:02
0 2

Es fehlt mir hier ein bisschen die kritische Distanz.

Disneyland-Begeisterung à la "Tom Cruise kam in die Vorlesung" und "Law Professors haben einen viel weiteren Blick auf das Recht" wirkt nicht besonders seriös.

Alles andere wurde eigentlich schon von Iudex Oeconomicus gesagt.

Gast: Gastname
22.10.2009 01:18
0 1

Überschrift

Sie meinen keine Starprofessoren, die nur mehr den Kontakt zur Realitaet halten indem sie junge Studentinnen verfuehren? Sie meinen keine Forschungsauftraege bei denen das Ergebnis bei Vergabe feststeht? Sie meinen keinerlei Studentenhierachie? Sie meinen keinen exzessiven Gebrauch von Worten, die kenerlei Bedeutung haben, weil die Entsprechung an der Uni gar nicht existiert? Ach, wie koennte man dann alle guten Leute effektiv verscheuchen, sodass man am Reimport der Ideen wieder verdienen kann, allein die Steuer dafuer bezahlt das halbe Parlament.

Gast: gast
22.10.2009 01:06
0 1

Princeton ist besser

Die sind wesentlich wählerischer bei der Auswahl ihrer LLMs als Harvard :-)

Antworten Gast: Matthias Kettemann
22.10.2009 10:06
1 0

Re: Princeton ist besser

Princeton hat keine Rechtsfakultät (vgl. zB http://en.wikipedia.org/wiki/Princeton_Law_School)

Antworten Antworten Gast: gast
22.10.2009 16:54
0 1

Re: Re: Princeton ist besser

Sie haben wohl meinen Smiley übersehen.

Dr. Voss
20.10.2009 15:11
2 0

Noch nie von Innen gesehen ...

... mir scheint fast, vielen Mia-san-mia-Nörgler haben noch nie eine angelsächsische Spitzenuni für längere Zeit von Innen gesehen. Dann würde man auch etwas wissen über:
- nahezu ideale Betreuungsverhältnis vs. Massenuni
- flache Hierarchien vs. Ordinariengehabe
- als Student ernst genommen zu werden vs. Nummer zu sein
- produktiven Wettbewerb vs. Neidallüren
- offenen interdiszpinären Austausch vs. Kleinkönigsreichverteidigung

und das gilt nicht nur für Harvard oder Cambridge, auch für Chicago, Ohio State, Indiana, Essex, Warwick, Exeter ...

anders wäre es auch nicht zu erklären, warum die Besten aus aller Welt trotz aller Gebühren dorthin pilgern


Bitte vor den Vorhang!

Mir wäre wohler, wenn die vielen Harvard-Absolventen, die sich hier mit klugen Kommentaren verewigen, vor den Vorhang träten und - wie Matthias Kettemann - ihren Namen offen legten.

Antworten Gast: Gast
21.10.2009 00:25
2 0

Re: Bitte vor den Vorhang!

Mir wäre wohler, wenn sich die feigen Zensoren von der Presse einmal outen würden.

Kritische Poster bringen etwas ein. Feige Zensoren zerstören nur.

Gast: Iudex oeconomicus
19.10.2009 18:07
0 2

Peinlich

Als Absolvent der Harvard Law School muss man sich für diesen Artikel beinahe schähmen. Dem Autor ist wohl zugute zu halten, dass er noch nicht einmal zwei Monate dort studiert und offensichtlich noch keine Zeit hatte, über die Unterschiede zu österreichischen Rechtsfakultäten zu reflektieren (nicht nur in Hinblick auf offensichtliche Unterschiede im Rechtssystem, sondern z.B. auch auf die komplett andere Form von Rechtswissenschaft in den USA und nicht zuletzt auf die völlig andere Funktion der Harvard Law School in der amerikanischen Gesellschaft im Vergleich zum Juridicum in Österreich).
Mit derartigem Halbwissen sollte man sich nicht anmaßen, einen solchen eher irreführenden Artikel in der Presse zu publizieren, den Juristen und Wissenschaftspolitiker in die falsche Kehle bekommen könnten.

Antworten Gast: Matthias Kettemann
19.10.2009 23:00
2 0

Re: Peinlich

Was ist an diesem Beitrag irrefuehrend? Ich zeige auf, welche interessanten didaktischen Ansaetze mir in den letzten Monaten aufgefallen sind. Dies sollte keine Analyse der unterschiedlichen Ausbildungssysteme werden, sondern lediglich ein Kommentar von auszen, anlaesslich aktueller Diskussionen.

Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 04:48
0 0

Re: Re: Peinlich (Teil 4)

10) „Studierende als kritische Stimmen:“ Finde ich auch sehr gut, ist aber eine Folge von Punkt (2). Erwähnen sollte man vielleicht auch, dass die Rechtswissenschaft in den USA nicht rechtsdogmatisch ist, sondern sich v.a. mit gesellschaftlichen Auswirkungen des Rechts befasst. Dazu können Studenten mit Bildungshintergrund auch in nichtjuristischen Gebieten eher beitragen.
11) Schrebergartenmentalitität: Hier besteht bei uns tatsächlich viel Nachholbedarf. In Österreich gilt ja schon als interdisziplinär, wenn ein Privatrechtler mit einem Öffentlich-Rechtler redet. Gute amerikanische Rechtswissenschaft ist eben meist rechtsökonomisch, rechtssoziologisch, poltitikwissenschftlich etc. beeinflusst. Leider nimmt der durchschnittliche LL.M.-Student davon so gut wie gar nichts mit.
12) Berieselung: Wer geht denn noch in solche Vorlesungen? Die kritische Reflexion fehlt aber in Österreich leider wirklich.

Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 04:45
0 0

Re: Re: Peinlich (Teil 3)

7) Nach dem ersten Studienjahr besteht an der HLS de iure kein Pflichtstudienplan mehr. Die freie Wahl erlaubt es den Professoren, Kurse in ihren engeren Forschungsgebieten zu unterrichten, während die Studenten Kurse auch aus Interesse auswählen können. Die in Österreich bestehende irreale Vorstellung, der Absolvent müsse das gesamte Rechtssystem beherrschen, wurde längst aufgegeben.
8) Der Inhalt der Kurse ist wohl letztlich auch durch Punkt (2) geprägt, da die Absolventen langfristig ja oft „policy makers“ werden und daher kritisch und interdisziplinär über das Recht nachdenken können sollen (und nicht bloß Rechts“techniker“).
9) Evaluation: Gibt es in Österreich auch, vielleicht nicht an allen Unis im gleichen Ausmaß.
10) „Studierende als kritische Stimmen:“ Finde ich auch sehr gut, ist aber eine Folge von Punkt (2). Erwähnen sollte man vielleicht auch, dass die Rechtswissenschaft in den USA nicht rechtsdogmatisch ist, sondern sich v.a. mit gesellschaftlichen Auswirkungen des Rechts befasst. Dazu können Studenten mit Bildungshintergrund auch in nichtjuristischen Gebieten eher beitragen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
22.10.2009 21:43
0 0

Re: Re: Re: Peinlich (Teil 3)

Sie wissen hoffentlich schon, wenn der fertige Student nicht gerade sich entscheidet in die Richterschaft oder Verwaltungssektor zu gehen, sondern z.b. als Rechtsanwalt zu arbeiten müssen sie a) alles im Beruf sofort können, b) auch wird bei der Rechtsanwaltsprüfung alles gefordert daher ist ein breites Wissen nicht schlecht.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
23.10.2009 04:54
0 0

Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 3)

Sie wissen aber hoffentlich auch, dass es oesterreichischen Jus-Absolventen gerade in manchen praxisrelevanten Bereichen wie Gesellschafts- oder Steuerrecht oft sogar am Grundverstaendnis fehlt.
Das der Juristenausbildung des Volljuristen zugrunde liegende Leitbild stammt aus der Zeit der grossen Kodifikationen und mag in einem ueberschaubaren, von aussen weitgehend angeschotteten Rechtssystem gepasst haben. In der heutigen Welt ist es aber von der Realitaet weit entfernt.
Waere es sinnvoller, sich im Studium in Bezug auf das "juristische Faktenwissen" auf das Wesentliche zu konzentrieren und die verbleibende Zeit dazu zu nutzen, Verstaendnis und kritisches Hinterfragen zu foerderen? Ich bin mir trotz allem aufgrund meines Punkt (2) nicht sicher, ob dies einer oesterreichischen Massenfakutaet angemessen waere. Das Vorhandensein der Rechtsanwaltspruefung spricht eher dagegen, dass bereits im Studium alles gemacht werden muss, vorher sind die armen Konzis ja noch in Ausbildung.
Harvard muss sich keine Sorgen machen, dass seine JD-Absolventen das bar exam bestehen, die sind intelligent genug. Fuer law schools im unteren Bereich des Ranking (die also in den USA mein "Proletariat" ausbilden) ist dies sehr wohl ein Kriterium, da sie ihre ABA-Akkreditierung riskieren, wenn der Prozentsatz zu gering ist.

Antworten Antworten Antworten Gast: Matthias Kettemann
22.10.2009 10:24
0 0

Re: Re: Re: Peinlich (Teil 3)

Ich finde Ihre Ausführungen sehr sinnvoll, möchte aber dennoch darauf hinweisen, dass mein Beitrag nicht als Systemanalyse bzw. -kritik gedacht war. Mein Ziel war es, auf knappem Raum einige Strategien aufzuzeigen, wie auch ohne (größere) finanzielle Mehrbelastung die juristische Ausbildung in Österreich gewinnen könnte.

Allen kritischen Geistern seien übrigens die Ausführungen des streitbaren Harvard-Professors Duncan Kennedy ans Herz gelegt. Er kritisierte schon in den frühen 80er-Jahren das Jus-Studium als der Reproduktion von Hierarchien dienend (siehe zB D. Kennedy, "Legal Education and the Reproduction of Hierarchy," 32 J. Legal Educ. 591-615 (Dec. 1982) - abrufbar unter http://bit.ly/1920hg. Siehe generell seine Homepage: http://duncankennedy.net/legal_education/essays.html)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
23.10.2009 02:58
0 0

Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 3)

Meine Antwort ist vielleicht etwas ausgeufert, allerdings war ist daran ganz wesentlich, dass die im Artikel gebrachten Punkte teilweise im Zusammenhang einer voellig anderen Juristenausbildung zu sehen sind (die wiederum in ein anderes, (noch) weniger egalitaeres Gesellschaftssystem eingebettet ist).

Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 04:43
0 0

Re: Re: Peinlich (Teil 2)

3) Geringere Lehrverpflichtung: Das ist auch m.E. ausgesprochen positiv zu sehen. In Österreich bestünde dann vielleicht die Gefahr, dass die Professoren noch mehr ins Gutachtensgeschäft abgleiten.
4) „Verschulung“: Gerade die amerikanischen Rechtsausbildung ist stark verschult. Es gibt praktisch immer Anwesenheitspflicht. Meines Erachtens ist dies durchaus positiv zu sehen. (Das Betrauungsverhältnis in Harvard im Vergleich zu anderen Top Law Schools eher schlecht. Deshalb wird Harvard trotz besserer Faculty auch kaum je Yale im Ranking überholen.)
5) Noten: Wenn ich mich nicht irre, wurde das Notensystem einfach von ABCDF auf High Pass –Pass – Low Pass – Fail umgestellt. Siehe zB http://www.law.harvard.edu/academics/cross-registration/non-hls-students.html Bitte ggf um aktuellere Information, falls ich irre.
Aufgrund von Punkt (2) ist es in Österreich schlicht und einfach notwendig zu selektieren. An schlechteren law schools in den USA (im Ranking vielleicht ca. ab 100) werden durchaus auch schlechte Noten vergeben und es gibt auch durchfallende Studenten. Die Harvard-Studenten sind so vorselektiert, dass dies nicht notwendig ist.
6) Spezialisierung externer Lehrbeauftragter: Gibt es in Österreich und sonstwo auch...

Antworten Antworten Antworten Gast: Matthias Kettemann
22.10.2009 10:11
0 0

Re: Re: Re: Peinlich (Teil 2)

Die Änderungen wurde bei den JDs wie auch bei den LL.M.s als "Abschaffung der Noten" angekündigt, mit der man mit Yale gleichziehen wollte. De facto werden, so ist zu hören, nur high pass und pass vergeben. Harvard-LL.M.s und JDs lernen aber nicht wegen der Noten (und Professoren disziplinieren nicht über Noten), sondern aufgrund einer intrinsischen Motivation. Auf diese hinzuweisen, ist mir ein Anliegen; dieses betäubte Potenzial in Österreichs Jus-Studierenden zu wecken, wäre sinnvoll.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
22.10.2009 10:33
0 0

Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 2)

War/Ist dieses Potenzial bei Ihnen betäubt?

In Österreich gilt: Erst die Pflicht, dann die Kür. Was bei den Diplomprüfungen gefragt wird, muss unbedingt gewusst werden.

Es gibt keine Einschränkung, ZUSÄTZLICHE Seminare und Wahlfächer zu machen. Dort sitzen auch genug Leute, die das Zeugnis nicht für den Abschluss "brauchen".

Obwohl es natürlich dem Zeitgeist entspricht, die eigenen Landsleute mit Wörtern wie "betäubt" zu belegen...

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
21.10.2009 12:44
0 0

Re: Re: Re: Peinlich (Teil 2)

Wenn das österreichische "akademische Proletariat" ein Auslandsstudium macht, dann müsste es aber doch wieder Prüfungen geben?

Die Österreicher sind ja nicht selektiert, sodass Prüfungen wieder notwendig sein müssten, oder?

Sonst müsste man ja zu dem Schluss kommen, dass der Harvard-2semester-Zusatzabschluss für Österreicher wertlos ist, weil sie als Unselektierte das Fehlen der Prüfungen ausgenutzt hätten.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 13:49
0 0

Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 2)

Sie missverstehen mich hier mehrfach.
Erstens sagte ich, dass österreichische Fakultäten AUCH das "akademische Proletariat" ausbilden, aber nicht NUR. Sie bilden alle aus, von der Elite bis hin zu denen, die eigentlich an einer Uni nichts verloren hätten.
Das "akademische Proletariat" macht anschließend auch kein LL.M.-Studium, und sicher nicht an einer Spitzenuni, die jährlich ca. 1-4 Österreicher aufnimmt. LL.M.-Studenten sind sehr wohl vorselektiert, wenn auch sicher nicht so stark wie die JDs.
Ob der LL.M. nutzlos ist, möge jeder für sich selbst beurteilen -- das kommt sicher auch vor.
Fehlen von Noten wie in Yale (anders als im Artikel behauptet gibt es die in Harvard nach wie vor), ist übrigens nicht mit dem Fehlen von Prüfungen gleichzusetzen.

Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 04:42
0 0

Re: Re: Peinlich (Teil 1)

Also gut, hier eine etwas konkretere Kritik.
Zunächst möchte ich mich für mein in der Wortwahl sicher überzogenes Posting entschuldigen – hier sind mit mir die Emotionen durchgegangen. Nach wie vor peinlich finde ich die Geschichte mit dem Ranking sowie die Showeinlage mit Tom Cruise. Mit manchen anderen Punkten stimme ich überein. Allerdings wäre es vor Abfassung eines solchen Artikels gut, sich die rechtsvergleichende Literatur zur Juristenausbildung anzusehen.
1) Ranking: Das “Times Higher Education World University Ranking” ist den HLS-Studenten mit Recht egal, kaum aber das Ranking der US Law Schools. Siehe http://grad-schools.usnews.rankingsandreviews.com/best-graduate-schools/top-law-schools/rankings
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2) Mein Hauptkritikpunkt ist, dass die Rolle der HLS und österreichischer Rechtsfakultäten eine völlig andere ist. Harvard-JDs sind eine Gruppe, die eine extrem starke Selektion auf mehreren Ebenen durchlaufen haben, bis sie überhaupt soweit gekommen sind (Erfolg in der High School; sehr gutes College, besten Emfpehlungschreiben, hohe Puntezahl auf dem LSAT...) Die HLS bildet eine Elite aus, was sich natürlich auch auf Lehrinhalte etc auswirkt. (Langfristig nimmt ein hoher Prozentsatz Führungspositionen in Recht, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ein). Demgegenüber bilden österreichische Fakultäten auch das akademische Proletariat aus, und das quantitativ unreguliert. Selektion findet erst während des Studiums statt.
...

Antworten Antworten Antworten Gast: Thomas Schenkeli
21.10.2009 12:39
0 0

Re: Re: Re: Peinlich (Teil 1)

Bei dem kurzen Ausflug zu Tom Cruise geht es ja nicht darum Hollywoodstars auch an Österreichische Rechtsfakultäten zu holen sondern es soll wieder gegeben werden was auf einer Elite-Uni wie Harvard Aufmerksamkeit erregt: Nicht das Nummer 1 Ranking das eh normal ist, sondern ein Hollywoodstar der mal kurz für eine Vorlesung vorbei schaut.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Iudex oeconomicus
21.10.2009 14:01
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Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 1)

Im Artikel wird Tom Cruise als Beispiel für "Praxisnähe" genannt -- das finde ich doch eher absurd.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Matthias Kettemann
22.10.2009 10:33
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Re: Re: Re: Re: Re: Peinlich (Teil 1)

Was ist daran peinlich (oder absurd), wenn ein Schauspieler in einer Kurseinheit zum Vertragsrecht von Schauspielern gemeinsam mit seinem Anwalt über Erfahrungen bei der Ausgestaltung von Verträgen berichtet? Wenn er zB über Verletzungen berichtet, die er sich bei Dreharbeiten zugezogen hat und Fragen aufwirft, wie diese Risiken in Verträgen reflektiert werden sollten. Das zeugt meines Erachtens sehr wohl von Praxisnähe. Ein Privatrechtler alter Schule, der theoretisch über dieses Thema reflektiert, würde wohl nicht so effektiv das Problembewusstsein der Studierenden schärfen.

 
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