Kunstfehler: Weniger Aufklärung für ängstliche Patienten

Eine Frau, die ihr Kind tot gebären musste, klagte ihren Arzt. Dabei wandte die Patientin ein, dass man sie wegen ihrer grundsätzlichen Sorge genauer hätte aufklären müssen als andere. Im Gegenteil, sagt das Höchstgericht.

Justizpalast, Wien
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Justizpalast, Wien
Justizpalast, Wien – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Weil ihr Kind tot zur Welt gekommen war, klagte ein Paar einen niedergelassenen Gynäkologen auf Schadenersatz. Die Frage, ob die Frau genügend über mögliche Komplikationen aufgeklärt wurde, beschäftigte dabei den Obersten Gerichtshof.
Der Facharzt wehrte sich gegen die Vorwürfe. Und tatsächlich wurde festgestellt, dass der Arzt statt der im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen drei Ultraschalluntersuchungen sieben Untersuchungen gemacht hatte. Zusätzlich wurden auch noch weitere Maßnahmen gesetzt (CTG-Kontrolle, Combined-Test mit Messung der Nackenfalte), die ebenfalls nicht im Mutter-Kind-Pass stehen.
Das Kind aber war verblutet, wegen einer Ruptur der Vasa praevia. Die Komplikation, die das Kind hatte, hätte nur gefunden werden können, wenn der Arzt eine ganz bestimmte, fokussierte Fahndung nach dem Problem vorgenommen hätte. Eine solche Untersuchung ist aber weder im Mutter-Kind-Pass noch im Rahmen eines Organscreenings vorgesehen. Ein derart tragischer Fall, wie er hier passierte, ist bei einem niedergelassenen Facharzt nur einmal in 125 Jahren zu erwarten.

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