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Steiniger Weg zu leichterem Zugang

11.04.2010 | 18:49 |  WOLGANG POZSOGAR (Die Presse)

Von Rechts wegen sollten Barrieren in Gebäuden weitgehend beseitigt sein. In der Praxis klappt dies nicht immer so, wie es sich der Gesetzgeber wohl vorgestellt hat.

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An sich sieht es in Österreich – von der Gesetzeslage her – mit barrierefreiem Bauen gar nicht so schlecht aus. Seit 2002 müssen Unternehmer Arbeitsplätze von Behinderten entsprechend deren Bedürfnissen ausstatten. Das Behindertengleichstellungsgesetz aus dem Jahr 2006 definiert sogar alle baulichen Barrieren wie Stufen oder zu geringe Türbreiten als Diskriminierung, die Schadenersatzforderungen nach sich ziehen können.

 

Regelung oft Kann-Bestimmung

Folgt man dem Gesetz, sollten Neubauten bereits heute barrierefrei errichtet werden. Altbauten müssten bis 2016 entsprechend umgestaltet werden – soweit es technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar ist. Allerdings fehlen mangels Kompetenz im Bundesgesetz konkrete Regelungen. Die Bauordnung ist in Österreich nach wie vor Landessache, und da finden sich zu barrierefreiem Bauen häufig Kann-Bestimmungen.

Maria Grundner von der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) erzählt, wie unbefriedigend es deshalb in der Praxis aussieht: „Finde ich eine bauliche Barriere vor, kann ich den Diskriminierenden auf Schadenersatz klagen, aber nicht auf Beseitigung.“ Helene Jarmer, die Behindertensprecherin der Grünen, kritisiert ebenfalls die derzeitige Situation: „Es ist alles andere als zufriedenstellend, dass der Bereich barrierefreies Bauen im Behindertengleichstellungsgesetz nicht enthalten ist.“ Sie fordert eine Gesetzesnovelle sowie verpflichtende Umbauten bei öffentlichen Gebäuden bis 2015 und Umbaupläne auf Länder- und Gemeindeebene.

Kritik am Status quo übt auch Bernhard Hruska, Planer und Experte für barrierefreies Bauen. Er meint, dass es in Österreich zwar hervorragende Normen für diesen Bereich gäbe, sie aber von Architekten und Baumeistern nicht immer richtig angewandt werden: „Die Norm lesen und wissen, was das in der Praxis bedeutet, ist für Architekten natürlich schwer, wenn sie nie die wirklichen Probleme mit Menschen mit Behinderung kennengelernt haben“, sagt er. Hruska meint, dass daraus resultierende Fehler oft beträchtliche zusätzliche Kosten verursachen. Den Aufwand für fachgerecht geplante Barrierefreiheit beziffert er „mit 0,15 bis 1,5 Prozent der Gesamtbaukosten, wobei meist der Aufzug bei ein- oder zweigeschoßigen Gebäuden den höchsten Anteil hat“.

 

Lob und Tadel

Aber es gibt nicht nur Kritik in Sachen barrierefreies Bauen. Michael Svoboda, Präsident der Organisation „Der Behindertenverband KOBV“, findet auch lobende Worte: „Bei der öffentlichen Hand sind sehr ambitionierte Projekte im Laufen, auch beim öffentlichen Verkehr wurden große Schritte gesetzt, Supermarktketten sind ebenfalls sehr gut unterwegs.“ Aufzuholen hätten vor allem die Gastronomie und Hotellerie sowie kleinere Gewerbebetriebe. „Natürlich ist es in diesem Bereich oft schwierig, Barrierefreiheit zu schaffen“, weiß Svoboda, „aber entsprechende bauliche Maßnahmen werden über das Bundessozialamt gefördert.“

Relativ engagiert in Sachen Barrierefreiheit ist die Stadt Wien unterwegs. Bereits mit einer Novelle der Wiener Bauordnung im Jahr 2004 wurden umfassende bauliche Bestimmungen für eine verbesserte Barrierefreiheit vorgeschrieben. Es gibt in der Bundeshauptstadt auch eine Reihe von Wohnprojekten, bei denen die Wohnungen und Wohnhausanlagen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus barrierefrei gestaltet wurden.

 

Nicht nur für Behinderte

Wobei Bauen in dieser Form – wie viele irrtümlich glauben – nicht nur Benutzern von Rollstühlen zugutekommt. Planer Bernhard Hruska schätzt, dass je nach baulicher Maßnahme zehn bis 25 Prozent aller Menschen von barrierefreiem Bauen profitieren: „Es entsteht eine wesentlich höhere Nutzungssicherheit, auch – etwa durch Gipsbein – temporär Behinderten, Kindern, älteren und gebrechlichen Personen wird dadurch das Leben leichter gemacht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2010)

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