Ostdeutsche gemobbt: 5.900 Euro Schmerzengeld

18.08.2011 | 15:42 |  Philipp Aichinger (DiePresse.com)

Eine Buchhalterin wurde von ihrem Kärntner Arbeitgeber beschimpft. Überdies wurde angedroht, dass man ihre Fehlleistungen im Internet veröffentlichen werde. Die Frau erkrankte und erhält nun Schadenersatz.

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Wer gemobbt wird und deswegen erkrankt, kann Schmerzengeld fordern. Das geht aus einer aktuellen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hervor.
Die betroffene Frau war in einer Kärntner Steuerberatungskanzlei als Buchhalterin angestellt.

Bereits im Vorstellungsgespräch hatte sie erklärt, dass sie keine Erfahrungen im Buchhaltungssektor in Österreich habe. Sie wurde eingeschult und arbeitete zunächst ohne große Probleme. Doch nach einigen Monaten wurde der Frau gesagt, sie arbeite zu langsam. Gleichzeitig wurde ihr so viel Arbeit zugeteilt, dass sie diese nicht mehr im Büro verrichten konnte, sondern nach Hause mitnehmen musste. Schließlich entschloss sich der Arbeitgeber die Frau zu kündigen. Während der Kündigungsfrist wurde dann aber immenser Druck auf die Frau ausgeübt. Ihr wurde gesagt, dass sie als „Ostdeutsche" nichts wert sei. Man dulde in diesem Betrieb auch keine „ostdeutschen" Methoden. Die Beschimpfungen wurden mehrfach und auch vor den Augen andere Mitarbeiter wiederholt.


In dieser Stresssituation traten bei der Frau körperliche Beschwerden wie Magenschleimhautentzündungen auf. Sie wurde von der Ärztin krank geschrieben. Der Arbeitgeber aber bezeichnete die Krankschreibung als Fälschung. Als die Frau nach dem Krankenstand wieder in die Arbeit kam, wurde sie angeschrien, ihre Arbeitsunterlagen auf den Boden geworfen und die Frau wurde erneut als „Ostdeutsche" beschimpft und unter Dauerbeobachtung gestellt. Bei der Frau traten wieder Durchfälle auf. Während des neuerlichen Krankenstands erhielt sie ein Schreiben vom Arbeitgeber: In diesem wurde ihr angedroht, dass man für eine Vorladung beim Amtsarzt sorgen werden, damit dieser ihre Fahrtüchtigkeit prüft. Überdies kenne man genug Leute am Wohnort der Arbeitnehmerin und man werde ihre Fehlleistungen auch im Internet veröffentlichen. Selbst strafrechtliche Anzeigen wurden der Frau angedroht.
Vor allem, dass ihre Fehlleistungen im Internet publiziert werden sollen, belastete die Frau schwer. Bei ihr waren Symptome von Mobbing, eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine Burn-Out-Symptomatik festgestellt worden. Insgesamt wurden bei der Frau drei Tage starke, zehn Tage mittelschwere und 30 Tage leichte Schmerzen diagnostiziert. Die Klägerin klagte nun mit Hilfe der Arbeiterkammer den Ex-Arbeitgeber. Sie forderte 9.570 Euro.

Das Landesgericht Klagenfurt gab der Frau Recht und errechnete ein Schmerzengeld von 5.900 Euro. Der Arbeitgeber habe durch das Mobbing seine Fürsorgepflicht verletzt. Die von der Frau dadurch erlittene Belastungsreaktion und Anpassungsstörung sei ausschließlich auf das rechtswidrige und schuldhafte Verhalten des Arbeitgebers zurückzuführen. Das Oberlandesgericht Graz bestätigte das Urteil. Es hielt fest, dass der Frau ein Schadenersatzanspruch wegen Körperverletzung zustehe. Auch der Oberste Gerichtshof (9 Ob A 132/10t) bestätigte das Urteil. Die Bemessung des Schmerzengelds für das Mobbingopfer sei korrekt erfolgt.

Detail am Rande: Über den Arbeitgeber wurde das Konkursverfahren eröffnet.

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10 Kommentare
Gast: brevius
22.08.2011 21:03
0 0

...ist anders

"Ostdeutsche" ist eigentlich keine Beschimpfung. "Kärntner" hingen sehr wohl. Nich einmal unsere geschätzten slowenischen Nachbarn würden diese Kasperln geschenkt nehmen...

Gast: biedermann.
20.08.2011 02:27
0 0

"ostdeutsche" ist doch keine beschimpfung


Antworten Gast: Nerndorfer
22.08.2011 12:39
0 0

Außer man läßt "ost"

weg...

Gast: Walter g
18.08.2011 17:07
0 4

Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.


Re: Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.

Da lallt er, der Walter.

Antworten Gast: S.g. Herr Walter!
19.08.2011 13:36
2 0

In einem Land, wo ...

... es der Traum jedes Arbeitenden Menschen ist, so schnell wie möglich in Frühpension zu gehen ...
... wie die "Drecksarbeit" wie Krankenbetreuung, Pflege, Bauarbeiten, Putzleistungen von (meist schwarz angestellten) Ausländern erledigen lassen, weil sich die Österreicher zu gut dafür sind ...
... man nach 15.30 kaum noch jemand an seinem Arbeitsplatz antrifft ...

... sollte man ganz schnell ganz still sein (und wieder zur Arbeit zurückkehren).

Antworten Gast: triple_
18.08.2011 22:13
0 0

Re: Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.

Mein Gott Walter!

Antworten Gast: Wutbürger
18.08.2011 18:11
3 0

Re: Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.

Prinzipiell richtig, doch Bürger der Pragmatisierungs- und Beamtenrepublik Österreich halten in diesem Punkt wohl besser GANZ SCHNELL den Mund, um nicht brüllend ausgelacht zu werden.

Von ganz Europa.

Antworten Gast: grummelbart2
18.08.2011 18:03
5 0

Re: Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.

Und Kärntner anscheinend weder den Anstand gegenüber den Arbeitnehmern und das Wirtschaften.

Genug verallgemeinert jetzt?

Antworten Antworten Gast: grummelbart'sEnde
22.08.2011 23:26
0 0

Re: Re: Viele Ostdeutsche haben das Arbeiten nicht erlernt.

@odu mei grummele! Wer sind Ihrer Meinung nach "Kärntner"? Genau so, wie Sie das hier (in aller Pseudo-Unschuld) machen, funktioniert doch das Mobbing! Denken Sie nach!

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