Gutachten: Genderspezifischer Mediziner-Test rechtswidrig

20.04.2012 | 14:39 |   (DiePresse.com)

Laut einem aktuellen Gutachten ist die genderspezifische Auswertung des Aufnahmetests für das Medizinstudium rechtswidrig. Die Med-Uni Wien will diese im Juli zum ersten Mal zur Anwendung bringen.

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Laut einem Gutachten des Juristen Joseph Marko von der Universität Graz ist die genderspezifische Auswertung des EMS-Tests rechtswidrig. Der Test ist Grundlage für die Zulassung zum Medizinstudium. Wie DiePresse.com berichtete, hatte die Uni Wien angekündigt, den Aufnahmetest mit einem adaptierten Bewertungsschlüssel durchzuführen und so eine nachteilige Bewertung von Frauen auszugleichen. Konkret sieht das neue Prozedere vor, aus den beim Test erzielten Punkten einen Mittelwert für Frauen und für Männer zu errechnen. Anhand dieses Mittelwerts sollen die Ergebnisse angepasst werden. Vereinfacht gesagt: Jene Gruppe, die im Schnitt schlechter ist, wird besser beurteilt.

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Das Gutachten, das von der ÖH der Med-Uni Wien in Auftrag gegeben wurde und der "Presse" vorliegt, besagt nun, dass diese Art der genderspezifischen Auswertung rechtlich nicht möglich sei. Denn: Marko kommt darin zu dem Schluss, dass die Regelung als "umgekehrte und und indirekte Diskriminierung" rechtswidrig sei.

Die ÖH der Medizin-Uni Wien fordert deshalb nun die Rücknahme der neuen Regelung und eine Rückkehr zur bisherigen Auswertung des EMS-Tests. Zudem möchte man künftig in die Entwicklung einer neuen Regelung eingebunden werden. "Frauenförderung ist für die ÖH Medizin Wien ein wesentliches Thema. Diese gehört weiter forciert, muss sich jedoch in rechtlich abgesichertem Rahmen bewegen und keine Diskriminierung von Männern darstellen", sagt Philipp Wimmer (ÖMU), von der ÖH der Med-Uni Wien zur "Presse". Das Problem der ungleichen Chancen für Männer und Frauen müsste indes schon in der Schule angegangen werden.

"Umgekehrte, indirekte Diskriminierung"

Die Begründung im Gutachten von Joseph Marko im Wortlaut: "Im Ergebnis ist daher festzuhalten, dass die gemäß § 10 Abs 1 ZulassungsVO der MUW vorgesehene „genderspezifische“ Ermittlung des Testwerts durch geschlechtergetrennte Standardisierungen und die darauf abgestimmte Rangfolge der Zulassung zugunsten von weiblichen Bewerberinnen zwar das verfassungs- wie europarechtlich legitime Ziel des Ausgleichs einer objektiven Benachteiligung verfolgt, aber im Sinne des auch vom österreichischen Verfassungsgerichtshofs angewendeten Prüfungsmaßtabes des Proportionalitätsprinzips und im Lichte der ständigen Rechtsprechung des EuGH nicht als „angemessen“ zu beurteilen ist und somit als umgekehrte, indirekte Diskriminierung rechtswidrig wäre.

Verfassungsjurist: "Rechtlich gangbarer Weg"

Verfassungsjurist Bern-Christian Funk hatte im Gespräch mit DiePresse.com Anfang März allerdings erklärt, dass er das Prozedere für einen "rechtlich gangbaren Weg" hält, zumal klar sei, dass Frauen in den vergangenen Jahren im Nachteil gewesen seien. Mehr noch: "Wenn eine undifferenzierte Gleichbehandlung aller im Ergebnis zu einer Diskriminierung führt, scheinen Strategien der Differenzierung rechtlich nicht nur zulässig, sondern sogar geboten".

In Anbetracht der unterschiedlichen Rechtsmeinungen bleibt nun abzuwarten, ob die Med-Uni Wien den EMS-Test Anfang Juli, nun tatsächlich nach dem neuen Modell durchführen wird.

 

(thea)

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190 Kommentare
 
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Seit Beginn des EMS - Ausleseverfahrens

Fordere ich dessen Abschaffung und die Einführung einer geeigneten Eignungspruefung fuer den Arztberuf, da das Studium der Humanmedizin die Ausbildung zum Arztberuf ist.

Gast: gustav_gast
24.04.2012 11:33
4 4

sry liebe damen

aber ein 1/4kg weniger gehirn im schnitt, macht anscheinend doch einen unterschied.

Antworten Gast: Frau
01.08.2012 15:41
1 1

Re: sry liebe damen

Haben Sie wirkloch geglaubt, wir lassen uns so leicht "provozieren"? Hihi, lieb.

Gast: gustav_gast
24.04.2012 11:29
3 2

sry liebe damen

aber 1/4 kg weniger hirn, macht sich eben doch bemerkbar..

Gast: Bombe 20
24.04.2012 02:14
2 1

Subversive Perversion...

Wie viele Bewerber machen diesen Test denn so jedes Jahr? Oder genauer: Wie viele Männer müßten aus Gaudi an diesem Test teilnehmen und absichtlich schlecht abschneiden, um die "geschlechtergerechte" Rechenweise ad absurdum zu führen?

B20

Gast: Na und?
23.04.2012 15:43
9 2

Eine alte Erfahrung:

Frauen rechnen damit, SPÄTESTENS mit 30 in die Karenz/ Ehe zu flüchten. Dementsprechend sieht die Berufswahl aus: Frisörin oder Bürokraft.

Lustigerweise funktioniert der Plan nicht: Die Männer sträuben sich, und die Mädels tun bis 25 so, als ob Kinder und Familie gar kein Thema wären. Nie und nimmer sind die mit 30 versorgt!

Irgendwann kommen die Damen drauf, sie hätten entweder einen anderen Beruf lernen oder sich früher binden sollen, Frust kommt hoch.

Mit 40-50 keifen die dann alle herum: Wir sind so arm, wir sind so benachteiligt!!!

So bleibt ein Drittel der Damenwelt solo und beruflich unzufrieden.

Gast: gerd85
23.04.2012 13:16
4 0

Diskriminierung überall...

Es ist wirklich schon wahnsinnig, was alles unternommen wird um die Frau in ihrer (mittlerweile bereits stärkeren Rolle!) noch mehr zu stärken.
1. Unterschiedliches Pensionsantrittsalter: Seit 1990 vom VfGH als verfassungswidrig aufgehoben hat man sich gerade erst vor kurzem durchgerungen, das Alter bis ins Jahre 2033 (unangemessen lange Frist!) anzupassen.
2. Bundesheer / Zivildienst: Warum sollte das eine Männerdomäne bleiben? Frauen sollten zumindest genau so für ein soziales (Halb-)Jahr _VERPFLICHTET_ werden um den Apparat zu erhalten. Gerade die Frauen heften sich ihre soziale Empathie und ihre Soft Skills so sehr auf die Fahnen - in diesem Gebiet könnten sie sich bestens damit austoben.
3. Bundesgleichbehandlungsgesetz (B-GBG): heißt inofiziell Frauenbevorzugungsgesetz, oder wie kommt es, dass in manchen Gerichtssprengeln von 12 ausgeschriebenen Planstellen derzeit 10 davon an Frauen vergeben werden?

Und jetzt kommt noch der EMS-Test "light" für Frauen, die es ohne lenkenden Maßnahmen anscheinend nicht auf die Kette bringen, zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Irgendwo und irgendwann muss es eine Grenze geben!

Versteht mich nicht falsch, ich finde es prinzipiell richtig eine Gleichstellung herbeizuführen, diese darf aber nicht zu Lasten des männlichen Geschlechts gehen (deshalb heißt es auch GLEICHSTELLUNG).

Gast: yoshi1
22.04.2012 23:40
5 0

"Wenn eine undifferenzierte Gleichbehandlung aller im Ergebnis zu einer Diskriminierung führt, scheinen Strategien der Differenzierung rechtlich nicht nur zulässig, sondern sogar geboten".

Oder anders formuliert: Wenn etwas ist was einem nicht ins Weltbild passt muss man es ändern. Das Etwas, nicht das Weltbild versteht sich. ;-)

Gast: balance
22.04.2012 17:01
1 0

Unterstütz auch du die Online-Petition gegen Diskriminierung!

http://www.oemu.at/petition

Gast: med man
22.04.2012 11:21
7 0

...

Es müssen ja auch nicht die Besten Medizin studieren. Genauso wenig wie die Fähigsten regieren sollten.

Bessere zu Gunsten einer gendergerechten Aufteilung vom Studium verhalten?
Wenn das der Weg zu optimaler Patientenbetreung und spitzenmedizinischer Forschung ist, dann muss man sich wirklich fragen: quo vadis felix austria

gott sei dank gibt es privatversicherungen und freie ärztewahl...

warum ändert man nicht einfach die Prüfungsfragen?

kommt mir sowieso konisch vor,.. was soll denn das für ne Prüfung sein, wenn das Geschlecht ausschlaggebend ist... wer schöner zeichnen kann, oder wie..

0 0

Re: warum ändert man nicht einfach die Prüfungsfragen?

Das wäre ja dasselbe. Die Fragen sollen Aussage treffen über die Eignung zum Medizinstudium. Und bei den Fragen betreffend räumlicher Vorstellung (für Chirurgie z.B. nicht ganz unwichtig) und ähnlichen Dingen schneiden die Frauen in Österreich schlechter ab. Witzigerweise nicht in D oder CH, angeblich.

Re: Re: warum ändert man nicht einfach die Prüfungsfragen?

vielleicht hätten die fragen zu einem Teil von Frauen entwickelt werden sollen?

Antworten Antworten Gast: Psychologie
22.04.2012 08:07
2 9

Re: Re: warum ändert man nicht einfach die Prüfungsfragen?

Das räumliche Denken ist nur eine von vielen Eigenschaften die wichtig sind. Aber nach kurzer Zeit kennen sich die weiblichen Chirurgen im Körper genau so gut aus, wie die männlichen. Da spielt die Begabung dann keine Rolle mehr.
Aber es gibt noch andere Qualitäten, z.B. das saubere, ordentliche Arbeiten. Da sind die Frauen eindeutig den Männern überlegen und dieser Unterschied ist Einstellungssache und bleibt meist ein Leben lang erhalten.
Ob eher männliche oder eher weibliche Kandidaten besser abschneiden, hängt davon ab, ob die medizinischen Fragen sich eher an den männlichen Vorlieben orientieren oder an den weiblichen. Mit Statistik kann man ganz gezielt und legal jedes Ergebnis produzieren, das einem in den Kram passt.

Gast: Lara567
21.04.2012 18:32
20 0

Beschämend für Frauen

Alle Maßnahmen, die Frauen bevorzugen, insbesondere die genderspezifische Auswertung des Tests, erzeugen in mir unglaubliche Wut: Für wie dumm halten Frauenpolitikerinnen uns Frauen eigentlich? Ich fühle mich gedemütigt, bevormundet, entwürdigt, verspottet und entmenscht durch die seit Jahren betriebene Frauenpolitik. Ich habe es satt, wie eine geistig Behinderte behandelt zu werden! Ich bin vor dem Gesetz den Männern gleich gestellt, und mehr brauche ich nicht. Wenn ich diskriminiert werde, weil ich Frau bin, dann möchte ich dagegen kämpfen können! Das macht mich frei und autonom – aber genau das wollen Frauenpolitikerinnen ja nicht.

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Re: Beschämend für Frauen

genau diesen standpunkt vertritt auch unisono mein gesamter weibl. bekanntenkreis; sämtl. legistische bevorzugungen, wie quotenregelung empfinden sie als diskriminierung und demütigung; die argumentation von prof. funk, wonach historische diskriminierung eine aktuelle rechtfertigen würde, kann ich nicht nachvollziehen, unrecht mit unrecht zu bekämpfen kann doch nicht rechtens sein, oder?

Antworten Gast: gastosus
21.04.2012 19:00
8 1

Re: Beschämend für Frauen

Meine (sehr erfolgreiche) Tochter würde das ganz genau so sehen. Aber leider scheinen die sogenannten Quotenfrauen und ihre Proponentinnen das Sagen zu haben, die allein wegen ihres weiblichen Geschlechtes bevorzugt werden wollen, ganz ohne Fähigkeitsnachweis.

Gast: Gastttt
21.04.2012 17:25
3 0

Und die Anwendung

eines zumindest in Österreich klar nach Geschlecht diskriminierenden Auswahlverfahrens ist also rechtlich erlaubt?

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Re: Und die Anwendung

Es ist auch der 100-m-Lauf erlaubt oder Gewichtheben, wo Frauen schlechter abschneiden.

10 1

Warum


dürfen Frauen überhaupt studieren ?

Re: Warum

Ganz einfach: damit die Männer endlich in die Küche verschwinden, wo sie hingehören ;)

Re: Re: Warum

Sie haben völlig recht! Die Männer sind nicht nur die besseren Ärzte, sie kochen auch besser!!

Wie viele Haubenköche gibt es und wie viele Haubenköchinnen? Aber vielleicht sollte bei der Restaurantbewertung auch eine "gendergerechte" positive Diskriminierung für Frauen eingeführt werden!

Re: Re: Re: Warum

Das stimmt doch überhaupt nicht.
Männer haben die besseren Seilschaften, aus Tradition.
Opus Dei, Kartellverband, Freimaurer, ÖVP, SPÖ etc,etc.

Aha und in diesen "Männerseilschaften" lernt man kochen !!

Und übrigens in SPÖ, ÖVP usw. kocht man nur die übelsten Suppen.......

Re: Re: Re: Warum

Das stimmt doch überhaupt nicht.
Männer haben die besseren Seilschaften, aus Tradition.
Opus Dei, Kartellverband, Freimaurer, ÖVP, SPÖ etc,etc.

Re: Re: Re: Warum

Also das kann ich leider nicht uneingeschränkt bestätigen ;).

Es gibt auch Männer, die ganz schlecht kochen können und leider habe ich das auch schon am eigenen Leib erlebt.

Haubenköche: ja, mag sein, dass Sie Recht haben. Das ist aber nicht wirklich wichtig für mich - es muss ja mir schmecken und nicht irgendwelchen selbsternannten Gourmets ;).

 
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