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Aufregung um Stelle an Uni Innsbruck

06.05.2012 | 18:25 |  PHILIPP AICHINGER (Die Presse)

Die Frage, ob rund um eine Berufung alles mit rechten Dingen zugeht, beschäftigt das Parlament und Minister Töchterle, der selbst Innsbrucker Rektor war.

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Hat ein Jurist in der Habilitation geschummelt, und wird dieser bei der Vergabe eines Lehrstuhls bevorzugt? Diese Fragen sind im Parlament ein Thema: Grün-Mandatar Kurt Grünewald hat kürzlich eine zweite parlamentarische Anfrage dazu an Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gestellt.

Im Mittelpunkt steht der Innsbrucker Europarechtler Walter Obwexer. Dieser ist ein anerkannter Experte, doch seine Habilitation sorgte für Aufregung. Denn sie bestand zu einem Drittel aus der eigenen Dissertation. Wenn man dies mache, ohne es offenzulegen, verletze das aber die „Grundsätze wissenschaftlicher Praxis“, erklärte dazu die österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität. Sie hatte den Fall im Vorjahr geprüft.

Die Habilitation Obwexers erfolgte 2008. Kurz darauf wurde eine Berufungskommission für einen Lehrstuhl in Europa- und Völkerrecht eingesetzt. Laut Grünewald erweckte diese aber den Anschein, auf Obwexer zugeschnitten zu sein: So wurde etwa als Vorsitzender der Diplomarbeits-, Dissertations-, und Habilitationsvater von Obwexer bestellt. Die Kommission, die Obwexer auf Platz eins reihte, kam zudem ohne externe Mitglieder aus. Und ein soeben bekannt gewordenes Gutachten des Linzer Strafrechtlers Alois Birklbauer für den Zentralausschuss der Universitätslehrer ortet einen „äußerst schalen Beigeschmack“. Es werde der „Anschein der Befangenheit“ von Kommissionsmitgliedern erweckt.

Birklbauers Gutachten beruht aber auf Unterlagen, die Peter Hilpold, Gegenbewerber zu Obwexer, vorgelegt hat. Und die Uni Innsbruck macht die „wiederholten Vorwürfe eines Mitbewerbers“ dafür verantwortlich, dass das Berufungsverfahren schon vier Jahre dauert. Man habe die Berufungskommission überprüft, es sei alles rechtens, sagt die Uni. Es gebe „keinerlei Zweifel an der Reputation des Erstgereihten“, der Rektor habe mit ihm bereits Berufungsverhandlungen aufgenommen. Bei der Habilitation habe Obwexer zwar einen Fehler gemacht, weil er die Eigenzitierung nicht erwähnte. Er habe das aber noch vor Ende des Habilitationsverfahrens und damit rechtzeitig korrigiert, hieß es gegenüber der „Presse“. Auch Obwexer selbst betont, dass er den aus Zeitdruck entstandenen „Mangel“ in seiner Habilitation rechtzeitig behoben habe.

Minister Töchterle war bis zum Vorjahr Uni-Rektor in Innsbruck. In der Antwort auf die erste Anfrage hatte er erklärt, dass ein Verstoß gegen die „gute wissenschaftliche Praxis“ keine „Erschleichung“ sei und das Habilitationsverfahren nicht neu aufgerollt werden müsse. Für Grünewald ist dies eine „unhaltbare Rechtsauffassung“, wie er in seiner aktuellen Anfrage darlegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2012)

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18 Kommentare
Gast: Salisburgo
14.08.2012 21:30
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zu meiner zeit ....

zu meiner zeit hat man noch geschwindelt, aber scheinbar muss ja jetzt alles in deutschem-deutsch geschrieben werden und nun schummelt man halt (am besten noch im januar)

Gast: drrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
13.05.2012 20:00
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Professoren

Die meisten haben keine Ahnung, was Wissenschaft ist. Es herrschen an allen Unis die "old boys networks" ... meist Parteiguenstlinge, die im Sinne von "Wissen ist Macht" agieren. Darum wird ja auch gerade an den Unis gemobbt, was das Zeug haelt.

Antworten Gast: Darby
13.09.2012 18:14
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Re: Professoren und Lehrer

An der Uni Innsbruck wird gern gemobbt, auch an der Phil.-Kulturwiss, Fakultät.

Antworten Gast: Starter
09.05.2012 10:40
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Re: Professoren

Man kann Prof. Gruenewald nur danken, dass er diesen Sachverhalt ans Licht gebracht hat. Vielleicht wird nun in Innsbruck Abhilfe geschaffen.

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Wieso Englisch?

Schau dir bitte mal seine Publikationsliste an und sag mir bitte bei welchem Text es einen Wissenschaftlichen Mehrwert gegeben hätte, wenn er den Text auf Englisch übersetzt hätte? Die Amtssprache in Österreich ist Deutsch, die EU hat Deutsch als (eine der) Amtssprachen, die Universität Innsbruck (auch Deutsch) bezahlt seine Arbeiten.
Nenne bitte einen Grund warum die Arbeiten Englisch sein sollten. Ich finde keinen Grund.

Antworten Gast: Engländer12
14.08.2012 23:35
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Re: Wieso Englisch?

Wieso? Das nennt man "Lingua Franca der Wissenschaft". Wissenschaftssprache ist Englisch. Punkt. Es ist faszinierend, wie in Österreich selbsternannte "Wissenschafter", allen voran Philosophen, Publizistik"studenten" und Politik"wissenschafter" Ausreden finden, um nicht oder nur sporadisch in dieser Sprache publizieren zu müssen. Ausnahmen gibt es sicherlich, keine Frage, wahrscheinlich in Richtung der reinen Sprachwissenschaften. Selbst dort kann aber ein wissenschaftlicher Sachverhalt und/oder erlangte Erkenntnis auf englisch publiziert werden. Wer nicht englisch publiziert ist wissenschaftlich nichts wert. Glauben Sie etwa, Sie hätten vor 500 Jahren nicht in Latein publizieren müssen? Wo leben Sie eigentlich?

Antworten Gast: Competence
08.05.2012 08:19
10 0

Re: Wieso Englisch?

Weil Englisch im internationalen Recht nun einmal d i e Wissenschaftssprache ist. Wer nicht auf Englisch publiziert, der ist nicht, den gibt es im betreffenden Wissenschaftsfeld nicht.

In Europa jemanden auf eine Stelle für internationales Recht zu berufen, der nicht auf Englisch publiziert, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit (außer die Universität will sich lächerlich machen).

Antworten Antworten Gast: Gast7743
08.05.2012 11:06
3 0

Re: Re: Wieso Englisch?

Die Aussage von pkhh, wonach die Arbeiten von Obwexer auch auf Englisch keinen wissenschaftlichen Mehrwert erbringen, lassen wir mal unkommentiert stehen.

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Re: Wieso Englisch?

Dieses Kommentar bezieht sich auf "Gast: Competence" re:plag.
Sorry, dass ich es falsch gepostet habe.

Gast: ra
07.05.2012 15:19
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plag

...bin ebenso der Ansicht von carullus, dass man Spitzfindigkeiten auch bei Weitem übertreiben kann. Jeder der Prof. Obwexer bereits einmal gehört hat, kann sich selbst von seiner Kompetenz überzeugen!!!
Für manche Politiker gibt es aber offenbar nicht etwas wichtigeres als diese Kindereien...
Gegenständlich handelt es sich keinesfalls um einen Plagiatsfall.

Antworten Gast: Competence
07.05.2012 16:01
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Re: plag

Es gibt Regeln, die jeder Student einhalten muss und die erst recht in Bezug auf Dozenten (und noch mehr bei Professoren) gelten.

Und was die Kompetenz anbelangt: Schauen Sie sich mal seine Publikationsliste an. Wie viele englischsprachige Publikationen hat Herr Obwexer? Bei einer Professur im internationalen Recht sollte man doch zumindest eine einzige haben, oder?

http://www.uibk.ac.at/europarecht/mitarbeiter/downloads/publikationsliste-09_2011.pdf

Gast: Beobachter987
06.05.2012 22:58
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Originell zu beobachten,

wenn es die Rechtswissenschafter mit dem Recht auch nicht immer so genau nehmen.

Aber eben menschlich. ;-)

Gast: Fact-Finder327
06.05.2012 19:28
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Mysteriöse Rechtsauffassungen

Kann man eine eingereichte, bereits begutachtete Habilitation ungestraft umschreiben, wenn man bereits des Verstoßes gegen die gute wissenschaftliche Praxis überführt worden ist?

Und denselben Gutachtern nochmals vorlegen (die eigentlich die weitgehende Identität von Dissertation und Habilitation selbst hätten erkennen müssen)?

Diese Rechtsauffassung der Universität Innsbruck dürfte wohl nicht haltbar sein.

Und tatsächlich hat die ÖAWI bereits geurteilt, dass Walter Obwexer einen Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis begangen hat.

Und der Diplomarbeits-, Dissertations- und Habilitationsvater war nicht befangen, als er den Vorsitz der Berufungskommission übernahm?

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Man kann ...

... die Spitzfindigkeiten auch übertreiben. Bei einem Plagiat geht es ja regelmäßig darum, dass eine fremde geistige Leistung für die eigene ausgegeben wird. Insofern erscheint es nachgeradezu denkunmöglich, sich selbst zu plagiieren. Der guten Ordnung halber sollte man das wohl erwähnen, aber das ist schon hart an der Grenze zur I-Tüpferl-Reiterei. Echte Plagiate schauen anders aus.

Antworten Antworten Gast: Equitas
07.05.2012 13:22
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Re: Man kann ...

Nicht jedes akademische Fehlverhalten ist ein Plagiat, aber es gibt Formen des Fehlverhaltens, die auch noch weit schwer wiegender sind als ein Plagiat. Eine solche Situation scheint mir hier gegeben zu sein.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Habilitand bekommt seine Arbeit nicht fertig und reicht einfach einen großen Teil seiner Dissertation erneut ein, gibt ihn als neue selbstständige Arbeit aus.

Hat man je von einem solchen Verhalten gehört?

Er rechtfertigt sich nun damit, dass er dieses "Eigenzitat" "übersehen" hätte.

Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so gravierend wäre...

Antworten Gast: abcdefg
06.05.2012 21:08
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Re: Mysteriöse Rechtsauffassungen

Doktorvater gibt es, Habilitationsvater gibt es nicht (Habilitation = eigenstaendige wissenschaftliche Taetigkeit).

Dass der Doktorvater und, wenn man so will, Mentor der Habilitation, Vorsitzender der Kommission ist, kommt vor und ist nichts Anruechiges. Erstens konstituiert sich die Kommission, bevor die Berufungen einlangen, andererseits haben alle fachlich kompetenten Personen an der Uni ziemlich sicher ein Naheverhaeltnis zu einzelnen Personen, von denen man eine Bewerbung erwarten kann. Man kann nicht nur Fachfremde in die Kommission setzen.

Ein professionell durchgefuehrtes Berufungsverfahren verzichtet jedoch nie auf unabhaengige & externe Mitglieder, und -- fast noch wichtiger -- auf unabhaengige, externe vergleichende Gutachten aller Bewerber.

Die gegenstaendliche Berufung scheint eine Hausberufung zu sein. Diese werden nicht gerne gesehen: sie sind unschoen wegen Gefahr der Befangenheit, unnoetig (warum jemanden berufen, den man sowieso schon im Haus hat?) und fuehrten oft genug nur zur Perpetuierung eingefahrener Geleise. Es ist ein Markenzeichen der Professionalitaet einer Universitaet, dass ueblicherweise Externe berufen werden.

Antworten Antworten Gast: ijklmno
07.05.2012 07:53
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Re: Re: Mysteriöse Rechtsauffassungen

Sie sagen es ja: Habilitation = eigenständige wissenschaftliche Tätigkeit

Wieso hat Obwexer dann über 100 Seiten aus seiner Dissertation wortwörtlich übernommen? Sowohl die Dissertation als auch die Habilitation sind bei Waldemar Hummer geschrieben worden. Dieser hätte die - sehr weitreichende - Identität beider Arbeit doch kennen müssen? Als Vorsitzender der Habilitationskommission... und dann noch als Vorsitzender der Berufungskommission....

Was sind das für Zustände in Innsbruck?