Ebay: Käufer muss Verkäufer bewerten - und zwar ehrlich

Wer seinen Vertragspartner auf Ebay falsch bewertet, kann geklagt werden.

Eine falsche Bewertung bedeutet für den Verkäufer einen wirtschaftlichen Schaden.
Schließen
Eine falsche Bewertung bedeutet für den Verkäufer einen wirtschaftlichen Schaden.
Eine falsche Bewertung bedeutet für den Verkäufer einen wirtschaftlichen Schaden. – (c) REUTERS (Beck Diefenbach)

Wien. Auf dem Online-Marktplatz Ebay bot ein Verkäufer unter seinem Verkäufernamen einen Musikverstärker folgendermaßen an: „Burmester 808 MK3 in Vollausstattung im Best-/Neu- Zustand, keine 100 Betriebsstunden“. In den Details hieß es, dass der Verstärker „in Originalverpackung“ geliefert werde. Ein Mann kaufte diesen Artikel um 7500 Euro und bekam ihn auch wenig später originalverpackt zugesandt. Trotzdem äußerte sich der Käufer in seiner Bewertung über den Verkäufer negativ: „Keine Originalverpackung, deshalb ist jeglicher Versand mehr als ein Risiko!!!“, schrieb er. Die Bewertung des Verkäufers sank daraufhin von 100 auf 97,1 Prozent.

Da sich der Verkäufer völlig ungerecht behandelt fühlte, forderte er den Käufer mehrfach auf, seine unrichtige Negativbewertung zurückzunehmen. Nachdem sich dieser standhaft weigerte, erhob der Verkäufer Klage am Amtsgericht München und stellte den Antrag auf Löschung der Bewertung. Der Käufer brachte vor Gericht vor, der Verstärker sei gegen seinen Willen versandt worden. Er habe dem Verkäufer mitgeteilt, den Verstärker selber abholen zu wollen oder eine Spedition damit zu beauftragen. Dennoch sei die Ware gegen seinen Willen versandt worden.

Das Gericht entschied jedoch, dass die Bewertung zu löschen sei. Der Käufer habe sich nämlich nicht an die Wahrheit gehalten. Denn einerseits war die Ware original verpackt, andererseits hatte sich der Käufer auch mit ihrem Versand ausdrücklich einverstanden erklärt. Er hatte sogar schriftlich um die Sendungsnummer des Pakets gebeten.

Darüber hinaus trifft den Käufer im Rahmen des über Ebay abgeschlossenen Kaufvertrags auch die Nebenverpflichtung, eine ehrliche Bewertung auf dem Auktionsportal abzugeben. Diese Bewertung habe für den Verkäufer hohen Stellenwert. Andere potenzielle Käufer würden sich nämlich ausschließlich anhand der Beurteilungen ein Bild über ihren Vertragspartner machen können, auf den sie ja sonst keinen Zugriff hätten. Sie stellten für sie – je nachdem – eine Empfehlung oder eine Warnung dar.

 

Bewertung ist entscheidend

Aber ist dem Verkäufer durch die Flunkerei des Beklagten ein wirtschaftlicher Schaden entstanden? Ja, betonte das Gericht. Gerade das Bewertungsprofil eines Ebay-Verkäufers trage ganz wesentlich dazu bei, ob und wie viele Käufer bei einer Versteigerung mitbieten und wie viel damit letztlich als Kaufpreis gezahlt wird. Wird dieses Profil durch eine negative Bewertung beeinflusst, ist darin selbst schon der Schaden zu sehen. Die Bewertung eines Verkäufers sei das Aushängeschild für sein Gewerbe. Negative Bewertungen führten jedoch dazu, dass ein Käufer vom ersten Eindruck abgeschreckt ist und einen Verkäufer mit besseren Bewertungen vorzieht. Übrigens: Mittlerweile hat der Verkäufer wieder 100 Prozent auf Ebay. (ag/hec)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Ebay: Käufer muss Verkäufer bewerten - und zwar ehrlich

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.