Fehlgriff der Woche

Fettweg-Spritzen sind nichts für Kosmetikerinnen

Eine Frau ließ sich von ihrer Kosmetikerin „Fettweg-Spritzen“ in ihre Oberschenkel injizieren. Vorweg hatte die Kosmetikerin sie darauf hingewiesen, dass sie solche Injektionen gar nicht verabreichen dürfe, weil sie keine Ärztin sei.

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Symbolbild. – (c) imago/Olaf Döring (imago stock&people)

Aber sie habe dies schon öfter – und zwar mit Erfolg – getan. Sie sagte ihrer Kundin auch, dass eine solche Behandlung zu Blaufärbungen und Schmerzen führen könne.

Was die Kosmetikerin verabsäumte zu erwähnen: Das nicht zugelassene Präparat kann auch Narben und Entzündungen verursachen. Hätte sie das gewusst, niemals hätte sie sich der Behandlung unterzogen, sagte die Kundin später – vor Gericht. Dort trafen sich die Frauen wieder, nachdem die Behandlung nicht nur entzündete Schwellungen, sondern sogar ein drei Zentimeter tiefes Loch im Schenkel verursacht hatte.


Doch damit nicht genug; auch Narben, Dellen und Verhärtungen blieben zurück. Kurzum: Die Frau litt sowohl an psychischen wie an physischen Schmerzen und klagte deshalb die Kosmetikerin auf Schadenersatz (Kosten für nachträgliche Korrekturen, Heilbehelfe und Verunstaltungsentschädigung) in der Höhe von insgesamt 41.540 Euro. Davon sprachen ihr die Gerichte jedoch nur zwei Drittel zu. Die Kundin träfe nämlich ein Mitverschulden an ihrer Misere. Zweifel an der Behandlung wären angebracht gewesen, urteilte der Oberste Gerichtshof (9Ob/49/17x). Eine Kosmetikerin ist eben keine Ärztin und für solche Eingriffe nicht ausgebildet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2017)

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