
Stephanie Lehner
“Jede dritte Frau in Nord-Kivu ist vergewaltigt worden - schätzen NGOs. Warum berichten westliche Medien nicht darüber?”
Jahrgang: 1989
Wohnort: Wien
Hobbies: Audio-Slideshows basteln, Lesen: intensiver Medienkonsum, Literatur, Biografien, Populärwissenschaft, aber auch Multimediareportagen; Kino; Reisen, Joggen
Aktuelles Studium: FHWien/Journalismus und Medienmanagement
Soundtrack für die Reise:
- Oi Va Voi
- Refugee
- Buraka Som Sistema
- Sound of Kuduro
- Lyric L
- Right off the Bat
Lesestoff für die Reise:
- Anne Nickel
- Vergewaltigung von Frauen im Sudan und im Kongo
- Albrecht Heise
- Der alltägliche Ausnahmezustand. Kongo im Chaos
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- Zum Abschalten vielleicht noch eine NEON...
3 Dinge für die Reise:
- Diktiergerät
- Kamera
- Glücksbringer
MOTIVATION
Jede dritte Frau in der Provinz Nord-Kivu ist vergewaltigt worden - schätzen NGOs. Warum berichten westliche Medien nicht darüber? 2003 war der Bürgerkrieg im Kongo offiziell beendet. Doch bis heute wird in Nord-Kivu, einer Provinz im Ostkongo, ein bewaffneter Konflikt zwischen den immer schwächer werdenden Regierungstruppen und den Rebellen ausgefochten. Beide Seiten wenden systematisch Gewalt an ihren Feinden an. Auf dem Rücken der 5 1/2 Millionen Einwohner. Und zwischen den Beinen der Mädchen und Frauen, oft vor den Augen der eigenen Familie. Sie erleiden bei den Gruppenvergewaltigungen schwere Verletzungen; werden mit HIV infiziert. Oft werden sie von ihren Familien verstoßen. Wenn sie überleben. Zehn Monate nach einer Militäroperation für den Frieden sind allein aus Dörfern in Nord-Kivu 300.000 Menschen auf der Flucht. Nicht mehr wegen der Kämpfe. Sondern aus Angst vor den genannten Menschenrechtsverletzungen, sagen Hilfsorganisationen vor Ort (etwa Oxfam). Und obwohl diese Oganisationen immer wieder darauf aufmerksam machen: In den westlichen Berichterstattung taucht die Region einfach kaum auf. Studien zeigen, dass Frauen in jeder Kultur mit Vergewaltigung anders umgehen. Im Kongo haben viele Frauen aufgehört zu sprechen. Andere aber reden über das Geschehene. Journalismus bedeutet, Öffentlichkeit für die herstellen, die es nicht aus eigener Kraft können. Die Frauen aus Nord-Kivu sollen dabei die Ersten sein.
REISEPLAN
Die meisten Hilfsorganisationen und die Provinzverwaltung operieren von Goma aus, der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu. In einem Umkreis von durchschnittlich 15 km befinden sich in Goma sechs Flüchtlingscamps, auch Displaced Persons Camps (IDP) genannt: Mugunga I, II und III; Buhimba, Kibati und CCLK. In Mugunga I etwa leben 28.000 Menschen. Wer es hierhin geschafft hat, schätzt sich glücklich. Andere verstecken sich im Wald. Die Stimmung in den Camps ist Ausgangspunkt der Reportage. Bei Internetrecherchen bin ich auf Fotos aus den Camps gestoßen. Viele leere Blicke waren zu sehen. Aber auch Bilder von Frauen, die in Mugunga I in Hütten aus Bananenblättern und Planen mit Kindern singen und klatschen. Zwei alte Frauen in Kibati, die miteinander scherzen, gehüllt in farbenprächtige Kleider. Ein unterernährtes Kind. Menschen, die auf die Essensausgabe warten. Sogar TV-Vorführungen für die Kinder und Friseureinrichtungen. Eine Hochzeit. Ein Massengrab für 3.000 Personen, unweit von Buhimba entfernt. In den Camps möchte ich die Geschichten der Menschen, besonders aber der Frauen einfangen. Aus jetziger Sicht wird es aus Sicherheitsgründen einfach nicht möglich sein, sich außerhalb von Goma aufzuhalten.


