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Der Feind meines Feindes ist mein bester Freund

21.02.2008 | 12:37 |  PETER BABUTZKY (DiePresse.com)

Ihr Appetit ist unersättlich. In einem kleinen länglichen Glasröhrchen windet sich die Broca da Cana (Diatraea saccharalis – Zuckerrohrbohrer)-Larve und frisst gierig ihre süße Umgebung aus braunem Zuckerbrei auf. Sie ahnt nicht, dass ihr nur ein kurzes Leben beschieden ist und ihr ein grausamer Tod bevorsteht. Nach wenigen Tagen ist die kleine Larve schon zu einer stattlichen Größe herangewachsen, von diesem Moment an beginnt ihr Leidensweg. In weiße Kittel gehüllte Damen injizieren in einem abgeschirmten Laborbereich der Broca da Cana-Larve die Eier ihres größten Feindes – die Cotesia Flavipes-Fliege.

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Sie nutzt die Broca-Larve als Nest für ihre Eier, die sie der Larve nach einem gezielten Stich in ihren Körper legt. Aus den winzigen Eiern der Cotesia Flavipes-Fliege schlüpfen nach wenigen Tagen kleine Fliegen-Larven, die sich an der Broca-Larve satt fressen und ihr somit ein grausames Ende bescheren.

Die Larve des Zuckerrohrbohrers ist der Hauptschädling von Saccharum officinarum (Zuckerrohr). Denn der blassgelbe Falter nutzt das Zuckerrohr als seinen Brutkasten und legt nach der Paarung zwischen fünf und 50 Eier in die Pflanze.

Hunger der Larve zerstört Ernte

Nach vier bis acht Tagen schlüpfen aus den Eiern kleine Larven, die vor allem eins haben -großen Appetit. Das ist das Todesurteil für die Zuckerrohrpflanze. Zuerst fallen die Larven die Blätter des Zuckerrohrs an, um sich anschließend durch den Zuckerohr-Stamm zu fressen. Nach knapp 40 Tagen ist die Larve endlich fett genug, um sich zu verpuppen und anschließend als Falter in das letzte Stadium ihres Lebenszyklus zu treten.

Die Zuckerrohrpflanze fällt dem Hunger der Larve zum Opfer. Da sie von der Larve von innen her ausgefressen wird, verliert sie an Stabilität und knickt einfach um. Sollte die Zuckerrohrpflanze dadurch noch nicht zu Fall gebracht worden sein, rafft sie dann meist die berüchtigte Rot-Schimmel-Krankheit dahin. Die Fresslöcher der Broca-Larve sind nämlich der ideale Platz für einen Pilz, der die Zuckerrohrpflanze rötlich verfärbt und die Pflanze langsam von innen verfaulen lässt.

(c) Thomas Seifert


Neben einem kleinen Rollfeld steht inmitten eines Zuckerohrfeldes ein weißes einstöckiges Gebäude auf dem Gelände des Ethanol- und Zuckerbetriebs Santa Adélia. Dort ist der Einsatz von Pestiziden nicht mehr nötig, denn im Firmeneigenen Laboratorium sind mehrere dutzend Frauen damit beschäftigt, die Cotesia Flavipes-Fliege zu züchten, um den Broca-Larven auf den Zuckerrohr-Feldern den Garaus zu machen. Die Fliegen werden in kleinen Plastikbechern gezüchtet. Vier dieser Behälter voller Fliegen können einen ganzen Hektar Zuckerrohr von den schädlichen Broca-Larven befreien.

Mehr als nur ein Feind

Doch damit ist nur einer der zwei großen Feinde erledigt. Der zweite Zuckerrohrschädling ist zwölf Millimeter groß, männlich, auffallend rot gefärbt und verspeist für sein Leben gern die Wurzeln von Zuckerrohrpflanzen. Der kleine Käfer hört auf den Namen Cigarrinha und kann 60 Prozent einer ganzen Zuckerrohrernte vernichten. In Santa Adélia bekämpft man das Insekt mit dem Pilz Metharizium Anisopliae. Er ist weder für Menschen noch für Tiere schädlich, dafür umso gefährlicher für den Cigarrinha-Käfer

Schimmelnder Reis

Im Labor von Santa Adélia kann man beobachten, wie sich der Pilz in einem durchsichtigen Plastiksäckchen voller Reis langsam ausbreitet. Zuerst ist der weiße Reis nur von wenigen blauen Schimmelflecken gezeichnet. Doch schon bald breitet sich der Metharizium Anisopliae Pilz über den ganzen Reis aus und verfärbt ihn unappetitlich blau. Mit einem kleinen Propellerflugzeug wird der Pilz schließlich über dem 25.000 Hektar großen Zuckerrohrareal von Santa Adélia verstreut. Der Pilz befällt den Cigarrinha-Käfer und erledigt in innerhalb von Tagen. Die Zuckerrohranbauer haben ein Problem weniger.

(c) Thomas Seifert

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Ein Hauptargument zahlreicher Umweltschutzorganisationen gegen den großflächigen Anbau von Zuckerrohr war immer der hohe Einsatz von chemischen Pestiziden. Unter einem zu hohen Einsatz von Pestiziden leidet die Tier- und Pflanzenwelt. Aber auch das Grundwasser einer ganzen Region kann durch die giftigen Insektenvernichtungsmittel kontaminiert werden. Mit der Bekämpfung der Schädlinge durch ihre natürlichen Feinde werden chemische Pestizide überflüssig und trotzdem verzichtet man auf vielen Plantagen immer noch nicht auf Pestizide und erledigt die Feinde des Zuckerohrs auf die alte umweltfeindliche Weise - durch einen hohen Gebrauch von Gift.

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2 Kommentare
Gast: Nasenbär
27.02.2008 14:01
0 0

es riecht besser als in Wien


Gast: ronaldo
22.02.2008 13:32
0 0

arger job

den ganzen tag mit larven und fliegen herumhantieren... wie riecht's dort eigentlich?

Über die Reise

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