Im Zentrum des Terminal Exportador de Álcool de Santos (TEAS), dem einzigen Exportterminal für Ethanol in ganz Brasilien, senkt sich ein breites Auffangbecken in den Boden. Es wirkt wie ein großes Schwimmbecken ohne Wasser. Sollte einer der großen Ethanoltanks Leck schlagen, könnte das austretende Ethanol in diesem Sammelbecken aufgefangen werden.
Für diesen schlimmsten aller Fälle rücken jeden Mittwoch alle Arbeiter am Auffangbecken zur Katastrophen-Übung aus, damit im Notfall rasch gehandelt werden kann. „Die Stadt Santos leidet unter einer sehr starken Luftverschmutzung, daher sind die brasilianischen Umweltauflagen sehr streng. Alle paar Wochen tauchen Kontrolleure vom Umweltamt auf und kontrollieren unsere Arbeit. Manchmal sind sie fast schon zu genau", schildert Paulo Eduardo Negraes, leitender Direktor des Terminals.
Obwohl der Terminal ein funktionierendes Schienennetz hat, kann dieses für das Ethanol nicht verwendet werden. „Das gesamte Ethanol wird per LKW zum Terminal geliefert. Wir haben einige Logistikprobleme, da die Region um Santos sehr gebirgig ist. Eine Eisenbahn würde ein Vermögen kosten, außerdem sind die großen Anbaugebiete nur 500 Kilometer von hier entfernt, daher lohnt sich ein Schienennetz einfach noch nicht", erklärt Negraes.
Überall aus den umliegenden Regionen steuern große Tank-Laster die Hafenstadt Santos an. Von São Paulo aus durchqueren die Trucks ein Naturschutzreservat des Atlantischen Urwaldes, das sich über weite langgezogene Bergkuppen in einem unendlichen Grün ausdehnt. Die LKWs donnern hier über die Autobahn Imigrantes. Sie ist nach den zahllosen Menschen benannt, die nach Brasilien immigrierten, wo sie als erstes im Hafen von Santos landeten und über den heutigen Autobahnweg nach São Paulo strömten.
Von Santos aus, wo tausende Menschen ankamen, will Brasilien nun sein Bioethanol in alle Welt verschiffen und den Erfolg des Biosprits im eigenen Land auch in andere Staaten exportieren. „Wir stehen erst am Anfang", betont Paulo Eduardo Negraes. Noch ist der Ethanol-Terminal ein verschlafener Platz. Lediglich hundert Menschen arbeiten auf dem Terminal Exportador de Álcool de Santos. Neben dem Ethanol werden auf diesem Terminal auch noch Pflanzenöle und chemische Produkte exportiert. Für die Zukunft setzt man hier aber vor allem auf den grünen Kraftstoff Bioethanol.
„Im April 2008 beginnt der Ausbau unseres Terminals, der im Juni 2009 abgeschlossen sein sollte. Ab dann haben wir zehn Tanks nur für Ethanol, in die insgesamt 64.000 Kubikmeter Ethanol hineinpassen werden", sagt Negraes. Momentan wird Ethanol vor allem in die USA (60 Prozent) und in die Europäische Union (40 Prozent) geliefert. Allerdings in noch eher bescheidenen Mengen, das sollte sich nach Meinung von Paulo Negraes möglichst rasch ändern.
Ein ausländischer Investor ist zumindest schon am Terminal beteiligt. Neben dem größten Ethanol-Konzern von Brasilien, Cosan, und zwei anderen brasilianischen Unternehmen, ist auch der amerikanische Lebensmittelkonzern Cargill mit 20 Prozent am Ethanolterminal beteiligt. Erst vor kurzem kaufte das Unternehmen ein Zuckerrohranbaugebiet in Brasilien auf. Im mittelamerikanischen El Slavador betreibt das Unternehmen schon seit längerem eine Ethanol-Fabrik.
Brasilien könnte in den kommenden Jahren einen Ansturm von Investoren aus aller Welt erleben. Denn „es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es Cargilll nur bei einer Ethanolanlage in Brasilien belassen will", vermutet Negraes.


Das Finale: Fünf Kandidaten, vier Juroen, eine Siegerin.
Peter Babutzky ging bei Reporter08 als Sieger aus rund 250 Bewerbern hervor. Der Vorarlberger ist 21 Jahre alt und studiert Journalismus an der FH Wien.
Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
