Autofahren in Brasilien - unsere ultimative Horror-Show
27.02.2008 | 10:37 | PETER BABUTZKY (DiePresse.com)
Links und rechts zischen die Mopeds an unserem kleinen silbrigen Chevrolet Celta vorbei. Was in Wien die Fahrradkuriere sind, sind hier in Brasilien die Express-Mopedfahrer. Ob Fast Food oder wichtige Papiere ¿ die Moped-Kuriere liefern alles und riskieren dabei oftmals Kopf und Kragen. Der Wiener Gürtel ist zu den allabendlichen Stoßzeiten nur eine kleine Seitenstraße im Vergleich zum Verkehrschaos in São Paulo, der dritt-größten Stadt der Welt. Besonders ohne Stadtplan und ohne Orientierung verkommt so eine Autofahrt recht schnell ¿ wie Thomas Seifert sagen würde ¿ zur ultimativen Horror-Show.
Autofahren in Brasilien kostet manchmal ganz schön Nerven. Wir wollen vom VW-Werk in São Bernardo ins 350 Kilometer entfernte Ribeirão Preto – die brasilianische Hauptstadt des Agro-Business. Auch wenn die Autobahnen im Bundesstaat São Paulo in einem ausgezeichneten Zustand sind und ohne Probleme mit der österreichischen Westautobahn konkurrieren könnten, ist der Weg durch die 18-Millionen Stadt São Paulo eine große Herausforderung. Während man uns bei VW noch vorgeschwärmt hat, dass der deutsche Autokonzern im letzten Jahr einen neuen Verkaufsrekord in Brasilien erzielen konnte, erleben wir auf den Straßen die grausame Kehrseite des brasilianischen Auto-Booms.
Taxis, Busse, Laster, Mopeds – alles drunter und drüber und wir mitten drin. Vom südlichen Ende São Paulos bis zum Norden auf die Autobahn Richtung Ribeirão Preto brauchen wir eine gute Stunde. Dazwischen sind wir dreimal in die verkehrte Richtung gefahren, viermal falsch abgebogen, zweimal haben wir fast einen Auffahrunfall provoziert und einmal ist uns beinahe das Benzin - eigentlich der Alkohol - ausgegangen. Das brasilianische Einbahnsystem macht uns schwer zu schaffen, denn sobald man einmal in die falsche Richtung fährt, ist es beinahe unmöglich wieder auf die richtige Fahrbahn zu kommen.
Trotz allem erreichen wir nach etwa vier Stunden endlich Ribeirão Preto, wo die großen Profite im Ethanol-Geschäft gemacht werden. Die Stadt ist umringt von weiten endlos grünen Zuckerrohrfeldern. In den Gründerjahren der Stadt wurde das große Geld noch mit Kaffeeanbau gemacht, bis das Zuckerrohr endgültig zur alles dominierenden Nutzpflanze aufgestiegen ist. Im Zentrum von Ribeirão Preto liegt ein schöner langer Park, mit rotem Sandboden, alten knorrigen Bäumen und exotische Palmen. Hier ist mit Ethanol und Zucker der Wohlstand eingekehrt, die Region trägt den Beinamen „Kalifornien von Brasilien.“
Am Abend sind wir auf der Suche nach einer gemütlichen Bar. Vor einem kleinen unscheinbaren Gebäude steht am Gehsteig eine große Ansammlung von Menschen, sie warten alle auf den Einlass in einen der bekanntesten Clubs der Stadt. Aus dem niedrigen Gebäude wummert der Bass einer House-Nummer auf die Straße. Blondierte überschminkte Mädchen ziehen ungeduldig an ihren Zigaretten, weiße Männer in Polo-Hemden warten betont lässig auf den Einlass. Hier haben die Neureichen von Ribeirão Preto einen Vergnügungstempel errichtet und ihn nach ihrem Gott benannt: Auf dem blauen Neon-Licht Schild über dem Eingang steht groß der Name des Clubs – „Zucker“.

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Das Finale: Fünf Kandidaten, vier Juroen, eine Siegerin.
Peter Babutzky ging bei Reporter08 als Sieger aus rund 250 Bewerbern hervor. Der Vorarlberger ist 21 Jahre alt und studiert Journalismus an der FH Wien.
Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
