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Vom Feld in den Tank

01.03.2008 | 19:21 |   (DiePresse.com)

Der metallene Greifarm kippt die orange Ladebox des LKWs wie bei einem Spielzeuglaster um. Über 25 Tonnen Zuckerrohr fallen in ein 35 Grad warmes Wasserbad und werden dort erst mal ordentlich gewaschen. Hier wird das von der Brandrodung verkohlte Zuckerrohr von Asche und Schmutz gesäubert. Es ist der erste Schritt, wie aus der unscheinbaren Zuckerrohrpflanze Treibstoff für die brasilianischen Autos wird.

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Eine Kolonne von Trucks wartet vor der im Besitz der Grupo Carlos Lyra stehende Raffinerie Caeté in São Miguel dos Campos. Die Laster ziehen zwei Anhänger, die zusammen genau 30 Meter lang sind. Sie sind bis obenhin angefüllt mit langen Zuckerrohrstangen. Viele dieser LKWs kommen von kleineren Zuckerrohrplantagen, deren Besitzer keine Ethanol-Raffinerie betreiben. Von jedem LKW wird eine Probe entnommen, die im hauseigenen Labor untersucht wird. Ist die Probe in Ordnung geht die Reise der Zuckerrohrpflanze weiter zum Wasserbad.

Frisch gebadet geht es der Pflanze allerdings an den Kragen. Nach der Fahrt durch sechs Pressen ist vom langen festen Zuckerrohrstamm nicht mehr viel übrig. Die erste Presse drückt die Pflanze platt. Dann wird sie geschnitten, grob zerkleinert, fein zerkleinert und das endgültige Ende findet die Pflanze im „Moenda" - dem Entsafter. Dort wird dem Zuckerrohr sein süßer Saft ausgepresst, der anschießend in einen großen Tank strömt. Das restliche Zuckerrohr - der Bagaço - wird getrocknet und in einem gigantischen Ofen verheizt, daraus erzeugt die Raffinerie Strom.

Der Zuckerrohrsaft und ein Nebenprodukt der Zuckererzeugung (der so genannte „Honig") kommen anschließend in einen gemeinsamen Tank - das süßlich riechende Gebräu wird in der Fachsprache „Mosto" genannt. Die karamellfarbige Flüssigkeit wird in einen Tank geschüttet, der zu einem Drittel mit Hefe gefüllt ist. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Hefepilz den Zucker im „Mosto" zu Alkohol und Kohlendioxid abzubauen - der Gärungsprozess hat begonnen.

(c) Thomas Seifert Raffinerie Caeté der Grupo Carlos lyra

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Nach dem Gärungsprozess wird „Mosto" durch eine Zentrifuge geschossen, die die festen Hefe-Bestandteile von der Flüssigkeit trennt. Die Hefe kann für die nächste Gärung wieder verwendet werden, das CO2 wird gesäubert und an die Luft abgegeben oder wie in anderen Raffinerien zu Getränke-CO2 verarbeitet, das Cola oder Mineralwasser zum Sprudeln bringt. Die vergorene Mischung aus „Honig" und Zuckerrohrsaft nennen die Ethanol-Spezialisten schlicht „Wein", obwohl die bräunlich gelbe Flüssigkeit nur wenig mit einem edlen Tropfen gemein hat.

Der „Wein" hat mittlerweile einen Alkoholanteil von sieben bis zehn Prozent erreicht - bis zum fertigen Ethanol fehlt noch ein ganzes Stück, denn um einen Motor mit Alkohol anzutreiben, muss der Alkoholgehalt bei mindestens 97 Prozent liegen. Bei der Beimischung von Alkohol zu Benzin muss der Alkoholgehalt gar 99,9 Prozent betragen.

Dazu wird der „Wein" durch die Brennerei geschickt. In einem etwa 30 Meter hohen Destillierturm der Raffinerie Caeté wird der Alkohol von der restlichen Flüssigkeit getrennt. Das erste Destillat weist allerdings immer noch einen Alkoholgehalt von lediglich 40 Prozent auf. Erst nach dreimaligem Destillieren erreicht das Ethanol den gewünschten Alkoholgehalt von 98,6 Prozent. Um den 99,9 prozentigen Alkohol zu gewinnen, muss das Ganze sogar ein viertes Mal in einem speziellen Brennereiturm destilliert werden.

Insgesamt stellt die Raffinerie Caeté 15.000 Liter Ethanol pro Stunde her. Dieses Ethanol wird mit Tanklastern zu den Tankstellen im ganzen Land gebracht. Aus der unscheinbaren Zuckerrohrpflanze ist Alkohol geworden, der die brasilianischen Autos zum Rollen bringt. Nebstbei ein gutes Geschäft für das Agrobusiness.

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Über die Reise

  • Bioethanol gilt als Wunderwaffe gegen den Klimawandel. Die Reise führt nach Brasilien, wo fast jedes zweite Auto mit dem „grünen“ Kraftstoff fährt. » mehr

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