Es würde mich interessieren, ob durch die Energieerzeugung in der Ethanol-Raffinerie Santa Adélia tatsächlich eine 80.000 Einwohner-Stadt mit Strom versorgt wird oder dies nur ein theoretischer Wert ist?
Zur Herstellung von Ethanol brauchen die Raffinerien vor allem den süßen Saft des Zuckerrohrs, die übrigen Bestandteile des Zuckerrohrs (der Bagaço) werden getrocknet und anschließend in einem gigantischen Ofen verheizt, wodurch die Raffinerien Strom erzeugen. Dieser Strom deckt den Eigenbedarf an Energie des Ethanol-Werks ab, der Überschuss wird in das Stromnetz eingespeist. Nach Angaben der Kraftwerksbetreiber von Santa Adélia kann damit eine 80.000 Einwohner Stadt mit Strom versorgt werden. Da aber ein Großteil der Stromerzeugung für das eigene Werk genutzt wird, ist es wohl eher ein theoretischer Wert.
Wie sieht's eigentlich mit der Abgasreinigung bei der Verbrennung aus? - Entspricht das europäischen Standards?
Die Vorzeigefabriken bemühen sich Umweltzertifikate wie ISO 14000 zu erhalten. Viele Raffinerien arbeiten an ihrem Umweltimage, da sie ihr Ethanol in naher Zukunft nach Europa exportieren wollen.
Nun kann ich mich erinnern, dass bei der letzten großen Flugzeugkatastrophe am Flughafen São Paulo ein Flugzeug bei der Landung über die Rollbahn hinausraste und direkt in eine Lagerhalle prallte. Bedeutet das, dass der Flughafen abgelegen und zugleich im dicht verbauten Gebiet liegt?
In São Paulo befinden sich zwei große Flughäfen. Wir sind auf dem internationalen Flughafen São Paulo-Guarulhos gelandet, der weit außerhalb des Zentrums liegt. Die letzte große Flugzeugkatastrophe hat sich auf dem Flughafen São Paulo-Congonhas zugetragen, der sich südlich des Zentrums mitten im dicht verbauten Stadtgebiet befindet.
Ich bin beruflich oft in Brasilien und muss feststellen, wie wenig der Individualverkehr überhaupt in Frage gestellt wird. Noch mehr als bei uns ist das Auto ein Statussymbol.
In Brasilien ist ein Auto nicht nur ein Statussymbol, sondern auch ein notwendiges Mittel, um sich in der Stadt São Paulo fortzubewegen. Die gigantische 20-Millionen Metropole besitzt lediglich fünf U-Bahn Linien. Das ist auch der Hauptgrund, warum São Paulo tagtäglich im Verkehrschaos versinkt. Die Reichen fanden jedoch eine Lösung für das Verkehrsproblem am Boden: Sie fliegen mit kleinen Helikoptern von Hochhausdach zu Hochhausdach.
Für mich bleibt zu sagen, dass das ganze Projekt eine große Herausforderung war und mir natürlich auch viel Spaß gemacht hat. Zu Beginn der Reise-Organisation hatte ich noch die Befürchtung, dass wir zu wenig Interviews und zu wenig Führungen haben werden. Das Gegenteil war der Fall: Die Tage waren von morgens bis abends vollgestopft mit Terminen, was uns enorm viel Material gebracht hat, das dann aber auch verwertet werden musste. Die Blog-Beiträge sind daher meistens spät in der Nacht im Hotel oder auf dem Rücksitz unseres Mietautos entstanden.
Von Thomas Seifert konnte ich sehr viel lernen: Wie schreibe ich eine Geschichte interessant? Wie führe ich ein gutes Interview? Oder: Wie überhole ich todesmutig einen Zuckerrohr-Transporter auf einer brasilianischen Landstraße und überfahre dabei eine Schlange?
Die zwei Wochen waren eine sehr interessante und wichtige Erfahrung für mich. Dafür möchte ich mich bei der Presse und bei Thomas Seifert bedanken. Und wer weiß? Vielleicht bekommt nächstes Jahr ein Reporter 09 dieselbe Chance wie ich.

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Das Finale: Fünf Kandidaten, vier Juroen, eine Siegerin.
Peter Babutzky ging bei Reporter08 als Sieger aus rund 250 Bewerbern hervor. Der Vorarlberger ist 21 Jahre alt und studiert Journalismus an der FH Wien.
Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
