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Fragen zum brasilianischen Ethanol-Boom
Nach zwei sehr intensiven Wochen in Brasilien, ging unsere Reise vergangenen Samstag zu Ende. Wir wollten das Thema Ethanol in Brasilien von unterschiedlichsten Seiten beleuchten und wir hoffen, dass uns das auch gelungen ist. Einige Leser dieses Blogs stellten Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht beantworten konnten, was ich nun gerne nachholen möchte. -
Bioethanol - Wunderwaffe gegen Klimawandel?
Ist Bioethanol" eine neue Wunderwaffe gegen den Klimawandel? Oder werden die Probleme nur verlagert? So lautete die ursprüngliche Problemstellung, die Peter Babutzky am 23.10.2007 auf der Reporter08"-Website veröffentlichte. -
Vom Feld in den Tank
Der metallene Greifarm kippt die orange Ladebox des LKWs wie bei einem Spielzeuglaster um. Über 25 Tonnen Zuckerrohr fallen in ein 35 Grad warmes Wasserbad und werden dort erst mal ordentlich gewaschen. Hier wird das von der Brandrodung verkohlte Zuckerrohr von Asche und Schmutz gesäubert. Es ist der erste Schritt, wie aus der unscheinbaren Zuckerrohrpflanze Treibstoff für die brasilianischen Autos wird. -
Brennende Felder für den grünen Treibstoff
Über dem verkohlten Zuckerrohrfeld kreisen Geier. Sie sind auf der Suche nach Überresten von Tieren, die das Feuer überstanden haben. Eine unheimliche Atmosphäre. Es riecht nach verbranntem Holz. Die Zuckerrohr-Arbeiter wirbeln mit jedem Machetenschlag Asche auf. Eine kleine Kompanie von Arbeitern hackt das Zuckerrohr knapp über der Wurzel ab und schichtet das Cana-de-Açúcar" auf einer geraden Linie auf. Die Brandrodungen der Zuckerrohrfelder erleichtern zwar das Abernten des Zuckerrohrs, hinterlassen jedoch eine zweifelhafte Klimabilanz. -
Kein goldener Käfig
In einem rostigen Vogelkäfig fliegt der dürre Wellensittich von einer Käfigstange zur anderen. Der kleine Vogel zählt zu den wenigen Habseligkeiten, die die Wanderarbeiter aus Maranhão, dem entlegenen Norden Brasiliens, besitzen. Zehn Quadratmeter Zuhause für die nächsten acht Monate. Ein Stockbett mit durchgelegenen hellblauen Matratzen steht rechts an der Wand, ein zweites Stockbett links. Privatsphäre? Leider nein. -
Autofahren in Brasilien - unsere ultimative Horror-Show
Links und rechts zischen die Mopeds an unserem kleinen silbrigen Chevrolet Celta vorbei. Was in Wien die Fahrradkuriere sind, sind hier in Brasilien die Express-Mopedfahrer. Ob Fast Food oder wichtige Papiere die Moped-Kuriere liefern alles und riskieren dabei oftmals Kopf und Kragen. Der Wiener Gürtel ist zu den allabendlichen Stoßzeiten nur eine kleine Seitenstraße im Vergleich zum Verkehrschaos in São Paulo, der dritt-größten Stadt der Welt. Besonders ohne Stadtplan und ohne Orientierung verkommt so eine Autofahrt recht schnell wie Thomas Seifert sagen würde zur ultimativen Horror-Show. -
Lieber mit dem Fahrrad, als mit Ethanol im Tank
In São Bernardo bebt der Boden. Nicht weil dort zwei tektonische Platten aufeinandertreffen und regelmäßig Erdbeben auslösen, sondern weil hier einer der größten Arbeitgeber Brasiliens ein Werk betreibt Volkswagen do Brasil. Am Besucherparkplatz spürt man die Erschütterungen der Pressen, man hört, wie Werkzeug auf Blech schlägt und Gummi über den Beton radiert. Das braun-rot geziegelte Firmengebäude ist von einem hohen Metallzaun und Sicherheits-Checkpoints umgeben. Man kann ins Werksgebäude nicht hineinsehen, es gibt nur kleine, schmale metallene Fensterschlitze, durch die frische Luft in die Fabrikshalle strömt Auf der benachbarten Autobahn donnern Laster und Autos in Richtung Süden, an die Küste des Bundesstaates São Paulo. -
Gewinn oder Verlust - Preiskampf an der Warenhandelsbörse von São Paulo
Auf dem Parkett der Bolsa de Mercadorias & Futuros ist die Hölle los. In der brasilianischen Warenhandelsbörse, direkt im Zentrum von São Paulo, dreht sich die Welt genau um zwei Dinge: Kaufen und Verkaufen. Die Broker haben ihre Krawattenknoten gelockert. Sie stehen eingezwängt in einem Pulk von Kollegen, mit der rechten Hand geben sie Zeichen zum Kaufen, mit der linken notieren sie sich die Preisentwicklung des gehandelten Gutes. Zwischen Schulter und Ohr klemmen Funktelefone, am anderen Ende der Leitung befehlen Handelsunternehmen wann gekauft werden soll. Ein unglaublicher Lärm liegt in der Luft. Die Männer schreien die Befehle ihrer Auftraggeber durch den Handelssaal. Hier regiert das Gesetz des Stärkeren - das Gesetz von Angebot und Nachfrage. -
Fluch oder Segen: Ist Ethanol gut für die Welt?
Das Thema Bioethanol wird in Brasilien heftig diskutiert. Im Spannungsverhältnis von Politik, Wirtschaft und Umweltschutz hat sich im Land jedoch eine Art Grundkonsens entwickelt, der über unterschiedlichste Interessensgruppen hinwegreicht - Ja, Ethanol kann gut für Brasilien und die Welt sein, aber nicht um jeden Preis. -
Hafenstadt Santos Brasiliens Tor zur Welt
Vorsichtig öffnet der etwa 50-jährige Arbeiter das Tankventil des Ethanol-Lasters. Er trägt einen grünen Helm, eine abgetragene Schutzbrille und ein weinrotes Hemd. Der bauchige Tank des LKW ist bis oben hin mit dem heiß begehrten Bioethanol gefüllt. Nachdem der Arbeiter den Ansaugschlauch an die Tanköffnung anschließt, schießt der Biosprit durch die Pipeline, die das Ethanol entweder direkt zu einem Frachtschiff schleust oder in eines der Lagertanks auf dem Terminal-Gelände bringt. Nach 25 Minuten ist der LKW komplett leer. -
Der Feind meines Feindes ist mein bester Freund
Ihr Appetit ist unersättlich. In einem kleinen länglichen Glasröhrchen windet sich die Broca da Cana (Diatraea saccharalis Zuckerrohrbohrer)-Larve und frisst gierig ihre süße Umgebung aus braunem Zuckerbrei auf. Sie ahnt nicht, dass ihr nur ein kurzes Leben beschieden ist und ihr ein grausamer Tod bevorsteht. Nach wenigen Tagen ist die kleine Larve schon zu einer stattlichen Größe herangewachsen, von diesem Moment an beginnt ihr Leidensweg. In weiße Kittel gehüllte Damen injizieren in einem abgeschirmten Laborbereich der Broca da Cana-Larve die Eier ihres größten Feindes die Cotesia Flavipes-Fliege. -
Komasaufen mit Bioethanol - eine Schnapsidee!
Wer kennt sie nicht? Den kubanischen Gehirnzellenvernichter Cuba Libre, das brasilianische Kult-Getränk Caipirinha oder den karibischen Bacardi-Rum. Alles berühmte Alkoholika, die eines gemeinsam haben - den Rohstoff. Denn der Rum für den Cuba Libre und der Cachaça-Schnaps für den Caipirinha werden beide aus Zuckerrohr hergestellt. In Österreich schätzen junge Komasäufer den billigen Cola-Rum, um sich allwöchentlich in andere Sphären zu schütten. Da ist man in Brasilien schon weiter. Auch wenn man in Brasilien nicht ganz auf die auflockernde Wirkung eines Caipirhinas verzichten will, lassen die Brasilianer lieber ihre Autotanks, als sich selbst mit dem Zuckerrohr-Schnaps vollaufen. -
Im grünen Land der brasilianischen Träume
Bis an den Horizont erstreckt sich das grüne Meer aus Zuckerrohr im Bundesstaat São Paulo. Beeindruckende Wolkenformationen stehen über dem weiten Land. Neben der Autobahn wächst der Rohstoff aus dem der Treibstoff für die brasilianischen Autos hergestellt wird - Zuckerrohr. Zwischen São Paulo und der 350 Kilometer entfernten Stadt Ribeirão Preto auf der Autobahn 310 des Bundesstaates São Paulo (SP-310) nur verwischtes Grün. Endlos ziehen die in ordentlichen Reihen gepflanzten Zuckerrohrpflanzen mit 120 km/h hinter dem Seitenfenster vorbei. Wir sind auf dem Weg zu einer Zuckerrohr-Fabrik, die als mustergültiges Beispiel für die Ethanolherstellung gilt. -
Frage: Ist Ethanol gut für Brasilien und das Klima? Greenpeace-Antwort: Ja und Nein"
Pünktlich um sieben Uhr am Morgen setzte die Lufthansa-Boeing 747 auf der Landebahn in Sao Paulo auf. Nach einem elf StundenFlug durften wir unsere Füße endlich auf brasilianischen Boden setzen. Am Ausgang wartete unser Brasilianischer Kollege Lucas de Freitas, dessen Hilfe schon bei der Reisevorbereitung essentiell war und brachte uns mit seinem Auto vom abgelegen Flughafen direkt nach Higienópolis ins Herz von São Paulo. Nur wenige Stunden nach unserer Ankunft führten wir bereits unser erstes Interview: Sérgio Leitão, Agrartreibstoff-Sprecher von Greenpeace Brasilien, schilderte die durchaus gespaltene Meinung von Greenpeace zum Thema Agrar-Sprit. -
Die Gier nach Land zerstört den Amazonas-Regenwald
Holzhändler, Viehbarone und Sojakönige. An der Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes sind viele beteiligt. Nach einer Verschnaufpause von zwei Jahren hat die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes 2007 wieder stark zugenommen. Auch der Biospritboom hat seinen Anteil daran. Die brasilianischen Behörden haben derweil der illegalen Abholzung den Kampf angesagt. -
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Die EU setzt auf Biosprit, hinkt aber der Entwicklung in Brasilien weit hinterher
Nicht nur in Brasilien boomt die Agrarsprit-Branche, sondern auch in den USA und in Europa. So hat die EU ihre Pläne für Biosprit in der sogenannten Biotreibstoffrichtlinie festgeschrieben. Nach den Vorstellungen der EU soll der Biospritanteil bei Benzin und Diesel sukzessive gesteigert werden. -
Warum es keinen Sinn macht, am Aschermittwoch in Brasilien anzurufen
Er ist neben dem Fußball das größte Aushängeschild von Brasilien der Karneval. Jedes Jahr zieht eine bunt maskierte Masse von Brasilianern durch die Städte des Landes und sorgt für einen feucht-fröhlichen Ausnahmezustand. An Aschermittwoch endet das Spektakel und Brasilien ist verkatert. Es ist daher relativ sinnlos, wenn zwei österreichische Journalisten versuchen jemanden an diesem Tag telefonisch zu erreichen. Wir haben es gestern trotzdem probiert und sind gnadenlos gescheitert. -
Biosprit: Die perfekte Lösung?
Was ist bitte schön so interessant an der Ethanolerzeugung in Brasilien?" Diese Frage wird mir immer wieder gestellt, wenn ich vom Thema unserer Reportagereise erzähle. Es ist eine berechtigte Frage, denn auf den ersten Blick erscheint das Thema tatsächlich etwas sperrig - auf den zweiten Blick muss aber klar sein: Es ist eines der Spannendsten unserer Zeit. -
Wieso läuft niemand durch den Schnee?
Lucas Freitas ist einer meiner besten Freunde und einer der Hauptgründe, warum ich das Land Brasilien für die Reportagereise ausgewählt habe. Auf unserer Reise wird er uns begleiten, für uns übersetzen und uns mit seinen Kontakten und Kenntnissen weiter helfen. Doch Lucas kennt nicht nur Brasilien sehr gut, sondern auch Österreich. Hier hat er ein Jahr als Austauschschüler verbracht und Österreich kennen und lieben gelernt. -
Sag Brasilien, dass wir kommen!
Die Vorbereitungen für unsere Reportagereise sind in vollem Gange. Die Reiseroute steht ungefähr fest, zu organisieren gibt es trotzdem noch sehr viel. Leider ist es recht mühsam eine fixe Zusage für Interviews und Führungen zu erhalten. Viele Ethanolunternehmen reagieren eher zurückhaltend auf eine Presseanfrage, dazu kommt die Sprachbarriere, da weder ich, noch Thomas Seifert dem Portugiesischen mächtig sind. Was die Sprache anbelangt habe ich aber zum Glück Hilfe. -
"Machs wie Dänemark 1992!"
Lieber Peter! Du hast es fast bis ins Finale geschafft, bist aber im Online-Voting leider nicht unter die ersten Fünf gekommen. Ich möchte mich bei dir ganz herzlich für deine Bewerbung bedanken! Dieses Mail lächelte mich am 26. November süß-säuerlich aus meiner Mailbox an. Absender: Die Presse. Betreff: Danke für deine Bewerbung. Schade, damit war die Aktion für mich beendet - vorerst. Denn am Abend vor der finalen Jurysitzung klingelte mein Handy.




















Das Finale: Fünf Kandidaten, vier Juroen, eine Siegerin.
Peter Babutzky ging bei Reporter08 als Sieger aus rund 250 Bewerbern hervor. Der Vorarlberger ist 21 Jahre alt und studiert Journalismus an der FH Wien.
Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
