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Vom Mars nach Wien: Ein Stein vom Himmel

25.06.2012 | 18:40 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Naturhistorisches Museum: Direktor Köberl hat um den Traumpreis von 400.000 Euro einen Mars-Meteoriten angekauft. Der ein Kilo schwere Gesteinsbrocken dient der Forschung über die Entstehung des Sonnensystems.

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„Vielleicht erinnern Sie sich, wie viele Milliarden Dollar die Apollo-Missionen der USA gekostet haben, die ein paar Kilo Mondgestein auf die Erde holen konnten“, sagt Christian Köberl, Direktor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien: „Vom Mars konnte freilich noch kein einziges Gestein von Astronauten gesammelt werden. Es gibt aber Pläne für kostspielige Projekte, bei denen Raumsonden wenige Gramm Marsgestein zur Erde bringen.“ Und jetzt präsentiert das NHM einen etwa ein Kilogramm schweren Gesteinsbrocken direkt vom Mars. „Das ist quasi eine Freihauslieferung“, betont Köberl.

Mit Gratiszustellung meint er hier jedoch nur den Adressaten Erde: Am 18. Juli 2011 beobachteten Menschen im Süden von Marokko einen hellen Feuerball, der vom Himmel fiel. Wenige Tage später zogen Sammler los und fanden im Herbst Bruchstücke des Meteoriten. Eines der größten davon ist nun in Wien zu bewundern, der Stein war dem Museum 400.000 Euro wert. „Mit unseren normalen Ankaufsmitteln wäre die Finanzierung nicht möglich gewesen“, erklärt Köberl. Doch ein ehemaliger freier Mitarbeiter des NHM, Oskar Ermann, Direktor einer Chemiefabrik und Hobby-Vulkanologe, ist letztes Jahr verstorben und hat dem NHM eine große Erbschaft hinterlassen, mit der Auflage, das Geld für Forschung und Ausstellungen im Bereich der Erdwissenschaften zu verwenden. So konnte Köberl, den das Angebot am Spätnachmittag des Weihnachtstages 2011 erreichte, das „Schnäppchen“ finanzieren, liegt doch der durchschnittliche Marktwert von Marsgestein bei 1000 Euro pro Gramm. Das NHM erhielt neben dem großen Ausstellungsstück auch einige kleinere Bruchstücke: An diesen laufen bereits die Forschungen in Laboratorien der Uni Wien. „Das Ein-Kilo-Stück der Schausammlung würden wir nur ungern anrühren.“

Köberl bezeichnet den neuen Meteoriten als Sensation, die einem neuen Rembrandt im Kunsthistorischen Museum entspreche. Zwar besticht das Ausstellungsstück nicht durch seine optische Erscheinung. Die meisten Besucher würden das Ding als „einen Stein halt“ abtun. Es ist die Information, die in ihm schlummert, die den außen schwarzen, innen grauen Stein so besonders macht. Geochemische und isotopische Analysen zeigen, dass dieser Stein vor mehreren Millionen Jahren vom Mars weggeschleudert wurde: „Bei einem großen Meteoriteneinschlag auf dem Planeten Mars konnte Oberflächenmaterial die Anziehungskraft des Mars überwinden und gelangte in den interplanetaren Raum.“ Nach Millionen Jahren der Raumfahrt stürzen hin und wieder Trümmer davon auf die Erde: Der Einschlag in Marokko war erst der fünfte von Menschen gesichtete. „Normale“ Meteoriten sind Zeitzeugen der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren. Mars-Meteoriten sind mit 150 bis 400 Millionen Jahren auffallend junges Gestein von Himmelskörpern, die in sich sogar Gaseinschlüsse der Mars-Atmosphäre von damals beherbergen.

Gemein ist normalen Meteoriten und den Mars-Meteoriten ihre schwarze Oberfläche: Trifft Material mit 15 bis 20 km/s auf die Erdatmosphäre, schmelzen die äußersten Zehntelmillimeter des Materials zu einer glasigen Kruste. Sein Inneres ist jedoch hellgrau, wie alles Gestein vom Mars, obwohl der doch als „Roter Planet“ bekannt ist. „Rötlich ist nur das Verwitterungsprodukt, das auf dem Mars durch hohe Windgeschwindigkeiten verblasen wird: feiner Staub mit hohem Eisengehalt“, klärt Köberl auf.

 

Neugestaltung des Meteoritensaals

Köberl, der schon als TU-Student gern seine Mittagspausen im verstaubten Meteoritensaal des NHM verbrachte, ist besonders stolz auf dessen Neugestaltung: Eröffnet wird er am 13. November 2012, zu den knapp 1000 Stücken wird es erstmals Erklärungen geben. Auch darüber, wie wichtig diese Steine aus dem Weltall sind: Durch sie erfährt man, wie Erde und Sonnensystem entstanden sind und was sonst vor 4,5 Milliarden Jahren im Universum so los war. [APA/Schlager]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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8 Kommentare
Gast: lavater
26.06.2012 14:11
0 3

Der Stein hat sich trotz der Schwerkraft vom Mars gelöst

und ist letztendlich auf die Erde geflogen - so die Meinung der Astronomen. Vergleichende Gesteinsentnahmen vom Mars waren bisher nicht möglich.

Also eine Hypothese, nicht einmal eine Theorie.

Derzeit ist es nicht mehr möglich, dass Gestein sich vom Mars löst und auf die Erde fliegt.

Aber da dies vor 1 Mrd Jahren war und damals Newton (Gravitationsgesetze) noch nicht lebte,
wäre es durchaus möglich, dass dies vor 1 Mrd Jahren noch möglich war.

Froh können wir aber sein, dass dieser Stein sich erst vor etwa 1 Mrd. Jahren vom Mars löste.

Laut Presse-Artikel (vom selben Autor) lebte nämlich vor etwa 3 Mrd. Jahren ein Fabeltier im Meer, von dem wir alle abstammen.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Stein - vor 3 Mrd. Jahren vom Himmel fallend - dieses Urtier erschlagen hätte. Dann wären wir - o Schreck - heute gar nicht da.




Antworten Gast: Grummelbart2
26.06.2012 15:32
2 0

Re: Der Stein hat sich trotz der Schwerkraft vom Mars gelöst

"Bei einem großen Meteoriteneinschlag auf dem Planeten Mars konnte Oberflächenmaterial die Anziehungskraft des Mars überwinden und gelangte in den interplanetaren Raum.“

Was, abhängig von der Schwerkraft und der Atmosphäre eines Planeten, durchaus im Bereich des möglichen ist.

Hinsichtlich der Oberfläche des Mars haben wir bereits ein relativ gutes Bild - nicht durch die Bibel, sondern durch diverse Sonden und Roboterexpeditionen.

Ich empfehle: "Pale Blue Dot" von Carl Sagan. Mit der gründlichen Zerstörung jeglicher Religion ind en ersten Kapiteln werden sie keine Freude haben, aber die Vorgangsweise zur Erforschung der Oberfläche von Planeten, die noch kein Mensch betreten hat, wird gut beschrieben.

Antworten Gast: lavater
26.06.2012 14:34
0 1

Re: Der Stein hat sich trotz der Schwerkraft vom Mars gelöst

Irrtum: Sorry. Der von mir oben erwähnte Presse-Artikel vom Fabeltier stammt von jl.

Ich denke,

mit den 400.000 Eulingen hätte man Anderes im Museum finanzieren können.

0 0

alle haben geld

nur der steuerzahler nicht !!!!

Gast: böserEngel
25.06.2012 20:41
2 12

ich erinnere mich

Herr Köberl hat viel Geld im Körberl.
Um das Geld hätte man vielen kranken Kindern helfen können.

Beschämend sowas.

Antworten Gast: Matador
26.06.2012 09:43
1 0

Re: ich erinnere mich

Ein arroganter und dummdreister Kommentar.

Antworten Gast: galenios
25.06.2012 23:19
6 0

Re: ich erinnere mich

Danke für das unsachliche Totschlagargument. Aber es gäbe einen Ausweg, der alle zufriedenstellen würde:

Stellen Sie doch ihr gesamtes Vermögen in den Dienst der kranken Kinder dieser Welt. Das wäre viel anständiger, als es von anderen zu verlangen und selbst nichts zu tun. Wetten, dass das nicht geschehen wird?