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In uns leben Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten

26.06.2012 | 18:22 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Werdende Mütter sind „Mikrochimären“, sie haben im Blut Zellen der Embryos. Und die geben sie an spätere Embryos weiter.

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Wenn eine Schwangere eine Herzattacke erleidet, dann eilen Stammzellen des Embryos zu Hilfe und bilden an der verletzten Stelle neue Herzmuskelzellen. Selbstlos ist das nicht, der Embryo will überleben. Vermutlich zum gleichen Zweck schickt er auch andere Zellen ins Blut und in Organe der Mutter, Diana Bianci (Tufts Medical Center) hat es gerade in den Lungen werdender Mäusemütter bemerkt. Dort haben sich gleich drei Zelltypen des Embryos eingenistet, und sie sind aktiv, ihre Genprogramme laufen (Biology of Reproduction, 6.6.). Wie das zugeht – wie Zellen durch die Schranke der Plazenta kommen –, weiß man nicht. Und warum sie kommen, ist auch oft unklar, manche tun es zum Reparieren – nicht nur bei Herzinfarkt, auch bei Brustkrebs –, anderen geht es vermutlich darum, das Immunsystem der Mutter an den Fremdkörper zu gewöhnen.

 

Mädchen mit Y-Chromosom im Blut

Aber wie auch immer: Wenn sie einmal da sind, dann bleiben sie auch, oft jahrelang: Mütter sind „Mikrochimären“, Mischwesen auf zellulärer Ebene. Und alle anderen Menschen sind es auch, der Zelltransfer durch die Plazenta ist keine Einbahnstraße, es gehen auch Zellen von der Mutter in den Embryo. Und: Es gehen Zellen von früheren Embryos, die noch in der Mutter unterwegs sind, in spätere Embryos, Miranda Dierselhuis (Leiden) hat es bemerkt: Sie hat Nabelschnurblut von 23 neugeborenen Mädchen analysiert, zwölf davon hatten ältere Brüder. Und elf hatten Immunzellen gegen das Y-Chromosom – jenes, das nur Männer haben –, sie hatten sich also gegen diesen Fremdkörper gerüstet. Detailliertere Analysen zeigten, dass auch die Fremdkörper selbst – Zellen mit Y-Chromosom – im Blut waren, sie stammten offenbar aus der früheren Schwangerschaft.

Aber die Zellen fanden sich auch in einem Mädchen, das keinen älteren Bruder hat (Blood, 2012-02-410571). Woher kommen diese Zellen? Sie kamen vermutlich in die Mutter, als diese selbst ein Embryo war, stammen also von Onkeln und Tanten der Neugeborenen und wurde im Uterus der Großmutter gemischt. (Alternativ könnten sie Zellen eines älteren Bruders sein, der in der frühen Schwangerschaft unbemerkt abging). Und sie können sogar von den Großmüttern selbst kommen. Hilary Gammill (Seattle) hat es bemerkt (PLos One, 30.8.2011). Sie vermutet, dass der Zelltausch mit dem Abstimmen der Immunsysteme zu tun hat. Das hat er wohl auch, man weiß nur nicht wie: Jüngere Geschwister leiden seltener an manchen Autoimmunkrankheiten, Asthma etwa, aber von anderen (z.B. Scleroderma) werden sie häufiger befallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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10 Kommentare
Gast: Bedenker
27.06.2012 19:43
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Neu?

Kennt diesen Sachverhalt nicht schon längst jeder ernsthafte Züchter (zB Pferdezüchter).

Jede Nachkommenschaft hinterläßt Spuren im Körper des Muttertieres, somit auch Spuren des Vatertieres (und seines genetischen Stammbaumes).

Und alles wird wieder an weitere Nachkommen weitergegeben. Im fünften Fohlen finden sich auch "Spuren" der vier vorangegangenen Geschwister (und deren Väter und ....).

Daher sind genaue Aufzeichnungen die Grundlage für den Stammbaum.


Antworten Gast: CERN
04.07.2012 23:27
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Re: Neu?

Ist doch logo. So werden seit eh und je Tierrassen veredelt, neue, bessere, leistungsfähigere, widerstandsfähigere usw. gezüchtet. Über die Gentechnik kann dieser vom Menschen gelenkte Prozess eines Tages sehr vereinfacht und beschleunigt werden. Natürlich könnte man das auch auf den Menschen anwenden, fällt er doch auch in die Kategorier der "Säuger", ist der Weg zur Manipulation des Menschen also nicht weit. Und alles, was der Mensch kann, wendet er auch eines Tages an. Das war bisher so, warum sollte es ab jetzt anders sein. Man wird sehen...

Gast: Störrisch...
26.06.2012 18:28
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Das hört...

...sich aber sehr gut und schön an, was da herausgefunden wurde (auch wenn nicht klar ist wie und warum)....ich liebe den menschl. Körper - so ein Wunderwerk - was der/wir alles kann/können! :-)

Re: Das hört...

Sie meinen, den tierischen Körper. Funktioniert ja auch bei Mäusen, wie im Bericht steht.

Was ich mich gerade frage:
Wenn der Mensch die Krone der Schöpfung ist, dieser aber als letzter gebastelt wurde, vorher bereits die Tiere da waren (oder irre ich mich da?) und diese den gleichen Grundbauplan haben, wie der Mensch, dann muss also der Mensch vom Bauplan der Tiere abgeleitet worden sein, was ihn eigentlich nicht zur Krone der Schöpfung macht, oder? Eher ein Glied irgendwo in der langen Kette.

Antworten Antworten Gast: Störrisch...
27.06.2012 08:06
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Menschen..

Krönung d. Schöpfung: Ich denke der Zugang wäre vermessen....bzw. das kommt auf den Bezug darauf an...in Sachen Laufen/Fliegen/Umweltfreundlichkeit sicher nicht...

Im Bezug Bewusstsein (Erkenntnis bzw. Verstehen) und Möglichkeiten der Kreativität - ja bis vielleicht! ;-)

Das erstaunliche daran (herausgefunden d. "Wissenschaftler"), zum Überleben und Fortpflanzen d. Menschen sind weder Bewusstsein noch Liebe notwendig (stehen eher im Weg sogar), sind aber trotzdem ein Teil von uns, unser allerschönstes Talent und Überlebens-Strategie ist unsere soziale Intelligenz!

"Man" weiß es einfach nicht! ;-)

Re: Menschen..

Zum Überleben und Fortpflanzen der Menschen ist schon Bewusstsein und Liebe notwendig. Wir sind zu komplex entwickelt, als dass das kein Faktor wäre (Bakterien sind da nicht so komplex, die teilen sich auch so).

Dass soziale Intelligenz sehr wichtig ist, zeigt sich ja bereits daran, dass auch andere Primaten über diese Fähigkeit verfügen. Was auch wieder zeigt, dass die Aussagen des Wissenschaftlers, von dem Sie da sprechen, nicht ganz stimmen können. Denn wäre das nicht so wichtig, würden nicht vor allem hochentwickelte Lebewesen über diese Kompetenzen verfügen.

Auf welche Forschung beziehen Sie sich da genau und wer soll dieser Wissenschaftler sein? Würde mich interessieren =)

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Störrisch...
28.06.2012 17:54
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Warum sollte Liebe...

...zwischen Mann und Frau wichtig sein im Bezug auf Befruchtung der Eizelle?

Sex ohne Liebe ergibt keine Kinder?

Sie müssen schon ordentlich lesen!

Aha, Insekten-Nachwuchs z.B(Bewusstsein fragwürdig)...kommen durch den Storch?

Soz. Intelligenz/Spiegelneuronen: Nein, soz. Verhalten ist vor allem bei den großen Säugern mit großen Gehirnen ausgeprägt vorhanden, aber kein Tier kann in der Hinsicht mit der Fähigkeit des Menschens mithalten!

Habe ich was versäumt...Gehirn Mensch = Gehirn Affe?

Nicht gell...Sie bezahlter Schreiberling! :-)


Re: Warum sollte Liebe...

Wenn wir von freiwilligem Sex ausgehen (ich schließe da jetzt Vergewaltigungen aus), dann hat Liebe (in Form von Zuneigung) sehr wohl eine wesentliche Rolle.

Da können Sie sich einmal anschauen, wonach Frauen ihren Partner wählen. Fragen Sie einmal die Frauen, ob sie mit einem Menschen Kinder haben wollen, den sie nicht lieben. Wenn wir uns das aussuchen können (was wir ja können, wenn man uns nicht vergewaltigt), dann spielt Liebe sehr wohl eine wesentliche Rolle und hat so entsprechend Auswirkung auf uns und unsere Entwicklung. So war das gemeint.

Sobald Lebewesen einfach höher entwickelt sind, entwickelt sich Bewusstsein und die Fähigkeit zur Liebe, was wiederum einen wesentlichen Einfluss auf deren Weiterentwicklung hat. Ist das jetzt verständlicher?

Menschenaffen verfügen sehr wohl über ein Bewusstsein und wenn ich mir anschaue, wie Schimpasen um ihre verstorbenen Jungtiere trauern, dann würde ich meinen, dass sie auch zu so etwas, wie Liebe fähig sind. Natürlich sind wir diesen Tieren noch ein Stück voraus, das heißt aber nicht, dass sie deshalb kein Bewusstsein haben (das ist auf jeden Fall vorhanden) oder Liebe empfinden können (das ist wahrscheinlich nicht so ausgeprägt, aber in einer gewissen Form sehr wohl da).

Leider bezahlt man mich nicht für's Schreiben. Schön wäre das aber! =)

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Als Krone der Schöpfung ...

... würd ich den Menschen mit Sicherheit nicht bezeichnen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Eulenspiele
27.06.2012 19:45
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Re: Als Krone der Schöpfung ...

Sagte doch einer eher die "Dornenkrone".