Manchen Ahnen mundete Baurinde und anderes Holziges

Zahnanalysen von Australopithecus in Südafrika zeigen, dass diese vor zwei Millionen Jahren im und vom Wald lebten.

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(c) AP

Vor zwei Millionen Jahren gerieten zwei unserer Vorfahren in Südafrika in einen Erdrutsch, sie waren sofort tot, blieben aber unter den Erdmassen gut erhalten: 2010 wurden sie ausgegraben und einer neuen Unterart von Australopithecus zugeordnet – sediba –, aber sie hatten ganz anders gelebt als andere Australopithecus und andere Ahnen in Ostafrika: Ihre Fossilien deuteten darauf hin, dass sie in Savannen lebten und sich von deren Früchten ernährten. Aber (zumindest) die zwei in Südafrika lebten in und vom Wald, das zeigen ihre Zähne, Lee Berger (Witwatersrand) hat sie auf drei Wegen analysiert: Die Beißspuren – mikroskopische Kratzer auf der Zahnoberfläche – deuten auf harte Kost, die Isotopen in den Zähnen taten das auch: Diese Menschen aßen C3-Pflanzen, dazu gehören Bäume und Büsche, keine C4-Pflanzen wie Gräser (C3 und C4 sind zwei Typen der Fotosynthese). In dieselbe Richtung deutet der Zahnstein: In ihm waren Phytolithen eingelagert, das sind Steinchen, die Pflanzen einlagern, um sich vor dem Gefressenwerden zu schützen, sie reiben Zähne ab. Und diese Phytolithen sind die, die man im heutigen Südafrika in holzigen Gewächsen findet, in Bäumen, Palmen etc. (Nature, 27.6.)

„Ich fand es überraschend, dass unsere frühen Vorfahren Baumrinde aßen“, erklärt Berger: „Obwohl Primatologen seit Jahren bekannt ist, dass Primaten – einschließlich Menschenaffen – Baumrinde als eiserne Reserve in Notzeiten zu sich nehmen, habe ich sie nicht auf dem Speiseplan eines frühen menschlichen Vorfahren vermutet.“ Warum diese Ahnen anderes aßen, anderswo lebten als die anderen, ist völlig unklar. „Vielleicht war es eine Möglichkeit, der Konkurrenz zu anderen Hominiden aus dem Weg zu gehen“, vermutet Projektmitarbeiterin Amanda Henry, „vielleicht war es eine Reaktion auf Klimaveränderungen.“ jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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