Neue Medien und Veränderungen in der Verarbeitung von mehr und mehr Informationen machen es notwendig, Wissen verständlich aufzubereiten und zugänglich zu machen. Das Grazer Know-Center forscht in enger Kooperation mit Unternehmen an Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), um unüberschaubare Datenberge in nutzbare Informationen zu verwandeln.
„Um morgen forschen zu können, benötigen wir das gesamte Wissen von heute. Aber wissen wir eigentlich, was wir alles wissen?“, fragt Stefanie Lind-staedt vom Institut für Wissensmanagement und Wissenstechnologien der TU Graz, die neue Geschäftsführerin des Know-Centers ist. „Wir sind besonders stolz, die erste Frau an der Spitze eines Comet-Zentrums in Österreich begrüßen zu dürfen“, betonte Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann vor Journalisten. Er sei „überzeugt, dass die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Steiermark durch die anwendungsnahe IT-Forschungskompetenz des Know-Center erhöht und die Wettbewerbsfähigkeit der 26 beteiligten Partnerunternehmen verbessert wird“.
In zahlreichen Forschungsprojekten werden intelligente Apps, Anwendungen und Systeme entwickelt, die einfach in bestehende IT-Infrastrukturen integrierbar sind. „Wir unterstützen Anwender bei der Identifizierung, Visualisierung, Strukturierung und dem Transfer von Wissen, ob in sozialen Netzwerken, mobilen Arbeitssituationen oder persönlich für den User zugeschnitten“, so Lindstaedt, die ein Beispiel nennt: „Im Projekt Code (Commercially Empowered Linked Open Data Ecosystems in Research) wollen wir der Forschung ein kommerziell nutzbares, vernetztes und offen zugängliches Datensystem zur Verfügung stellen, um wissenschaftliche Publikationen besser zu analysieren.“
Gemeinsam mit der Universität Passau und Start-up-Internetfirmen (Mendeley UK, MeisterLabs Deutschland) wurde ein neues computerlinguistisches Verfahren entwickelt, das auf dem Prinzip des „Crowdsourcings“ basiert. Damit ist eine Arbeitsplattform von organisierten Gruppen gemeint, deren Mitglieder ihre Expertise bündeln und über das Web gemeinsam an einem Projekt arbeiten können. Ein Beispiel für dieses Peer-Review-Verfahren ist Wikipedia.
Besser nutzen. In „Code“ werden die von Experten ausgewählten Fakten wissenschaftlicher Texte auf ein Netzwerk (Linked Data Cloud) ins Internet gestellt und in einer Plattform (MindMaps) organisiert und visualisiert. Damit wird eine fundierte Wissensgrundlage auf Basis vorhandener Fakten aus der wissenschaftlichen Literatur geschaffen, die für Nutzer besser und schneller verständlich ist. „Beispielsweise können pharmazeutische Studien verglichen, Forschungstrends besser dargestellt oder widersprüchliche Erkenntnisse in Einklang gebracht werden“, erklärt Lindstaedt. Code wird bis 2014 im siebenten Rahmenprogramm der EU mit 2,4 Mio. Euro gefördert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2012)
