22.05.2013 20:15 Merkliste 0

Amerika: Lange vor den ersten Siedlern waren schon allererste da

12.07.2012 | 18:19 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Wann und von wem der letzte große Kontinent erwandert wurde, wird immer unklarer. DNA-Tests ergaben drei Einwanderungswellen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Vor etwa 15.000 Jahren verrichteten erstmals Menschen ihre Notdurft in den Paisley-Höhlen in Oregon, die Fäkalien versteinerten zu Koprolithen, 2008 kamen sie wieder ans Licht und ins Labor des Paläogenetikers Eske Willerslev (Kopenhagen). Der bestätigte eine alte Vermutung: Die Gene stammten aus Sibirien, von dort waren die ersten Einwanderer nach Amerika gekommen, als sie die Beringstraße trockenen Fußes überschreiten konnten, die Eiszeit hatte den Meeresspiegel stark gesenkt.

Aber der Befund stieß auf wenig Gegenliebe, seiner Datierung wegen: Die brachte Konkurrenz für die, die man früher für die ersten Amerikaner gehalten hatte, die Clovis. Die waren vor 15.000 Jahren noch gar nicht dort, sie kamen erst kurz darauf. Deshalb gab es heftigen Streit und den Verdacht, die Datierung sei falsch. Die Gruppe um Willerslev hat sie nun mit allen Vorsichtsmaßnahmen überprüft, sie stimmt. Mehr noch: Diese Menschen waren mit Sicherheit keine Clovis, sie hatten eine ganz andere Technik bei der Produktion der steinernen Pfeil- und Speerspitzen, nicht „Clovis“ genannt, sondern „Western Stemmed“ (Science, 337, S.223).

 

„Clovis-First“ ist erledigt

„Damit ist die ,Clovis-First‘-Theorie erledigt“, kommentiert Willerslev: „Entweder wurde Amerika einige tausend Jahre vor den Clovis von Menschen besiedelt, die später beide Techniken entwickelten, ,Clovis‘ und ,Western Stemmed‘. Oder es gab zwei Einwanderungen, und die Clovis kamen erst tausende Jahre später.“

So wird die Geschichte der Besiedlung der beiden Amerikas immer unübersichtlicher. Dabei schien sie just einen Tag zuvor endgültig geklärt: Eine Gruppe um David Reich (Harvard) hatte die bisher breitesten Genanalysen heutiger Amerikaner und Asiaten publiziert, sie stammten von 52 indigenen Gruppen aus Nord- und Südamerika und 17 aus Sibirien (Nature, 12.7.). Demnach gab es drei Einwanderungswellen, die erste war offenbar die größte und nahm einen Weg, den man schon lange vermutete, den „kelp-highway“. Kelp ist Seetang, der an den Küsten regelrechte Wälder bildet, in denen viel Leben gedeiht. Er zieht sich auf beiden Seiten des Pazifiks, diesen Streifen entlang könnten Einwanderer gekommen sein – zu Fuß oder per Schiff –, vom Kamtschatka nach Alaska und dann von dort an Amerikas Westküste hinab nach Kalifornien und weiter nach Südamerika. Unterwegs bogen immer wieder Gruppen nach Osten ab, so füllte sich Nordamerika.

 

Grenzen der Gene und Sprachen

Aber nicht nur so: Nach denen mit der „First-American“-DNA kamen noch zweimal Einwanderer, sie besiedelten die arktischen Regionen bzw. Teile Kanadas, man kann es heute noch hören, sie haben Sprachen aus verschiedenen Familien: Eskimo-Aleut in der Arktis, Na-Dene in Kanada. Und diese Sprachgrenzen decken sich mit den genetischen. Allerdings verlaufen Letztere nicht so scharf: Die beiden späteren Einwanderungswellen vermischten sich mit der ersten, 50 bzw. 90 Prozent stammen davon.

Wenig Vermischung gab es weiter im Süden, vor allem in Südamerika: Auch das zeigt sich an der Sprache, alle verständigten sich in Sprachen, die zur großen Amerind-Gruppe gehören. Es gibt auch Sonderfälle, in Zentralamerika vermischten sich Nord- und Südamerikaner durch Hin- und Herwanderungen. Und hoch im Norden zog eine Gruppe wieder nach Asien zurück, auch das zeigen die Gene.

Nur zum neuen, zentralen Problem sagen sie nichts: Wo sind die geblieben, die als Erste da waren und die Koprolithen hinterließen?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

14 Kommentare
Gast: HÜW
14.07.2012 00:27
3 0

War nicht unlängst ein Artikel hier zu lesen, dass man in Südamerika überhaupt Pfeilspitzen oder ähnliches gefunden hat die überhaupt nochmal Älter sein sollen?

Gast: docori
13.07.2012 16:33
3 3

Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Und die ersten menschen sind noch viel früher dort eingewandert, haben aber einfach keine Spuren hinterlassen.

Forscher interpretieren Funde einfach so wie es ihnen grad hineinpasst. Man findet zum Beispiel eine Frauenstatue und sofort muß es ein Fruchtbarkeitssymbol sein. Vielleicht war es einfach nur als Spielzeug gedacht, aber das läßt sich halt nicht so gut als große Erkenntnis verkaufen....

Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Und die Ostküste wurde über vereiste Landbrücken von Europa aus über Grönland besiedelt,starben aber,wie auch viele glaziale Groß-Säuger dort durch eine Klimakatastrofe(vermutlich Meteoriten-Einschlag oder Eifel-Vulkanismus mit globalen Folgen?)in der jüngeren Dryas aus.

"Lucia"(ein bekanntes menschliches Fossil) in Brasilien zeigt auch starke euro-afrikanische Merkmale.

1 3

Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Uh nein, so arbeiten Forscher eigentlich nicht...

Antworten Antworten Gast: Halleluja
14.07.2012 22:44
6 4

Re: Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Korrekt! Forscher arbeiten nicht, sie stellen nur wirre Thesen auf. Für was brauchen wir eigentlich Forschung, wo wir doch alle wissen, dass Gott in seiner Barmherzigkeit und Gnade den Menschen und die Erde erschaffen hat, hm? Denken Sie mal drüber nach, auch wenn's schwer fällt.

Re: Re: Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Vielleicht haben Sie Recht. Den uns innewohnenden Forscherdrang sollte man mit Gehirnamputation beikommen.
Die Angst vor einem schmerzhaften Eingriff ist unbegründet. Milliarden von gläubigen Menschen bestätigen dies mit ihrem ebenso entrückten wie unbegründeten Lächeln.
Denken Sie mal ... ach, geht ja nicht mehr.
(Oder war Ihr Posting ironisch gemeint?

Re: Re: Re: Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

Es wird höchste Zeit, dass im September die Schule wieder beginnt, denn Ihr Kommentar weist schwere orthographische Mängel auf.

Um trotzdem auf dieses Gestammel zu antworten:
Sie sind ein gutes Beispiel für alle, die nur nörgeln, aber nichts selbst gestalten wollen. Was hindert Sie, selbst herauszufinden, ob es Gott gibt? Sind Sie zu faul dazu? Oder zu unfähig?


Re: Re: Re: Re: Re: Vielleicht war aber alles auch ganz anders

einen Mangel! Asche auf mein Haupt.
Aber Ihr Posting ist inhaltlich ein Furz. Wer stammelt, wer nörgelt, wer gestaltet nichts? Mein Beitrag gab zu diesem Befund nichts her. Muß wohl eine Selbstbeschreibung Ihrerseits sein.
Ihre letzten drei Fragen sind ja völlig blödsinnig, da sie in den luftleeren Raum gerichtet sind.
Schweigen Sie besser, Sie blamieren sich!

Wie wär's mit einer Therapie?

Geht eh auf Steuerkosten, also sein Sie nicht so zimperlich.
Ich glaub' Sie sind nur frustriert, weil ich Ihnen die Wahrheit geschrieben habe. Das wurmt Sie, hm? (c;

Nachsatz:
Wo Argumente und Grips fehlen, dort wird eben dann auf platte Art und Weise versucht, zu beleidigen! An Ihrer Art, Ausdrucksweise und Orthographie" kann man klar sehen, dass jeglicher Versuch, sich mit Ihnen auseinanderzusetzen, sinnlos ist! Denn ich kann und will mich nicht auf Ihre Ebene- das Wort Niveau passt hier nicht- begeben!

Sie sollten sich schämen- aber hierzu wäre Selbsterkenntnis, Verstand und etwas Charakter von Nöten- und das haben sie nicht.

Re: Wie wär's mit einer Therapie?

Wissen Sie was? Legen Sie Ihrem Vormund Ihre Beiträge vor, auch auf die Gefahr hin, dass er Sie zu mehrwöchigem Hausarrest verdonnert. Aber er sollte fairerweise wissen, dass sein Schützling ein Diskussionsforum mit sinnentleerten Beiträgen zumüllt, unter Verwendung von willkürlich aus dem Fremdwörter-Duden herausgepickten Begriffen, die er nach tagelangen Mühen zwar richtig schreiben, aber deren inhaltliche Bedeutung nicht erfassen kann. Höchstwahrscheinlich wird er Ihnen andere , leichtere Aufgaben auftragen.

Gast: Be-obachter
13.07.2012 14:21
0 0

Feuerländer

- auch deren Herkunft liegt noch im Dunkeln.

Angeblich gibt es genetische Untersuchungen, welche die Feuerländer als Verwandte der australischen Aborigines ausweisen.

Ob die nun via Amerika nach Australien gelangt sind oder umgekehrt, ist offen. Die Erforschung dieser Wanderung könnte neues Licht auf die Datierung werfen.

Hat man darüber wieder was gehört?

Re: Feuerländer

Auf dem Gebiet der Genetik wird noch sehr, sehr viel geschehen. Ich habs mal für mich selber bei National Geographic/genographics versucht:

Also ich gehöre der Haplogruppe E1b1b1 an, die vor ca. 50 000 Jahren Afrika (Kenia, Äthiopien) verliess.
Die Gruppe nahm ihren Weg nach Europa aber nicht über Palästina/Türkei... sondern Nordafrika, denn 70% der heutigen Nordafrikaner gehören dieser Gruppe an.(Engländer nur 4%z.B. auch Ungarn nur 4%).

Meine Fragestellung: Was sind Nordafrikanische Gene? Die grösste Bevölkerungsgruppe der jetzigen Berber sind ja mehrheitlich eingewanderte Kelten und später Germanen (Araber blieben stets eine Minderheit).

Antworten Antworten Gast: Be-obachter
15.07.2012 11:08
0 0

Re: Re: Feuerländer

Es wäre jedenfalls interessant, Aufschluss über Ihre Fragestellung betreff Herkunft der Nordafrikaner zu erhalten.
Bereits die antiken Ägyypter berichten über eine Invasion von "Seevölkern", deren Herkunft bis dato ungeklärt ist.

Da die alten Ägypter ihre mediterranen Nachbarn eigentlich gut kannten, können die rätselhaften Seevölker nur von weiter ausserhalb stammen. Waren sie keltogermanische Auswanderer? Vorfahren der Basken? Oder was?

-

Die Paisley-Höhlen sind weit mehr als 300 Kilometer vom Pazifik entfernt und mehr als 4000 Kilometer von der Beringstraße - von wo die „Western Stemmed“-Kultur angeblich gekommen sein soll.
Wenn die Exkremente also 15000 Jahre alt sein sollen und so tief im Kontinetn gefunden wurden, kann man locker 1000 Jahre für das erste Betreten hinzurechnen.

Man kann aber mit fug und recht behaupten, dass von ihnen nicht mehr übrig blieb als ein Haufen S :-)