Die Gesellschaft altert, das bringt drängende Probleme, vor allem bei den nachlassenden bzw. oft völlig versiegenden Kräften des Gehirns. Aber das ist nun einmal so, alle Lebewesen altern und verfallen, oder nicht? Nein, ausgerechnet bei einer Tierart, die auch sozial lebt und die Arbeit teilt, kann eine Änderung der Lebensweise den Verfall nicht nur aufhalten, sondern rückgängig machen: bei den Bienen. Die hegen für gewöhnlich ihre ersten vier bis 20 Tage die Brut, dann stellen sie radikal um, ihr Verhalten und ihr Gehirn, sie werden Scouts, fliegen aus und holen Futter ein. Dabei altern sie rasch, sowohl körperlich – vor allem die Flügel verschleißen – als auch im Gehirn, am Ende finden viele nicht einmal mehr zum Volk zurück.
Aber: Scouts können sich wieder in Brutpfleger zurückverwandeln, wenn Bedarf ist, wenn die Brutpfleger aus irgendeinem Grund ausfallen, etwa durch Krankheiten – oder wenn sie von Forschern entfernt werden. Gro Amdam (Tempe) hat es getan: Es war eine Verjüngungskur auch für schon fortgeschritten demente Bienengehirne, die Tiere lernten wieder (Experimental Gerontology, 3.7.). Zwei Proteine stehen dahinter, eines (Prx6) spielt auch bei Demenz des Menschen mit. „Vielleicht könnten soziale Interventionen auch unseren Gehirnen helfen, jünger zu bleiben“, hofft Amdam. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)
