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Neues Virus verbindet Kunst und Wissenschaft

18.07.2012 | 18:37 |  ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Wer erklärt uns die Welt? Und mit welchen Bildern? Der in Wien forschende Molekularbiologe Giulio Superti-Furga verstärkt einen historischen Dialog, der zuletzt immer intensiver geführt wird.

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Welle oder Teilchen – wie sieht so ein Photon, ein „Lichtteilchen“, das schließlich unsere ganze Weltsicht bestimmt, eigentlich aus? Es ist beides, versucht Anton Zeilinger in seinem Grundkurs Quantenphysik auf der Documenta 13 dem Publikum u. a. gerade zu erklären. Befriedigende Darstellungsmöglichkeiten für so ein Wellenteilchen gibt es allerdings keine. Was während des Hochamts der bildenden Kunst noch stärker auffällt als sonst.

Die Darstellung einer massiv ansteigenden Flut an Daten jenseits kilometerlanger Computerausdrucke ist eine der großen Über- und Herausforderungen der Naturwissenschaften heute, meint dazu Molekularbiologe Giulio Superti-Furga, der das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften leitet. Und sie ist nur ein Punkt, an dem der Dialog zwischen Wissenschaftlern und Künstlern spannend werden kann. Denkt man etwa an die Möglichkeiten von Gesamtkunstwerken, bei denen alle menschlichen Sinne angesprochen werden. Innovative Forschungseinrichtungen wie das Broad Institute von MIT und Harvard etwa, erzählt Superti-Furga, haben sich deshalb schon Künstler ins Team geholt.

Die Beziehung zwischen den Disziplinen scheint intensiver zu werden. Die Einladung Zeilingers zur Documenta 13 war sozusagen das internationale Coming-out. „Documenta 13“-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev bezeichnet Künstler selbst sogar als Grundlagenforscher und die Documenta als „Laboratorium“. Zeilinger kann von einem seinerseits längst nicht mehr erfüllbaren Interesse bildender Künstler an seiner Arbeit berichten. Superti-Furga richtet für Kooperationen und Austausch am (von Peter Kogler gestalteten) CeMM sogar eigene Räume ein, die „Brain Lounge“ zum Beispiel.

 

„Künstler sind kritisch und unverschämt“

Wird die Kunst Brutstätte neuer Universalgenies à la Leonardo? Ist sie pure Verschwendung? Superti-Furga hat dafür Goethe parat: „Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst.“ Alle interdisziplinären Zugänge, meint er, sind sinnvoll: „Wir brauchen neue Denkweisen. Künstler eignen sich perfekt dazu, sind meist wissenschaftlich sehr beflissen, verstehen viel und sind dabei kritisch und unverschämt. Von ihnen bekommt man meist ein interessanteres Feedback als von Fachkollegen.“ Künstlerisches Interesse ist für Superti-Furga geradezu Gradmesser: „Wenn unsere Forschung nicht gesellschaftsrelevant wäre, würde sie Künstler auch nicht berühren.“

Thomas Feuerstein (1968 in Tirol geboren) ist einer der Künstler, die Superti-Furga „zum Denken bringen“. Seine „Viren“-Bilder etwa haben für den Forscher etwas „mit dem Geheimnis der Viren zu tun – sie sind unheimlich, keine wirklichen Lebewesen, aber Teil von uns, manipulieren uns“. Entstanden sind die Bilder 2007 durch ein Computerprogramm, mit dem Feuerstein das Phänomen der „Apophänie“ für sich untersuchen wollte, das Erkennen bedeutsamer Muster in zufälligen Strukturen, also das Gesicht auf dem Mond zum Beispiel. Die bedrohlich runden Geschwader bilden also keine Viren ab, wir erkennen sie nur als solche. Feuerstein kreist mit seinen Projekten immer wieder um naturwissenschaftliche, vor allem biochemische Forschungen. In der Kunsthalle Krems wird er im Herbst gemeinsam mit der Med-Uni Innsbruck eine „prozessuale Skulptur“ zeigen, die u. a. auch Gehirnzellen in einem Bioreaktor wachsen lässt, erzählt er.

Der Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft ist für ihn allerdings nur fruchtbar, „wenn eine Disziplin für die andere nicht nur Hilfswerkzeug ist, sondern es überraschende Momente gibt“. Er wisse zwar am Anfang immer ganz genau, was er von den Wissenschaftlern wolle, „die aber nicht. Am Anfang bin ich der Parasit. Am Ende ist es dann manchmal umgekehrt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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5 Kommentare
Gast: Linker Pirat
20.07.2012 11:31
4 0

Uwe, geh in Häfen!

Im Politik-Bereich würde ich von der FPÖ rotgestrichelt werden, aber im Wissenschaftsbereich werde ich wohl mehr grüne als rote Striche bekommen.
Wetten?

Virus, m.

Sicher wäre es von Vorteil, den Virus im Titel seiner Männlichkeit nicht zu berauben.

Gast: GEFE
19.07.2012 10:42
0 3

Künstler

Vollkommen überbewertete Spezies.

Gast: Kunst und Wissenschaft
19.07.2012 03:09
2 0

Wissenschaft und Kunst

Kunst wäre es wenn die Viren dargestellt werden wie diese den Menschen zu zerstören beginnen, derartige Provoziert, wird abstoßend, moralisch bedenklich.

Wenn Anton Zeilinger über Kunst redet wird es wohl so sein, jede Grenze zu durchbrechen um auch das Unmöglichste darzustellen.

Kunst ist nicht Frei, moralische und gesetzliche Grenzen beschneiden die Kunst sogar sehr massiv.

Wenn ein Quant oder Virus genau das macht, das dem Künstler verboten ist darzustellen, ist die künstlerische Darstellung der Wissenschaft zu verbieten , oder ist gezwungen die Freiheit der Kunst grenzenlos werden zu lassen.

Die grenzenlose Inspiration von Kunst und Wissenschaft wird gegenseitig inspirieren.

Merksatz: Zensur, Gedankenkontrolle und Schutzwesen schädigen Nachhaltig sowohl die Wissenschaft als auch die Kunst, in letzter Konsequenz wird beides unter diesen Regeln ohne Wert und Bedeutungslos werden.

Real als Beispiel, Zensur, Schnellöschanträge, Irrelevants sowie Copyright stören Werke wie Wikipedia nicht nur, der fortschreitende Virus wird dieses Werk letztendlich sowohl für die Wissenschaft als auch für die Kunst bedeutungslos werden lassen, für die sich dann auch der normalsterbliche Mensch nicht mehr interessiert. (Realere Beispiele kann ich aus auferlegten rechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht bringen.)

Da sind sie wieder, die die Spiegler-Geschwader.

"Geschwader" verschwindet einfach nicht aus dem Spieglerischen Repertoire.

Folge drei: Ein Geschwader ist ein Verband von Flugzeugen. Es hat nichts zu tun mit Schwaden Schlieren und Geschwurbel.