Österreich rühmt sich gern damit, Spendenweltmeister zu sein. In einem Punkt, nämlich bei Zuwendungen Privater für die Grundlagenforschung, stimmt das sicher nicht: Im Vergleich zu Spenden an Tierschutz- oder Sozialeinrichtungen sind die Zuwendungen für die Wissenschaft marginal. Laut Statistik wurden 2009 nur 7,1 Millionen Euro für Forschungszwecke an die Steuerbehörden gemeldet. Zum Vergleich: In Deutschland flossen zuletzt 276 Millionen Euro von Stiftungen an Universitäten. Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen unternehmen in letzter Zeit große Anstrengungen, um mehr Mittel von Privaten zu akquirieren – die Notwendigkeit wurde erst in der vergangenen Woche von Wifo-Chef Karl Aiginger bekräftigt.
Seit einem Jahr ist auch der Wissenschaftsfonds FWF diesbezüglich aktiv. „Wir suchen nicht nur nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, sondern hoffen auch, durch prominente Unterstützung die Grundlagenforschung als gesellschaftliches Anliegen zu verankern“, erläutert FWF-Präsident Christoph Kratky. Dabei gebe es „dicke Bretter zu bohren“, sagt der ehemalige FWF-Geschäftsführer Gerhard Kratky, der als Konsulent die Fundraising-Aktivitäten des Wissenschaftsfonds betreut.
Er berichtet, dass er bei möglichen Mäzenen durchaus auf Interesse stoße, dass aber „Spendenaktive“ bereits im Sozial- und Kulturbereich engagiert seien und zudem die steuerlichen Rahmenbedingungen in Österreich viel schlechter als etwa in Deutschland seien. Der FWF beteiligt sich als einzige Forschungsorganisation derzeit an der Aktion „vergissmeinnicht.at“ des Fundraising-Verbands, die auf die Möglichkeiten aufmerksam macht, wie man per Testament gemeinnützige Organisationen unterstützen kann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)
