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Frauen und Kinder zuerst? Ach was, der Kapitän will leben!

30.07.2012 | 22:09 |  von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Beim Schiffsuntergang ist die Überlebenschance von Frauen nur halb so hoch wie die von Männern. Die Titanic war die Ausnahme. Wichtig ist das Verhalten des absoluten Herrschers an Bord eines Schiffs, des Kapitäns.

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Der Mythos der Titanic speist sich nicht zuletzt von den Szenen, die sich kurz vor dem Untergang am 15. April 1912 an Bord abgespielt haben: Viele Männer traten zurück und taten, wie der Kapitän es befohlen hatte: „Women and children first!“ So kam es, dass 70 Prozent der Frauen und Kinder überlebten, aber nur 20 Prozent der Männer, das „ungeschriebene Gesetz der See“ hatte seine Kraft bewiesen.

Aber die Titanic war die Ausnahme, darauf deutete schon der Untergang der Lusitania 1915, Männer und Mannschaft drängten sich vor. Diese beiden Fälle waren bisher die einzigen analysierten, man hielt die Titanic für die Regel und die Lusitania für die Ausnahme (und erklärte diese etwa damit, dass die Lusitania sehr rasch sank, in 20 Minuten, auf der Titanic blieben zwei Stunden, um der Panik Herr zu werden). Aber das wäre schon ein Mirakel: Zwar sind Menschen durchaus hilfsbereit und altruistisch, sie spenden etwa Blut und Organe; und diese Solidarität ist obendrein geschlechtsspezifisch: Männer eilen eher in akuten Notlagen zu Hilfe, Frauen eher zur lang dauernden Versorgung. Aber wenn es ums nackte Überleben geht, sieht es anders aus, das zeigt Mikael Elinder (Uppsala), er hat 18 Schiffsuntergänge analysiert – von 1852 bis 2011, insgesamt 15.000 Menschen an Bord – und die verschiedensten Hypothesen über das Verhalten in Todesnot getestet, etwa die, dass viel davon abhängt, wie rasch ein Schiff sinkt.

Titanic: Schüsse auf drängelnde Männer

Das ist falsch. Wichtiger ist das Verhalten des absoluten Herrschers an Bord eines Schiffs, des Kapitäns: Kommt sein „Frauen und Kinder zuerst“ wie auf der Titanic, und wird es von der Mannschaft auch durchgesetzt wie dort – mit Schüssen auf vordrängende Männer –, dann steigen die Chancen der Frauen (die der Kinder nicht). Wenn nicht, werden sie noch schlechter, dann setzen sich die Kräftigeren durch, die Männer, vor allem die der Besatzung: Im Durchschnitt der 18 Havarien war die Überlebenschance der Frauen gerade halb so hoch wie die der Männer, und die höchsten Chancen von allen hatten die Besatzungsmitglieder (Pnas, 30. 7.).

Und von denen, die zuallerletzt gehen sollten, gingen nur neun mit ihren Schiffen unter, die restlichen sieben retteten sich zuerst wie der Kapitän der Costa Concordia. Naja, das war ja auch ein Italiener, die Briten sind die Helden der Selbstlosigkeit, auch das gehört zum Titanic-Mythos. Ach was: Auf Schiffen voller Briten haben Frauen die schlechtesten Chancen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31. Juli 2012)

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18 Kommentare

kapitän als erster

er ist der wichtigste mann... er bekommt am meisten geld... sowas muß gerettet werden....
koste es was es wolle...

Eigentlich haben Sie absolut recht!

Die Analogie dazu sind Piloten, da die Ausbildung Unsummen verschlingt bekamen sie auch einen Schleudersitz.

Re: Eigentlich haben Sie absolut recht!

...habs eigentlich tief sarkastisch gemeint, kann auch sein das es in die kapitäns hose gegangen is

Gast: Genderfree
03.08.2012 15:12
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Im Zeichen der Gleichberechtigung

Im Zeichen der Gleichberechtigung und Genderisierung sollte das kein Thema mehr sein, die Feministen wollten das so und es gibt kein Ladies first mehr - daher rette sich wer kann!!!

Gast: Linker Pirat
02.08.2012 14:29
0 0

Plusminus...

...hundert Jahre, ist ja nichts dabei.

Der Selbsterhaltungstrieb,...

...also der Wille zu überleben, ist der Stärkste Trieb von allen. Auf ihm beruhen viele andere, wie auch der Sexualtrieb. Aber, der Geist vermag sie alle zu überwinden.

Gast: Ein Ätzer
31.07.2012 13:17
3 0

Rechnen ist etwas anderes

Neun Kapitäne gingen mit ihren Schiffen unter, sieben haben überlebt.

Soviel zur Vollständigkeit der Studie. Oder der Aufmerksamkeit des Lektors dieses Beitrags.

Oder gibt bei der Presse keine Lektoren mehr? Daß erst die Leser der zweiten Stunde einen annehmbaren Text zu sehen bekommen, spricht leider dafür...

Re: Rechnen ist etwas anderes

Sind Sie sexistisch? Wennschon, dennschon: LektorInnen ;-))

1 0

Re: Rechnen ist etwas anderes

tuns bitte icht matschkern, die Kosten für die hier geschilderte Binsenwahrheit .. Studie - bei Fachleuten -also auch b. jedem Klein-Yacht-Eigner - wohl bekannt.
Unnötiger Bericht in der Presse (saure Gurken- Zeit)

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Kind und Mann zuerst

Wichtig sind die Kinder und nicht die Frauen. Da die Überlebenschance von Kinder die in Not geraten bei einem Mann steigen, sollten Kinder den Vätern überlassen werden.

Und nur weil die Überlebenschance von Frauen angeblich nur halb so hoch ist, bedeutet das noch lange nicht den Männern gar keine Chance zu geben.

Jedenfalls erwarte ich, dass nie auf einen Mann geschossen, damit eine Frau überlebt!

Kind + Mann, Frau - genau in der Reihenfolge.

Re: Kind und Mann zuerst

Kinder lassen sich aber leichter durch neue ersetzen.

Antworten Gast: Grauwolf
01.08.2012 11:21
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Re: Kind und Mann zuerst

Danke für Ihre köstliche Satire auf die Haltung archaischer Möchtegernsozialdarwinisten!
Hinreissend!

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Re: Kind und Mann zuerst

analog weiter: wer soll die Überlebenden erhalten?

Gast: Über Katastrophen!
31.07.2012 00:08
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Der Mensch wird zum Tier, jedes andere Verhalten ist denen vorbehalten die sich Alphamenschen nennen dürfen.

Katastrophen haben ihre eigene Regeln, nämlich keine, und jede ist vollkommen anders, das beginnt bei Autounfällen und endet bei Großkatastrophen wie Tschernobyl und Fukoshima, irgendwo dazwischen sind Flugzeuge und Schiffe...

Persönlich kann ich meinen Erfahrungen auf 5 schwerere Unfälle beziehen, ob und wie ich mich in einem 6. Fall verhalte wissen die die Götter alleine.

Zwei Dinge bringen mich in Zorn, Erste-Hilfe Kurse in steriler Umgebung und die Tintenburg in Wien unter dem Motto wird schon nix passieren, das war zumindest die Antwort auf drei Eingaben bei der Berufsfeuerwehr und dem Büro für Sofortmaßnahmen, und mehr kann eine Zivilperson nicht machen.

Auf die Studie zurückkommend, es brauch mehr als den Kapitän, es braucht Personal das bedienungslos hinter ihm steht, das wiederum geht nur dann wenn das Betriebsklima stimmt, der Gehalt stimmt, und auch die zumindest moralisch Vorbereitung auf den schlimmsten Fall, ein Grundübel unserer Zeit wo selbst kostenlos noch zu teuer ist. Dazu noch die Fähigkeit jede Vorschrift und jede Regel zu hinerfragen und auch absurdeste Entscheidungen treffen zu können.

Letzteres wäre bei der Titanic gewesen, entweder den Eisberg frontal anzufahren, oder danach alle Schotten zu öffnen, in beiden Fällen wäre das Schiff nicht untergegangen, beides gegen jede Regel und jeder Norm.

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Re: Der Mensch wird zum Tier, jedes andere Verhalten ist denen vorbehalten die sich Alphamenschen nennen dürfen.

"Dazu noch die Fähigkeit jede Vorschrift und jede Regel zu hinerfragen und auch absurdeste Entscheidungen treffen zu können." Dazu haben Sie bei einer Schiffshavarie keine Zeit, bis dahin ist der Kahn abgesoffen. Und gerade zum Verhalten des Titanic-Steuermanns gibt es genug Studien, die zu dem Schluß kommen, dass sein Verhalten der Situation angemessen war. Es blieb ja - dank geschlossener Schotten - genug Zeit, die Rettungsboote zu besteigen. Nur waren halt zu wenige davon vorhanden.

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Liebes Presseteam...

.. Ich denke doch , dass die Behauptung die Titanic sei erst vor 4 monaten gesunken, etwad weit ergeholt ist ;)

Gast: Nissiu8
30.07.2012 22:30
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Was solls

im Zeitalter der Gleichberechtigung und Überbevölkerung ist das auch nicht mehr zu erwarten.

Das Leben einmalig und daher viel zu kostbar, um es für Fremde wegzuschmeissen.

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2012?

"...die sich kurz vor dem Untergang am 5. April 2012 an Bord abgespielt haben..."