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„Fluch der Mütter“ bringt Männern ein kürzeres Leben

02.08.2012 | 20:00 |  von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Die Gene, die nur von Müttern vererbt werden – die mitochondrialen – könnten hinter der verschiedenen Lebenserwartung der Geschlechter stehen.

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Wer anno 2010 in Deutschland als Bursche geboren wurde, hatte durchschnittlich 77 Jahre und zwei Monate vor sich, bei den Mädchen waren es 82 Jahre und vier Monate, das ist weltweit nicht anders, auch im übrigen Säugetierreich werden die Weibchen meist älter als die Männchen. Wo kommt er her, dieser gar nicht so kleine Unterschied? Und warum werden ausgerechnet die Frauen älter, die sich viel mehr verausgaben, wenn sie Kinder tragen, gebären und nähren?

Viel liegt an der Lebensweise. Frauen achten mehr auf Gesundheit, rauchen und trinken nicht so viel, gehen weniger Risiken ein und erleiden in ihrer Arbeit weniger Unfälle. So kommt es, dass ihre Sterblichkeit im Alter von 20 bis 70 Jahren nur halb so groß ist wie die der Männer. Aber das erklärt nicht die ganze Differenz, auch Hormone spielen mit, bei Männern das Testosteron, es steht hinter der erhöhten Risikobereitschaft, es verkürzt das Leben zudem direkt, fördert Arteriosklerose und Thrombosen. Die weiblichen Östrogene hingegen schützen vor Herz- und Schlaganfällen – sie beeinflussen das Cholesterin –, sie stärken auch das Immunsystem.

Aber auch das erklärt nicht alles, manches liegt wohl schlicht an den Genen, und zwar zunächst daran, dass Frauen zwei X-Chromosomen haben, Männer hingegen ein X und ein Y. Auf Letzterem ist kaum Information – außer der über das Geschlecht –, deshalb können seine Gene nicht aushelfen, wenn auf dem einen X Schäden auftreten. Bei Frauen hingegen kann dann das zweite X einspringen. Bei Vögeln läuft die Geschlechtsbestimmung anders herum, Weibchen haben ein W- und ein Z-Chromosom, Männchen zwei Z, das beschert den Männchen ein längeres Leben.

Selektionsdruck nur bei Frauen

Aber das ist immer noch nicht alles: Damian Dowling, Monash University, Clayton, Australien, ist der Hypothese vom „Fluch der Mütter“ nachgegangen, „Mother's Curse“. Der trifft die Söhne, und auch der steckt in den Genen. Aber nicht in den vielen auf den Chromosomen, die im Zellkern sitzen. Sondern in den ganz wenigen der Mitochondrien, das sind die Zellkraftwerke. Diese Gene bekommen wir nur von den Müttern, nicht von den Vätern, sie liefern allenfalls verschwindende Anteile, es ist umstritten.

Deshalb werden Fehler, die in diesen Genen auftreten, von der Evolution auch nur in Frauen korrigiert, in ihren Körpern setzt die Selektion an und beseitigt die Mutationen – bzw. ihre Trägerinnen –, die sich verderblich auf weibliche Körper auswirken. Die, die vorrangig die Männer treffen, bleiben. Soweit die Hypothese, geprüft hat sie Dowling an Fruchtfliegen, 13 verschiedene Varianten aus aller Welt hat man über mehrere Generationen unter Bedingungen heranreifen lassen, in denen alle Umweltvariablen kontrolliert wurden, vom Futter bis zum Heiratsalter der Eltern.

Das Bild war klar: Männchen lebten im Durchschnitt 49,21 Tage, Weibchen 61,25. Sie hatten natürlich alle die gleichen Mutationen – sie werden ja nur von Weibchen weitergereicht –, aber die verkürzten die Leben der Männchen (Current Biology, 2. 8.). „Wenn eine mitochondriale Mutation auftritt, die den Männchen schadet, aber nicht den Weibchen, kann sie durch das Sieb der Selektion schlüpfen. Und über tausende Generationen können sich so viele kleine Mutationen anhäufen, die nur Männchen schaden“, schließt Dowling.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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5 Kommentare
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Kennt der gute Mann die Klosterstudie nicht?

Da kommen die Männer bei der Lebenserwartung auf ein Jahr Unterschied an die Frauen heran. Und der Grund? Das beschauliche Leben ohne Wettbewerb.

http://de.wikipedia.org/wiki/Klosterstudie

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Re: Kennt der gute Mann die Klosterstudie nicht?

Sehr interessant, danke fuer den link!

Gast: Messalina-X
03.08.2012 07:17
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"Jopie" Heesters widerlegte diese These!

Antworten Gast: Sternsinger
03.08.2012 07:39
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Re:

Sie sollten lieber das Posten bleiben lassen wenn sie keine Ahnung von Statistik haben...

Antworten Antworten Gast: Messalina-X
04.08.2012 02:37
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Re: Re:

Lieber Kaspar, sagen Sie mir bitte, warum ich mich für Statistiken interessieren sollte, wenn die theoretische Möglichkeit besteht, dass ich 120 Jahre alt werden könnte, hm?
Ihrer Logik zufolge müsste ich mir ja dann auch Sorgen machen, weil einer von 100.000 Menschen vom Blitz erschlagen wird - das ist eben die umgekehrte Logik. Ob Sie das nun verstanden haben, wage ich zwar zu bezweifeln, aber ich hab's halt versucht Ihnen etwas näher zu bringen. In diesem Sinne.