Elefanten trompeten nicht nur, sie geben auch Töne von sich, die wir gerade noch hören können, sie sind tief, fast Infraschall, um die 20 Hertz, am unteren Ende unserer Wahrnehmung. Das passt zwar gut ins generelle Bild des Lautgebens – „kleine Tiere, hohe Töne, große Tiere, tiefe Töne“, erklärt Kognitionsbiologe Christian Herbst (Uni Wien) –, aber bisher war völlig unklar, wie diese Töne erzeugt werden. Zwei Wege hat die Evolution bei den Säugetieren herausgearbeitet, sie führen beide durch den Kehlkopf, der zunächst zu ganz anderen Zwecken erfunden worden ist: Er war die letzte Verteidigungslinie der Lunge gegen eindringende Gegenstände, dort konnte die Luftröhre geschlossen werden, mit Gewebsfalten, aus denen sich später die Stimmlippen entwickelten.
Weithin hörbare Stimmen
Die können entweder einfach aus der Lunge heraus angeblasen werden – wie Blasinstrumente –, oder sie werden von eigenen Muskeln ins Schwingen gebracht. Letzteres tun Katzen, wenn sie schnurren und die für ihre kleinen Körper frappant tiefen Töne erzeugen. Sie haben die gleichen 20 Hertz wie die der Elefanten, sind natürlich viel leiser; die Elefantenbrust mit ihren Muskeln bringt bis zu 117 Dezibel auf einen Meter Entfernung – eine Kettensäge lässt aus der gleichen Distanz milde 110 erschallen. Das muss sie auch, sie dient der Fernkommunikation, hält Herden auf zehn Kilometer zusammen.
Aber wie tun es endlich die Elefanten, so wie die Katzen oder so wie wir, die wir nur anblasen, ohne Muskelaktivitäten im Kehlkopf? Einfach ins offene Maul schauen kann man ihnen nicht – Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und ihre Patienten wissen, welche Prozedur ein Blick auf den Kehlkopf schon bei Menschen sein kann –, deshalb hat Herbst einen präparierten Elefanten-Kehlkopf mit ins Labor genommen und Luft hineingeblasen. Die Töne kamen, das zeigt, dass Elefanten anblasen wie wir, funktionsfähige Muskeln bzw. Nerven gab es an dem Präparat natürlich nicht (Science, 337, S. 595). „Damit haben wir erstmals Evidenz für die Stimmproduktion der Elefanten erbracht“, schließt Herbst. Allerdings kann er nicht ausschließen, dass Elefanten außerdem auch den Muskeltrick der Katzen beherrschen. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)
