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Weniger Nachkommen? Europa stirbt doch nicht aus!

04.08.2012 | 17:52 |  von Martin Kugler (Die Presse)

John Bongaarts und Tomáš Sobotka, ein Tscheche, der am Institut für Demografie der ÖAW forscht, haben herausgefunden, dass sich die Geburtenraten seit 1960 nicht wirklich verändert haben.

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Bei einem schnellen Blick auf die Statistik ist die Sache eigentlich klar – glaubt man zumindest: Zwischen 1960 und 1998 ist in Europa die Zahl der geborenen Kinder pro Frau von 2,6 auf 1,37 gefallen. Im Schnitt halbierte sich also die Geburtenrate. Klar, denkt man sich: Es gibt immer weniger Großfamilien, Frauen verfolgen öfter eigene Karriereziele, als sich wie früher zu „Gebärmaschinen“ degradieren zu lassen, die Zahl der Singles steigt stark an.

Wegen diesen Entwicklungen befürchtete man, dass Europa langfristig ausstirbt – denn laut Adam Riese ist eine Zahl von etwas über zwei Nachkommen pro Frau notwendig, damit die Bevölkerung stabil bleibt (wenn man die Migration außer Acht lässt).


Trendumkehr. Wenn man in der Statistik weitergeht, dann kehrt sich der Trend plötzlich um: Von 1998 bis 2008 ist die Geburtenrate auf 1,56 Kinder pro Frau angestiegen! Dieser Befund ließ viele jubeln – Europa stirbt also doch nicht so schnell aus! Allerdings: Niemand konnte sich den Anstieg der Geburtenrate erklären. Denn von all den Faktoren, mit denen die zuvor sinkende Kinderzahl erklärt wurde, ist kein einziger verschwunden.

Einen Ausweg aus diesem Erklärungsnotstand haben nun zwei Demografen vorgeschlagen: John Bongaarts, ein Holländer, der in den USA beim Population Council arbeitet, und Tomáš Sobotka, ein Tscheche, der am Institut für Demografie der ÖAW forscht, haben herausgefunden, dass sich die Geburtenraten seit 1960 nicht wirklich verändert haben. Das erscheint nur wegen der verwendeten Messmethode so. Konkret: Der jüngste Anstieg der Geburtenrate ist größtenteils ein rein statistischer Effekt – genauso wie auch die Abnahme der Geburtenraten in den Jahrzehnten zuvor (Population and Development Review 38, 1: 83).

Wie kann das sein? Herkömmlicherweise wird die Geburtenrate mit einer Maßzahl namens TFR („Total Fertility Rate“) berechnet. Dabei werden die Fruchtbarkeitsziffern (Kinder pro Frau in einem bestimmten Alter) für alle Altersstufen summiert. Das ist einfach zu berechnen – aber die Sache hat einen Haken: TFR wird systematisch durch zwei Faktoren verzerrt.


Ältere Mütter.
Erstens durch den sogenannten „Tempoeffekt“: In einem Zeitraum, in dem das Alter der Frauen bei der Geburt steigt, kommen statistisch gesehen weniger Kinder auf die Welt. Oder anders formuliert: Die berechneten Geburtenraten sinken, wenn ältere Jahrgänge ihre Kinder bereits bekommen haben und jüngere Jahrgänge mit der Familiengründung noch warten. Das gilt auch dann, wenn die Frauen in ihrem gesamten Leben nicht weniger Kinder bekommen als die vorangegangenen Jahrgänge.

Genau das passiert seit vier Jahrzehnten: Das Alter der Mütter bei ihrer ersten Geburt steigt deutlich an (siehe Grafik). Das hat auch weitreichende medizinische Konsequenzen, weil mit zunehmendem Alter mehr Probleme bei der Schwangerschaft auftreten (siehe Seite 33).

Die zweite Verzerrung der Geburtenrate kommt vom „Paritätseffekt“: Dieser berücksichtigt, wie viele Frauen bereits ein erstes, zweites oder drittes Kind geboren haben. Dadurch wird beziffert, wie viele Frauen noch ein weiteres Kind bekommen könnten.

Bongaarts und Sobotka – Letzterer ist Träger eines der begehrten Preise des Europäischen Forschungsrates (ERC Starting Grant) – haben eine korrigierte Geburtenrate namens „TFRp*“ definiert und die Entwicklung in einigen europäischen Ländern neu analysiert. Ihr Schluss: Die Zahl der Kinder pro Frau blieb eigentlich unverändert. Bis 1998 ist das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt stark gestiegen, daher ist die Geburtenrate in der herkömmlichen Statistik scheinbar gesunken. Im letzten Jahrzehnt hat sich der Trend, dass die Mütter bei der Geburt immer älter werden, aber abgeschwächt – und das hat sich in steigenden Geburtenraten niedergeschlagen.

Die beiden Forscher erwarten, dass sich die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau in nächster Zeit bei 1,74 einpendeln wird. Das ist zwar zu wenig, damit die Bevölkerung Europas stabil bleibt. Aber dieser Wert ist deutlich ermutigender als der frühere Wert von 1,39 – bei dem die Europäer tatsächlich bald eine aussterbende Spezies gewesen wären.

(c) Die Presse / HR

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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41 Kommentare
 
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Europa stirbt eh nicht aus

- aber die Europaeer sterben aus.

Die übliche mediale Verblödung!


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Re: Die übliche mediale Verblödung!

siehe Arbeitslosenanstieg um 8,x% gegenüber dem Vojahr aber in der Eurozone doch bestes Ergebniss ..... !

Wer soll das denn noch erfassen und nachvollziehen können (dürfen) ???

Oder die reale Staatsverschuldung, welche ja auch von vielen beinahe unzähligen Faktoren abhängt wie sie berechnet werden darf .... !

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Wann findet die Trauerfeier statt?


Wieder haben Wissenschafter ihre Liebe zur Statistik gefunden. Man kennt den Scherz: Wenn im Bus 3 Leute sitzen und 5 aussteigen, dann müssen 2 einsteigen, damit der Bus leer ist.
So ist es mit allen Zahlen, die man als selbsterkannter Genius ins Volk streut.
Es würde vollkommen reichen, wenn man den mittlerweile als Tatsache erkannten Umstand so beschreibt: Männern und Frauen ist Freiheit, Verwirklichung, keine Verantwortung, finanzielle Sicherheit wichtiger als der Fortbestand der eigenen Gene. Und hört mir auf mit ...Kinder kann man sich heute nicht mehr leisten ... Können würde man schon, nur wollen tät man nicht.

Re: Wann findet die Trauerfeier statt?

Ich finde das eigentlich gar nicht so schlecht. Wenn ich mir anschaue, wer so alles Kinder hat und überhaupt nichts mit ihnen anzufangen weiß - da wäre mir lieber, es gibt weniger Kinder und diese Leute würden auf Kinder verzichten.

Antworten Gast: Laubfrosch
05.08.2012 01:52
3 0

Wissenschaftler?

Diese Bezeichnung "Wissenschaftler" steht immer noch für ehrenwerte Intellektuelle Leistungen. Was hier an Zahlen und Schlussfolgerung präsentiert wird ist nurmehr als bewusste Volksverdummung zu bezeichnen. Solche einfachen Zahlen, wie die Geburtenrate, statistisch kompliziert darzustellen, um alle Schlussfolgerungen der letzten Jahrzehnte als grossen Irrtum zu bezeichnen und dann das noch Gegenteil behaupten zu können, ist eine Beleidigung jedes einzelnen. Ich frage mich, was hier sonst noch alles so verfälscht wird, wo es nicht ganz so offensichtlich ist!

Gast: Judas Ben Hur
04.08.2012 23:37
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Lol! Seit 40 Jahren erzählt man uns, dass die Geburtenrate zu gering ist, aber in jedem einzelnen europäischen Land nimmt die Einwohnerzahl zu!

Und jetzt mach ich mal einen nicht auf Adam Riese sondern einen auf common sense: Der Europäer hat - wissenschaftlich erwiesen - zu wenig Nachwuchs, aber die Einwohnerzahlen steigen stetig - na, was bedeutet das, hm?

Antworten Gast: Gast468
05.08.2012 16:39
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Re: Lol! Seit 40 Jahren erzählt man uns, dass die Geburtenrate zu gering ist, aber in jedem einzelnen europäischen Land nimmt die Einwohnerzahl zu!

Zunächst: haben Sie den artikel gelesen, die Geburtenrate sinkt eben nicht in dem befürchteten Ausmass.... Zu ihrer Frage: es bedeutet, dass die Befürchtung, dass die europäische Bevölkerung schrumpft, auch dank Zuwanderung unbegründet ist. Vielleicht wird manchen irgendwann mal klar, dass Europa solange eine Zuwanderungsregion ist, solange sie attraktiv ist. Und in Europa schnurrt nach wie vor die Wirtschaft (auch wenn viele Arschlöcher Aktienkurse=Spekulationsindices mit Produktivität=eine Firma hat die Fähigkeit, etwas brauchbares zu produzieren) verwechseln. Und zu diesen Mitteln gehören auch genug Mitarbeiter, die eine solche Infrastruktur bedienen (achja: und auch in ein Pensionssystem einzahlen).

Gast: Halloooo
04.08.2012 19:55
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Da hat wieder einer in seinem stillen Kämmerchen gerechnet, und einen schweren Rechenfehler gemacht. Er sollte sich mal Zahlen vor 1960 besorgen, vor Erfindung der Anti-Baby-Pille und der Fristenlösung.
Der Man soll mal auf die Straße gehen und nachschauen wie viel Kinder in den Schulen sich befinden und warum einige geschlossen wurden, wie leer die Spielplätze sind. Sicher bekommen die Mütter ihre Kinder Später aber es ist sehr oft nur EINES in ihrem ganzen Leben, wenn überhaupt.
Wie ich schon einige mahle geschrieben habe, liegt der Geburtenrückgang in erster Linie daran, dass es jetzt die Anti-Baby-Pille und die Fristenlösung gibt. Vor dem gab es viele im jeweiligen Zeitpunkt ungewollte Kinder, die dann aber doch mit Liebe aufgezogen wurden. Der Sex war damals um vieles „gefährlicher“ als heute. Es kam sehr sehr oft zu ungewollter Schwangerschaft. Wer Geld hatte machte jedoch eine illegale Abtreibung. Die aller meisten Paare nahmen aber die Aufgabe an.
Ohne Zuzug aus dem Ausland schaut es traurig aus. In der Werbung „Familie mit Kind“ ist fast immer nur EIN Kind dabei.
Die Wohnungssituation für Familien mit mehreren Kindern ist auch echt schwierig. In den Parks gibt es mehr Spaziergänger mit Hunden, 2 oder 3 oftmals, den mit Kindern.

Re: ---

Ich denke, es liegt ehem am "Karrieredruck" für viele Frauen. Gutverdienende Frauen sehen ein Kind heute einfach als "Karrierekiller". Deshalb das kind spät, wenn überhaupt.

Antworten Antworten Gast: Zenzine
05.08.2012 15:36
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Re: Re: ---

Das ist noch nicht alles. Kinder hat man sein ganzes Leben lang. Und viele Menschen (immer mehr) wollen sich die Verantwortung für ein anderes Lebewesen einfach nicht mehr antun.

Viele Menschen halten ja nicht mal mehr Haustiere, weil ihnen die Verantwortung zuviel ist. Beziehungen dauern nur mehr ein paar Jahre, wenn überhaupt. Wie soll man dann Kinder aufziehen?

Antworten Antworten Antworten Gast: John Doe-
05.08.2012 21:29
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Re: Re: Re: ---

Sie beschreiben unbewusst sehr schön die Gründe, warum Europäer zu wenig Nachwuchs haben. Sie machen sich einfach zu viele Gedanken. Darum hat Sarrazin auch in seinem Buch geschrieben, dass sich die Unterschicht überproportional fortpflanzt im Gegensatz zur Oberschicht und darum Deutschland immer dümmer wird.

Gast: Totzi H
04.08.2012 19:29
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Der Europäer ist schon längst ausgestorben

Die neuen Europäer sind die Migranten aus dem Orient, die nicht nur eine höhere Geburtenrate aufweisen, sondern auch dank unserer Gesetze mit dem Familiennachzug in ihrer Anzahl rasant zunehmen.

Re: Der Europäer ist schon längst ausgestorben

Und in der Zukunft unsere Kultur zerstören werden.

Antworten Gast: Be-obachter
05.08.2012 10:16
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Re: Der Europäer ist schon längst ausgestorben

Das sind eben die Leute, die die Wirtschaft braucht.
In naher Zukunft werden die Wirtschaftsbosse eben andere Ethnien ausbeuten müssen.
Fassl die sich ebenso bereitwillig ausbeuten lassen wie wir.

Sehr wahrscheinlich wird es aber nach einiger Zeit auch in Europa zu einem "türkisch-arabischen "Frühling" kommen, und die Unternehmer werden Hals über Kopf reissaus nehmen müssen....

Antworten Antworten Gast: Frühlingsdüfte
05.08.2012 19:18
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Re: Re: Der Europäer ist schon längst ausgestorben

Zuwenig erfährt man, wie viele Unternehmen in arabischer Hand sind. Und wenn die TK nach dem EU-beitritt die europäische Wirtschaftskraft beflügelt haben wird, dann "hat diese Region das Potential, die ganze Welt zu gestalten".
13.01.2011 | 12:34 | (DiePresse.com).
Keine Sorge, das Leben geht weiter.

 
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