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Äste haben andere Gene als Wurzeln

17.08.2012 | 18:30 |   (Die Presse)

Unterschiedliche Gewebe ein und desselben Baums tragen verschiedene Genvarianten.

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Pflanzen sind nicht so heikel, wenn es um Fremde geht: Während das Immunsystem von Tieren über jeden Eindringling („Antigen“) herfällt, toleriert die Abwehr der Pflanzen viel: fremde Gene und Proteine. Das macht sich seit alters her die Hortikultur zunutze, beim Propfen, das auf irgendeinem Holz wertvolle Früchte gedeihen lässt. Aber das gibt es auch in der Natur, Kenn Paige, Evolutionsbiologe an der University of Illinois, hat es an Pappeln bemerkt (Populus trichcarpa). Deren Genom wurde 2006 sequenziert, es war das erste eines Baums, und es war nicht die ganze Wahrheit: Paige hat verschiedene Gewebe sequenziert, das von den höchsten Knospen, das von den tiefsten Ästen, das von den Wurzeln. In jedem fanden sich – bei ein und demselben Baum – andere Genvarianten. Zudem ist es von Baum zu Baum unterschiedlich, bei einem waren die Knospen enger mit den Wurzeln verwandt, bei einem anderen die Zweige. Pflanzengenetiker können also nicht einfach irgendein Blatt nehmen, erklärt Paiges Mitarbeiter Brett Olds: „Man braucht verschiedene Gewebe.“ (Naturenews, 10.8.) Ähnliches hat man im Frühjahr schon in der Medizin bemerkt: Ein Tumor kann sich in verschiedenen Körperregionen anders entwickeln, eine Biopsie nur an einer Stelle gibt ein verengtes Bild. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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