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Indoeuropäische Sprachen stammen aus Anatolien

23.08.2012 | 16:57 |  Von Thomas Kramar (Die Presse)

Die Mutter der meisten Sprachen Europas wurde vor 9500 bis 8000 Jahren von Bauern in der heutigen Türkei gesprochen.

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Sprache sei „a virus from outer space“, sagte William S. Burroughs. Mit dieser Definition ist wohl kein Linguist einverstanden, aber das Bild des Virus hat seine Reize: Man kann die Änderungen von Wörtern im Lauf der Zeit mit zufälligen Mutationen eines Virus vergleichen, auch in dieser Evolution spielt geografische Trennung von Populationen eine Rolle. Und schon Charles Darwin hatte im „Descent Of Man“ bemerkt, dass die Belege für die Evolution der Arten und jener der Sprachen „seltsam parallel“ seien.

So verglichen Sprachforscher um Remco Bouckaert (Auckland, Neuseeland) Wörter aus 103 lebenden und toten indoeuropäischen Sprachen und erstellten einen Stammbaum. Ein Beispiel ist das Wort für „Mutter“: Auf Englisch heißt es „mother“, auf Spanisch „madre“, auf Persisch „madar“. All diese Formen müssen sich aus einem indoeuropäischen „Urwort“ entwickelt haben, so wie alle indoeuropäischen Sprachen aus einem Ur-Indoeuropäisch.

Doch nicht aus der russischen Steppe

Aber wo wurde dieses gesprochen? Für dieses „widerspenstigste Problem“ der historischen Linguistik, wie es Jared Diamond nannte, gibt es zwei Lösungsvorschläge. Die Steppen-Hypothese siedelt den Ursprung nördlich des Kaspischen Meeres in der russischen Steppe an, von dort hätten sich vor 6000 bis 5000 Jahren halbnomadisch lebende Viehhalter der „Kurgan-Kultur“ ausgebreitet, und mit ihnen ihre Sprache.

Die alternative Hypothese sieht Anatolien als Urheimat. Von dort hätten sich die indoeuropäischen Sprachen vor 9500 bis 8000 Jahren zusammen mit Landwirtschaft und bäuerlicher Lebensweise ausgebreitet. Die australischen Forscher –  die ja selbst die heute verbreitetste indoeuropäische Sprache, Englisch, sprechen – leiten aus ihren Stammbäumen ab, dass diese Hypothese plausibler ist (Science, 337, S. 960). Weiters sagen sie: Vor 6000 bis 4000 Jahren haben sich die fünf großen Unterfamilien des Indoeuropäischen gebildet: Keltisch, Italisch, Germanisch, Balto-Slawisch, Indo-Iranisch. (Daneben entstanden kleinere Gruppen wie Albanisch, Griechisch, Armenisch, Tocharisch, Anatolisch.) Die Aufspaltung einer italischen Sprache, des Lateinischen, in die romanischen Sprachen, die nach Ende des Römischen Reichs passierte, ist besonders gut studiert: Sie diente den Linguisten als erster Testfall für ihr Modell.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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29 Kommentare
 
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Gast: Be-obachter
27.08.2012 20:28
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von Bauern in der heutigen Türkei

No na! Ob Bauern oder sonstwas, können die Linguisten wohl kaum beweisen.
Da aber jedes Volk irgendwie Nahrung und Gebrauchsgüter benötigt, werden es wohl Bauern UND Handwerker UND Kaufleute gewesen sein, die irgend eine Indogermanische Sprache gesprochen haben. Vielleicht die frühen Hethiter?

Die Türken waren zu dieser Zeit jedenfalls noch nicht als Volk bekannt, und schon gar nicht in Anatolien.
Nur damit es keine Mißverständnisse gibt...

Gast: Es ist alles sehr kompliziert
25.08.2012 13:06
1 1

Ich hab' mir gleich gedacht, daß wir alle Türken sind!

Aber ich kann mich noch genau erinnern wie der Kreisky gesagt hat: "Wir sind alle Kelten".
Aber wahrscheinlich waren die Kelten auch schon Türken......

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Re: Ich hab' mir gleich gedacht, daß wir alle Türken sind!

nein, aber sie waren in der Gegend, die heute Türkei ist,
wären heute eine unterdrückte Volksgruppe.

Wenn man noch weiter zurück geht...

...sprachen unsere Vorfahren in etwa so: Ugah, ugah......

...und trommelten sich dabei auf die Brust.


Gast: Bumin
24.08.2012 14:00
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Imperiale Geschichtsschreibung wird widerlegt werden

Seit Jahren werden seitens der Imperialen Mächte Ausgrabungen in der ganzen Welt gemacht um die Indeuoropäische Sprachfamilie älter und größer zu machen, und eine Rechtfertigung für die Unterdrückung anderer Völker zu haben. Da werden aus Skythen Iraner gemacht und aus Amazonen Griechen, obwohl es keine Beweise für diese Theorien gibt. Ist eine Hochkultur ganz und gar nicht mit der europäischen Sprachfamilie in Verbindung zu bringen, dann ist es eine isolierte Kultur. (siehe Sumerer oder Etrusker). Wenn türkische Wissenschafter beweisen, dass sumerisch bzw etruskische eine mit den Turksprachen verwandte Sprache war, werden sie als Rassisten und unglaubwürdig hingestellt. Aber die indo-europäischen Wissenschaftler germanisieren, romanisieren und hellenisieren die alten Kulturvölker nach Belieben, ohne in die rechte Ecke gestellt zu werden. Den Türken wird ihre wahre Historie gestohlen. Die Türken haben eine viel ältere und ruhmreichere Kultur als die offizielle Geschichtsschreibung vorgibt. Die Türken sieht man gerne als mordende, plündernde asiatische Barbaren, aber die Türken haben eine sprachlche und kulturelle Verwandschaft zu Kulturvölkern wie den Sumerern und den Ethruskern. Und übrigens die Kurgan-Kultur hat nix mit Indo-europäern zu tun, das ist ist eine Ur-türkische Kultur.

Re: Imperiale Geschichtsschreibung wird widerlegt werden

Bitte zuerst logisch denken: "Die Türken sieht man gerne als mordende, plündernde asiatische Barbaren,...". Stimmt. Aber alle großen Herrschaftsgebiete sind so entstanden, hier waren wir alle Brüder: die "Italiker" in Italien, die "Griechen" in Griechenland, die Spanier/Portugiesen/Anglo-Amerikaner in Amerika, die Goten und Franken in Süd- und Westeuropa, die Ungarn in Ostmitteleuropa, die Araber in Nordafrika und weiland in Spanien, die "Deutschen", recte Baiern und Alemannen im alpinen Raum. Und mit ihnen verbreitete(n) sich dann die Sprache(n) - Fortsetzung gefällig?

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Re: Imperiale Geschichtsschreibung wird widerlegt werden

und ein Türke hat Allah beim Urknall die hand an der Abzugsmaschine gehalten.

Antworten Gast: regdio
24.08.2012 19:05
4 0

Re: Imperiale Geschichtsschreibung wird widerlegt werden

Jedes Land oder anderes Stück Erde hat seine Propaganda...

Gast: saubersogi
24.08.2012 11:26
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was dann ganz bibelgemäß mit dem "Paradiesgarten" übereinstimmen sollte


Antworten Gast: Euphrates
24.08.2012 11:36
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Re: was dann ganz bibelgemäß mit dem "Paradiesgarten" übereinstimmen sollte

und diese Sprachen daher nicht aus "Anatolien" stammen, sondern die Überschrift lauten müsste: .. stammen aus dem "Garten Eden", den der wird in dieser Gegend vermutet.

Im Deutschen ...

... sagt man immer noch "indogermanisch" und das Fach heißt "Indogermanistik".

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Re: Im Deutschen ...

da geht es um die Beschreibung der Verbreitung, oder sollte man nun
Kanado-Indisch sagen?

Re: Re: Im Deutschen ...

Unsinn! Der Name wurde zu Anfang des 19. Jhdts. von deutschen Wissenschaftlern geprägt - nach den damals bekannten östlichsten (indoarischen) und westlichsten (germanischen) Sprachen. Da der Begriff "germanisch" im Englischen mehrdeutig ist, ging von dort die Bezeichnung "Indoeuropean" aus, also "indoeuropäisch". Später entdeckte man, dass auch das (westlichere) Keltische und (östlichere) Tocharische zu dieser Sprachfamilie gehört, am Namen hat dies aber nichts geändert. Allerdings sind nicht alle Sprachen Europas indogermanisch, wie v.a. Baskisch, Etruskisch, Finnisch-Ugrisch, Türkisch.

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Re: Re: Re: Im Deutschen ...

damals hat es 'indogermanisch' geheißen, wurde später aber zu 'indoeuropäisch' entgermanisiert.

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alles

eieiei,

der kaffee aus der tuerkei, das kipferl aus der tuerkei und jetzt auch noch unsere ganze sprache ...

ei, das is hart fuers konservative voelklein ... :D

Antworten Gast: Till aus dem Haus der Freude
25.08.2012 12:34
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Re: alles

Kaffee kommt aus Äthiopien, das Kipferl war schon VOR den Türken (1529) in Wien bekannt, und die Seldschuken (Türken) selbst kamen für's Indogermanische ca. 10.000 Jahre zu spät nach Anatolien. Nach den Hethitern, Griechen, Römern, Byzanthinern...

Ei ei ei- das ist hart für die linken Bildungsopfer...

Antworten Gast: Igeißel mi...
24.08.2012 13:02
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Re: alles

Hitzeopfer oder einfach nur furchtbar ungebildet (=Stammwähler)?
Übrigens (für die Verfasser): Indeuropäisch gibt's nicht, heißt nach wie vor indogermanisch.

Re: alles

Damals gabs noch keine Turkstämmigen in Anatolien. Die kamen erst, als die alten Hochkulturen erloschen waren.

Antworten Gast: Dr. Eisendraht
23.08.2012 22:49
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Re: alles

Lieber Xernot, zu den anatolischen Sprachen zählt auch das Hethitische und das ist die ältest bezeugte indogermanische Sprache. Übrigens im Ersten Weltkrieg von einem Österreicher als solche erkannt. Der Mann hieß Friedrich Hrozny

Gast: ASVG-Sklave
23.08.2012 20:17
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...sagt man



in ein paar Jahren bei der nächsten Tagung wieder etwas anderes. Kann eh´ keiner überprüfen.

Was ist mit den Runen ?

In den Skandinavischen Ländern wurden Steininschriften gefunden,die nur mit den Runen von den .............?
übersetzt werden können ;D

Re: Was ist mit den Runen ?

Runen wurden meines Wissens von römischen Legionären als geheime Zeichen aus Etrurien nach Germanien gebracht.

Und auch die Etrusker hatten anatolische Wurzeln.

Antworten Gast: Dr. Eisendraht
23.08.2012 22:47
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Re: Was ist mit den Runen ?

Die Runen sind keine genuin germanische Erfindung. Sie haben ihre Wurzeln in nordoztalischen Alphabeten

jetzt werden sie uns gleich erklären

wie wichtig es nicht ist die heutigen einwohner anatoliens nach europa zu holen, um unsere sprach wurzeln besser kennen zu lernen...

aber wie will man das ganze wissen, gibts schriftliche aufzeichnungen als belege. oder gar eine stein schallplatte....?

Antworten Gast: Störrisch...
24.08.2012 16:46
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Re: jetzt werden sie uns gleich erklären

HC...Du schon wieder?

Tiefer gehts echt nimma....

 
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