Viele Tiere, von Fruchtfliegen bis zu Ratten, leben länger, wenn sie im Labor auf schmale Kost gesetzt werden, 30 Prozent weniger als normal. Das brachte Versuchsratten 1935 4,5 Jahre Leben statt der normalen drei. Und das weckte Hoffnungen, bei Menschen könne es auch so sein.
Aber an Menschen kann man es nicht testen, es würde zu lange dauern. Deshalb laufen in den USA seit 20 Jahren zwei Tests an Gruppen von Rhesusaffen, die im Durchschnitt 27 Jahre leben. Von der einen Gruppe, in Wisconsin, sind 2009 nur 13 Prozent gestorben, bei den Kontrollaffen mit normaler Kost waren es 37 Prozent. In der anderen Gruppe hingegen, in Maryland, zeigt sich der Effekt nicht, die Sterblichkeit ist gleich hoch. Allerdings sind die Affen auf Diät gesünder, das Herz-Kreislauf-System etwa, es hat auch keiner von ihnen bisher Krebs bekommen (Nature, 29. 8.). Wo der Unterschied zwischen beiden Gruppen herkommt, ist unklar: In Wisconsin gibt es anderes Futter als in Maryland, auch der genetische Hintergrund beider Gruppen ist verschieden. Endgültige Klarheit gibt es erst, wenn der letzte Versuchsteilnehmer gestorben ist. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)
