Ein Mann, der den Mund einer hübschen Frau heiß küsse, möge sich vielleicht doch bei der Idee ekeln, auch ihre Zahnbürste zu benutzen. So umschrieb Freud 1905 in den „Abhandlungen zur Sexualtheorie" das heikle Zusammenspiel zweier machtvoller Triebe: Sex und Ekel. Letzterer lässt uns vor vielem flüchten, was zu Ersterem gehört, vor Körpersäften etwa, und dieser Fluchtreiz ist so stark, dass Chairmain Borg (Groningen), die Frage stellt, „warum Menschen überhaupt Vergnügen an Sex haben". Aber die Psychologin beantwortet sie auch: Sexuelle Erregung senkt die Ekelschwelle, das wusste man schon bei Männern, Borg hat es nun auch an Frauen gezeigt. Sie hat manchen Testpersonen Pornos gezeigt, anderen neutrale Filme, dann mussten beide eher ekelhafte Dinge tun, die entweder mit Sex zu tun hatten (etwa: ein benutztes Tampon in die Hand nehmen) oder nicht (aus einem Glas trinken, in dem eine Fliege schwamm). In beiden Fällen unterdrückten die sexuell Erregten den Ekel stärker, auch beim von Freud inspirierten Test mit der gebrauchten Zahnbürste (PLoS One, 12. 9.).
(jl)
