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Fritz Fellner: Ein unkonventioneller Historiker

18.09.2012 | 16:42 |  Von Gerald Stourzh (Die Presse)

Nur vier Monate vor seinem 90. Geburtstag ist der Historiker Fritz Fellner im Alter von 89 Jahren gestorben. Fellner war ein unkonventioneller und Kontroversen nicht scheuender Geist.

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Nur vier Monate vor seinem 90. Geburtstag ist Fritz Fellner, der Historiker, gestorben. Er hat noch Heinrich von Srbik gehört, der ihn beeindruckt hat. Sein eigentlicher Lehrer war nach dem Kriege Hugo Hantsch. Dieser, seines Zeichens Melker Benediktiner, stellte wissenschaftliche Begabung immer vor weltanschauliche Positionen: Er engagierte einen Protestanten, Günter Hamann, und eben den liberalen Fellner als Assistenten, 1964 wurde Fellner als Ordinarius für Neuere Geschichte an die Salzburger Universität berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1993 tätig war.

Fellner war ein unkonventioneller und Kontroversen nicht scheuender Geist. Er hatte besonders enge wissenschaftliche Beziehungen zu den USA; unter anderem war er Gastprofessor an der Stanford University. Seine Forschungsschwerpunkte galten der österreichischen Geschichte von der Revolution 1848 bis zu den Friedensverträgen nach dem Ersten Weltkrieg – wobei seine Arbeiten zu außenpolitischen Themen hervorstechen – sowie der Geschichte der Geschichtsschreibung. Seine Bücher „Vom Dreibund zu Völkerbund“ (1994) und „Geschichtsschreibung und nationale Identität“ (2002) legen davon Zeugnis ab. Ein editorisches Meisterwerk ist der Persönlichkeit des liberalen Politikers, Juristen, Historikers und letzten k. u. k. Finanzministers Josef Redlich (1869–1936) gewidmet. Fellner ist es gelungen, noch als 88-Jähriger gemeinsam mit Doris Corradini eine dreibändige über 1600 Seiten umfassende Edition der Lebenserinnerungen, politischen und persönlichen Tagebücher sowie einer Briefauswahl Redlichs vorzulegen. Damit liegt seit 2011 eines der informationsreichsten Quellenwerke zur Spätgeschichte der Donaumonarchie vor, die wir kennen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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2 Kommentare

die Dreibund-/Voelkerbund- Geschichte erinnert fatal ...

... an den Wettlauf um die Arktis und Antarktis

(wenn man sich den Wettlauf um Nordafrika ansieht)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreibund

Damals wie heute ging es um idiotisch gierige HerrschaftsClans (damals Koenigshaeuser, heute PolitBonzenGruppen) und ihre ruecksichtslose Vernichtung der WeltRessourcen

(die heutige Ausgangslage ist allerdings viel schlechter als vor 100 Jahren)

Gast: Alexander Clausen
20.09.2012 09:49
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Ein guter Nachruf

Es fehlt nur noch, daß Hr Prof Fellner ein ganz ausgezeichneter Lehrender an der Universität Salzburg war, der noch dazu "unerhörterweise" schlechte Leistungen tatsächlich negativ bewertete und nicht wie viele seiner Kollegen Alibihandlungen setzte um Kontroversen zu vermeiden. Seine Sichtweise von Geschichte war und ist besonders eindringlich und gut Ein Lichtstrahl in der von dümmlicher Parteiideologie und utopischen Gesellschaftsvorstellungen geprägtem Geistesleben in Geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Die akademische Welt wird ihn mit Sicherheit vermissen.