18.05.2013 16:44 Merkliste 0

Stressfrei leben? Suchen Sie sich eine Führungsposition!

24.09.2012 | 21:05 |  von jürgen langenbach (DiePresse.com)

Dass Menschen mit höchster Macht und Verantwortung auch den höchsten Stress haben, wird schon lange beklagt. Allerdings wurde es selten geprüft. Nun zeigt sich, dass das Gegenteil wahr ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

„Andere leiten schaffte endlosen Stress . . . Die Manager von heute stehen unter wachsendem Zeitdruck mit wenig Erholung." So klang die Klage im Harvard Business Review 1981 („Why executives burn out"), und seitdem hat sich um dieses Ausbrennen eine Psycho-Industrie etabliert, die „Stressmanagement für Führungskräfte" und dergleichen anbietet. Der Bedarf wächst - oder zumindest das Öffentlichmachen und Reden über Burn-out -, man sieht es aktuell am Grünen-Politiker Rudi Anschober, der sich eine Auszeit genommen hat und das Bild bestätigt, dass der Stress mit der Höhe des Rangs in der Hierarchie wächst.

Das bestätigten auch Tierversuche, darunter einer, der im Jahr 1958 unternommen wurde, damals war so etwas noch möglich: Rhesusaffen erhielten Elektroschocks, und manche durften selbst über den Zeitpunkt entscheiden, andere mussten nur dulden, so simulierte man Chefs und Untergebene. Die „Chefs" entwickelten mehr Magengeschwüre, sie hatten schließlich die Last der Entscheidung und entwickelten darunter, was man „Executive Stress Syndrome" nannte.

An der Spitze wehen milde Lüftchen

Aber das Experiment war nicht nur barbarisch, es führte auch in die Irre: „Chefs" und „Untergebene" waren nicht nach Zufall ausgewählt worden, sondern nach dem Charakter, eher coole Typen wurden „Untergebene", leichter erregbare „Chefs". Zudem wiesen bald andere Versuche mit sozial lebenden Affen in die Gegenrichtung: An der Spitze ist die Luft weder dünner noch rauer noch eisiger, dort wehen milde Lüftchen - zumindest solange die Position nicht umkämpft ist. Dann kann der Boss in Ruhe den Rangeleien weiter unten zusehen. Das zeigt sich bei vielen Primaten im Speichel: Alphatiere haben weniger Stresshormone („Cortisol"). Und bei Menschen? Da ist es ebenso, allerdings ist es schwer zu erkunden, wer hat schon Zugang zu Menschen hoch oben in Hierarchien? Die Harvard University hat ihn, sie hat ein Erziehungsprogramm, in dem Spitzenbeamte und -militärs mitwirken: 316 gaben bei Jennifer Lerner Speichelproben ab und berichteten über ihr Allgemeinbefinden, auch über Stress und Ängste.

Bei beiden Indikatoren - dem objektiv messbaren wie dem empfundenen - war der Stress um so geringer, je höher eine/einer in der Hierarchie rangierte (Pnas, 24. 9.). Lerner führt das darauf zurück, dass die Kontrolle über die ganze Situation wächst - die wirkliche und/oder die eingebildete Kontrolle -, wenn eine/einer einen größeren Apparat unter sich hat bzw. für mehr Menschen zuständig ist, das puffert Stress ab (anderes tut es auch: Wer oben ist, genießt mehr Reputation und, bei Bedarf, soziale Unterstützung.)

Stressresistenz: Ursache oder Wirkung?

Allerdings ist mit all dem die zentrale Frage nicht geklärt, die nach Ursache und Wirkung. Es könnte schon auch sein, dass Stressresistentere eher den Weg nach oben schaffen. Offen bleibt auch die Frage nach denen ganz oben - Präsidenten, Generäle, Direktoren -, die jederzeit stürzen können. Die getesteten Personen sind nur relativ weit oben, und als Staatsdiener sitzen sie in sicheren Positionen, von denen es nur immer noch weiter hinaufgehen kann.

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
3 Kommentare
Gast: lav
27.09.2012 00:41
1 0

Stress kommt auch von

a) Ungerechtigkeiten der Vorgesetzten
b) dummen, sinnlosen Arbeitsanweisungen der höheren Hierarchie

Diese Faktoren bewirken oft mehr Stress als Arbeitsdruck. Die meisten Menschen arbeiten nämlich sehr gerne, wenn die Arbeit Sinn macht.

Da die Faktoren a)+b) eher in den unteren Hierarchien auftreten, glaube ich, dass diese Untersuchungen schlüssig sind.


Antworten Gast: Teddy
28.09.2012 12:50
1 0

Re: Stress kommt auch von

das unterschreibe ich. das beste ist wenn arbeitsanweisungen kommen, die gemacht werden nur um dann kurzfristig umgeschmissen zu werden, doppelte arbeit, doppelte belastung.

Gast: der ehemalige Student1
26.09.2012 09:28
0 1

Wenn die den Test in Österreich

gemacht hätten, bei österreichischen Spitzenbeamten, hätten sie in literweise Speichel kein einziges Stresshormönchen gefunden.

Ob das allerdings etwas aussagt?