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Neue Hoffnung gegen Akne: Bakteriophagen

25.09.2012 | 17:09 |   (Die Presse)

Weil bei dem Leiden Bakterien mitspielen, könnte man die Feinde der Feinde zu Hilfe rufen.

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Wenn er Vulkane in einem Gesicht sehe, schließe er auf das Feuer darunter, schrieb Lichtenberg sinngemäß irgendwo, und das war wohl wahr, aber wenig tröstlich: 90 Prozent aller Menschen leiden irgendwann im Leben an Akne, der Krankheit, die dem Körper (meist) wenig tut, die Psyche aber um so härter trifft, und das oft zum verwundbarsten Zeitpunkt, in der Pubertät. Eine Ursache gibt es nicht, Hormone spielen mit, ein Bakterium tut es auch – Propionibacterium acnes –, es haust in den Talgdrüsen. Bei Akne vermehrt es sich hundertfach, das Immunsystem reagiert mit Entzündung, und das Ergebnis des Ganzen kann Betroffene halb um den Verstand bringen, manche suchen Hilfe bei Schminke, andere im Rückzug.

Ärzte verschreiben seit Jahrzehnten das Gleiche, verschiedenste Medikamente (mit Nebenwirkungen) und Antibiotika, gegen Letztere sind viele Bakterien resistent geworden. Abhilfe ist überfällig, sie könnte von den Feinden der Feinde kommen, Bakteriophagen. Das sind die Viren der Bakterien: Sie dringen in sie ein, lassen sich von ihnen vervielfältigen und töten sie, sprengen die Zellwände. Dass sie das tun, wurde 1896 entdeckt und 1916 erstmals therapeutisch genutzt, es folgte eine Hausse, die in den 1930er-Jahren in sich zusammenbrach, Phagen wirkten nicht immer, zudem kam bald Konkurrenz, Alexander Fleming entdeckte das Penizillin, mit ihm begann der Siegeszug der Antibiotika.

„Ideale Kandidaten für Therapie“

Als der in den 1990er-Jahren ins Stocken kam – weil viele Bakterien gegen Antibiotika resistent geworden waren –, erinnerte man sich an die Phagen. Und an einem Ort waren sie doch immer weiter erforscht worden, in Tiflis in Georgien, im 2. Weltkrieg setzten Sanitäter der Roten Armee sie ein, und als die Sowjetunion blutig zerfiel, kamen sie wieder zur Anwendung. Aber es gab immer wieder technische Hürden. Nun regt eine Gruppe um Robert Modlin (UC Los Angeles) einen neuen Anlauf an, bei Akne: Dort, wo P. acnes haust, hausen auch P. acnes Phagen, sie sind auf diesen Wirt spezialisiert. Modlin hat Genome verschiedener Stränge isoliert, sie sind einander sehr ähnlich, das heißt auch, dass sie nicht auf einzelne Bakterienstränge gehen, sondern alle treffen (mBio, 25. 9.). „Das macht Phagen zu idealen Kandidaten einer Aknetherapie“, schließt Modlin, „man könnte entweder sie selbst einsetzen oder ihr ,Endolysin‘“, das ist das Enzym, mit dem sie die Bakterienwände aufsprengen.    jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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