Bei Pavianen wird viel gegrunzt und gegroomt, ersteres ist ein beruhigendes Begrüßungssignal, letzteres ist schwer zu übersetzen, es meint die gegenseitige Fellpflege, die auch und vor allem der Stabilisierung sozialer Beziehungen dient. Beides entscheidet mit darüber, wie „fit“ ein Pavian bzw. eine Pavianin ist, wie viele Junge sie bekommt und wie lange diese überleben. Von der Evolutionstheorie her ist alles klar: Paviane leben in Gruppen mit strengen Hierarchien, an der Spitze stehen die höchstrangigen Weibchen, die meist auch die größten Familien haben, also die meiste Unterstützung. Und die Evolution belohnt das dadurch, dass der soziale Rang der Mütter an die Töchter vererbt wird.
Netzwerken ist wichtiger als Dominanz
Also sollten die auch die meisten Jungen haben. Das ist aber nicht so, Robert Seyfarth und Dorothy Cheney – Veteranen der Erforschung nichtmenschlicher Primaten, Pennsylvania State University – haben es in 17-jährigen Beobachtungen in der Morami Game Reserve in Botswana bemerkt. Deshalb haben sie die letzten sieben Jahre noch genauer hingesehen und jedes einzelne Grunzen und Groomen dokumentiert, den Stress der Tiere erhoben – aus Stresshormonen in den Fäkalien – und alles in Relation zum Reproduktionserfolg gestellt (Pnas, 1. 10.).
„Dominanz sagt nicht so viel über den reproduktiven Erfolg wie der Aufbau stabiler Netzwerke und Beziehungen“, berichtet Seyfahrt. Und diese Sozialkompetenz wieder hängt an der Persönlichkeit, ganz wie bei uns. Die zeigt sich zunächst bei Begegnungen. Höherrangige Weibchen können Niederrangige mit Grunzen begrüßen, das zeigt: Keine Sorge, ich tue nichts! Umgekehrt signalisieren Niederrangige mit Grunzen ihre Unterwürfigkeit. (Und alle grunzen Weibchen mit Jungen an, weil sie nur dann mit den Jungen spielen dürfen.)
Das sind die Eröffnungen, verfestigt werden Kontakte mit Groomen (und in der Partnerwahl). Bei all dem schälen sich drei Persönlichkeitstypen heraus: die Netten, die Spröden und die Eigenbrötler. Erstere grunzen und groomen viel und halten sich lange an die gleichen Partner; Spröde neigen eher zu Aggression, haben aber auch dauerhafte Partnerpräferenzen; Eigenbrötler sind generell unleidlich und wechseln Partner oft (Pnas, 1. 10.). Damit fahren sie am schlechtesten von allen, ganz gleich, wie hoch in der Hierarchie sie stehen: „Das widerlegt die Idee, dass Konflikt und Wettbewerb alles sind“, schließt Cheney. „Wer ein netter Pavian ist, hat ein stärkeres soziales Netz, das erhöht die Chancen, Gene weiterzugeben.“ Unklar bleibt nur, warum die Evolution den Misserfolgstyp – Eigenbrötler – nicht schon lange weggeschafft hat.
