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Neue Förderungen für den freien Zugang zu Wissen

13.10.2012 | 17:14 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Geistes- und Sozialwissenschaftler sollen für Open-Access-Zeitschriften Unterstützung finden.

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„Österr. Zeitschrift für Südostasienwissenschaften“, „Österr. Juristen Zeitung“ und „Adler – Zeitschrift für Genealogie und Heraldik“ sind nur drei Zeitschriften, die hierzulande erscheinen – und dem Großteil der Menschen verborgen bleiben. Die Geisteswissenschaften haben ein gewisses Vermittlungsproblem: Obwohl sie viel leisten, nimmt die Öffentlichkeit die Forschungen von Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) kaum wahr. Teils auch, weil „Wissenschaftssendungen“ fast nur über Neuigkeiten aus Technik und Naturwissenschaft berichten. Diese Woche widmete sich in Wien die Veranstaltung „Humans need Humanities“ (ÖAW und BMWF) dem Problem der „unsichtbaren“ Leistungen der GSK-Wissenschaften.

Auch populärwissenschaftliche Ansätze wie die Umsetzung in Computerspielen und Videos oder die Verbreitung über Facebook und Twitter wurden angesprochen. Ein wichtiger Punkt der Diskutanten war „Open Access“. So nennt man im Internet frei zugängliche Zeitschriften, bei denen jeder den Volltext von wissenschaftlichen Publikationen downloaden kann. Diese Art der Veröffentlichung boomt seit etwa zehn Jahren, früher kam man nur in Fachbibliotheken oder mit teuren Zugangscodes an den Inhalt von wissenschaftlichen Arbeiten. Open Access ist wertvoll für die schnelle Verbreitung von neuen Erkenntnissen innerhalb der wissenschaftlichen Community – aber auch außerhalb.

„Das klassische Modell der Publikationsformate wird in 20 Jahren nicht mehr existieren: Wir werden eine Open-Access-Welt haben“, sagt FWF-Präsident Christoph Kratky. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium präsentierte der FWF nun seine neueste Initiative: eine Anschubfinanzierung für Institutionen oder Personen der Geistes- und Sozialwissenschaften, die in Österreich eine Open-Access-Fachzeitschrift gründen oder eine klassische „Subskriptionszeitschrift“ auf Open Access umstellen wollen. „Die weltgrößte Fachzeitschrift ist inzwischen ,PlosOne‘, bei der pro Jahr 25.000 Artikel frei zugänglich publiziert werden“, sagt FWF-Experte Falk Reckling. Der weltweite Trend zum freien Wissenszugang soll auch in Österreich intensiver unterstützt werden: Gerade bei den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es viele Zeitschriften, die nur regional verbreitet sind. Das könnten neue Open-Access-Publikationen ändern: „Wenn charismatische Persönlichkeiten aus Österreich internationale Kapazunder ins Editorial Board einladen, die mit ihrem Namen für Qualität stehen, wird so eine Zeitschrift international sichtbar und bringt zugleich der Uni hohes Renommee“, betont Kratky.

Das Förderprogramm ist vorerst als „Experiment“ angelegt, sagt Reckling. Bis 1. April 2013 können „Interessenbekundungen“ an den FWF geschickt werden, aus denen die Qualität und v. a. der Finanzierungsplan herausgehen sollen. Wenn genug spannende Ansätze eintreffen, wird ab Mai 2013 um Vollanträge gebeten: Jede Zeitschrift soll mit etwa 50.000 Euro (über drei Jahre) gefördert werden, insgesamt stehen im FWF 500.000 Euro für diese Anschubfinanzierungen bereit.

In Zahlen
260 wissenschaftliche Zeitschriften gibt es in Österreich, 60 Prozent davon aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK).
Nur drei dieser Zeitschriften sind weltweit renommiert und bereits Open Access (z. B. Vienna Yearbook of Population Research).
50.000 Euro (in Ausnahmefällen sogar 100.000) können Institutionen oder Personen der GSK als Anschubfinanzierung erhalten, wenn sie ein sinnvolles Konzept für Open-Access-Zeitschriften einreichen.
Infos: www.fwf.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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1 Kommentare

Das Wort


Es stand am Anfang, aber sein Ziel ist hier. Wo es nicht vernommen wird.

Weil es nicht soll, nicht stehen muss, nur ein Platzhalter seine Bedeutung sei.