Die Frage, ob Maisbeizmittel für das Massensterben von Bienenvölkern verantwortlich sind, wird längst nicht mehr nur von Imkern, Bauern und Wissenschaftlern diskutiert. Inzwischen befasst sich auch im Parlament ein eigener Unterausschuss mit der Frage.
Bereits 2008, als Deutschland Maisbeizmittel verbot, wurde auch der damalige „Lebensminister“ Josef Pröll (ÖVP) – in das mittlerweile von Nikolaus Berlakovich geleitete Ressort fallen sowohl Umwelt- als auch Agraragenden – aufgefordert, einen ähnlichen Schritt zu setzen. Erst im Juni dieses Jahres wurde auf Drängen der Grünen ein Unterausschuss zum Landwirtschaftsausschuss eingerichtet, der über das Verbot der Beimengung von Neonicotinoiden berät.
ÖVP gegen Beizverbot. Außer der ÖVP seien alle Parteien für ein Verbot gewesen, heißt es aus dem grünen Klub, die SPÖ aber nur halbherzig – jetzt dürfte sie sich aus Koalitionsräson auf die Seite der ÖVP schlagen. Im November ist die nächste Ausschusssitzung anberaumt. Besonders vehement gegen ein Verbot tritt Hermann Schultes, ÖVP-Abgeordneter und Präsident der Niederösterreichischen Landwirtschaftskammer, auf: Der Maiswurzelbohrer sei eine ernste Gefahr, die Landwirtschaft fühle sich durch die „Kampagne“ von Umweltschützern zu Unrecht kritisiert, sagt Schultes zur „Presse am Sonntag“ – die Forschung zeige, dass das Beizen nicht für das massive Bienensterben verantwortlich sei.
Stattdessen tritt er für eine Teilnahme Österreichs an dem EU-weiten Bienen-Monitoring-Programm ein, das sich der Ursachenforschung noch eingehender widmet – wofür praktischerweise SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger zuständig wäre. Der beantwortete eine Anfrage Schultes' dazu aber jüngst abschlägig: Denn zur Teilnahme an dem Programm müssten zunächst alle Imker des Landes zentral erfasst werden – was angesichts der freien, föderalen Struktur der heimischen Imkerei faktisch unmöglich ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)
